Trainerfrage Stuttgarter Kickers Vertrag läuft im Sommer aus: Weiter mit oder ohne Marco Wildersinn?

Sport-Geschäftsführer Lutz Siebrecht, Trainer Marco Wildesinn (re.): Geht es im Gleichschritt auch in die nächste Saison? Foto: Baumann/Alexander Keppler

Am Saisonende läuft der Vertrag von Trainer Marco Wildersinn aus. Will er bleiben? Wollen die Stuttgarter Kickers mit ihm weitermachen? Was gäbe es für Alternativen? Eine Einordnung.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Von den letzten sieben Spielen der vergangenen Regionalligasaison hatten die Stuttgarter Kickers sechs verloren, mit der blamablen 1:5-Heimschlappe gegen Hessen Kassel als negativem Höhepunkt. Nicht wenige rechneten damit, dass die Blauen aufgrund dieser letzten Eindrücke mit einem neuen Trainer in die Saison 2025/26 gehen würden. Doch Marco Wildersinn durfte weitermachen.

 

Wichtiger Sieg vor der Winterpause

Mit dem alten Trainer, aber einer neuen Mannschaftsstruktur ging es in die laufende Spielzeit. Der 45-Jährige trug den Weg mit, mit einer stark verjüngten Mannschaft an den Start zu gehen. Neben durchaus auch positiven Aspekten sorgten in der Vorrunde aber vor allem die vier 0:3-Auswärtsniederlagen in Mainz, Kassel, Alzenau und beim FSV Frankfurt sowie die Art und Weise, wie diese zustande kamen, erneut für heftige Kritik am Trainer. Wieder hielt der Verein am Trainer fest. Der 4:2-Sieg bei Eintracht Trier am 5. Dezember 2025, am letzten Spieltag vor der Winterpause, trug seinen Teil zu dieser Entscheidung bei, wahrscheinlich auch die nicht einfache finanzielle Lage.

Als Ergebnis der Analyse während der spielfreien Zeit teilte Präsident Rainer Lorz nach vielen Gesprächen mit allen Beteiligten mit, dass die Veränderungen nicht im personellen Bereich liegen sollen. „Wir sind alle der Meinung, dass wir mit den vorhandenen Ressourcen und den Verantwortlichen mehr herausholen können“, stellte der Kickers-Chef klar. Und Lutz Siebrecht, der Geschäftsführer Sport, ergänzte: „Ich bin nach den Gesprächen optimistisch, dass wir in den verbleibenden Spielen eine Kickers-Mannschaft sehen werden, die mit einfachem, klarem Spielsystem und intensivem Spiel gegen den Ball uns allen Spaß und Freude bereiten wird.“

Hohe Intensität und Dominanz

Genau diese Forderung setzt die Mannschaft derzeit um. Sie ist 2026 seit drei Spielen (zwei Siege, ein Unentschieden) ungeschlagen, speziell beim Heimspiel am vergangenen Samstag gegen den TSV Steinbach Haiger sammelte die Mannschaft bei den 3550 Zuschauern im Stadion viele Pluspunkte und Sympathien. Nicht nur weil sie 4:1 gewann, sondern weil sie den Gegner mit hoher Intensität und Dominanz konsequent unter Druck setzte, was zu hohen Ballgewinnen und deutlich mehr Torgefahr führte.

Auch Siebrecht lobte den Powerfußball: „Das Spiel hat mehr mir sehr, sehr gut gefallen. Die Mannschaft hat so gespielt, wie ich mir es mir von ihr Woche für Woche wünsche. Und zwar unabhängig davon, gegen wen es geht. Unabhängig davon, ob wir zu Hause oder auswärts spielen.“ Vielmehr müsse genau das dauerhaft die Herangehensweise sein.

Kickers-Fans hatten Grund zum Jubeln gegen Steinbach. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Um es auf die Trainerfrage zu beziehen: Bestätigt die Mannschaft den positiven Trend, setzt sie ihn auch auswärts fort (wie am kommenden Samstag um 14 Uhr beim SC Freiburg II) oder auch im darauf folgenden wichtigen WFV-Pokal-Viertelfinalspiel (17. März, 19 Uhr) gegen Regionalliga-Spitzenreiter SGV Freiberg, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass es mit Wildersinn über die Saison hinaus weitergeht. Wobei klar sein sollte: Von kurzfristigen Ausschlägen nach oben oder unten sollte solch eine strategisch wichtige Entscheidung nicht abhängen. Vielmehr gilt es, die Strecke der Arbeit und eine daraus abzuleitende Entwicklung zu bewerten. Unabhängig davon: Bei einem auslaufenden Vertrag ist es legitim, sich neu zu orientieren. Dies gilt für beide Seiten. Für Verein und für Trainer.

Beide verbreiten keine Hektik. „Wir haben in den nächsten Wochen wichtige Spiele, darauf konzentrieren wir uns zu 100 Prozent. Ende März, Anfang April beginnen dann die Gespräche mit allen Personen, bei denen der Vertrag ausläuft“, erklärt Siebrecht. Und auch der Trainer gibt sich entspannt: „Es gibt keinen Gesprächstermin, das ist für mich aber gar kein Problem. Ich will schauen, dass wir gute Spiele machen und Siege holen.“ Zudem sei eine solche Hängepartie für ihn keine komplett neue Situation. „Selbst zu meiner Zeit in Hoffenheim war es so, dass wir uns erst im März oder April zusammengesetzt haben“, sagt Wildersinn.

„Lust, Entwicklung fortzuführen“

Dass er sich ein weiteres Engagement bei den Kickers gut vorstellen könne, daran lässt der gebürtige Baden-Badener keinen Zweifel: „Es hat sich in den vergangenen über eineinhalb Jahren extrem viel getan. Viele Dinge mit unserer jungen, entwicklungsfähigen Mannschaft entwickeln sich zum Positiven. Ich glaube schon, dass wir mit einem punktuell verstärkten Kader in der neuen Saison die Früchte ernten können. Deshalb habe ich große Lust, diese Entwicklung fortzuführen“, sagt Wildersinn und betont: „Diesen eingeschlagenen Weg lebe ich. Und die Bereitschaft, sich zu unterhalten, wie dieser Weg weitergehen kann, ist absolut da.“

Trainer Marco Wildersinn mit Unterschiedsspieler David Tomic. Foto: Baumann/Hansi Britsch

Zumal er herausstreicht, dass das Entwickeln von Spielern und Mannschaften schon immer sein Ding war: „Deshalb war ich auch relativ lange in Hoffenheim Denn Entwicklungen sind halt nicht nach eineinhalb oder zwei Jahren abgeschlossen, das braucht oftmals ein bisschen länger.“

Bei der TSG Hoffenheim arbeitete Wildersinn sieben Jahre. Ob sich er und die Kickers auf eine dritte Saison einigen, wird sich wohl erst im April entscheiden. So lange gehört es in der Branche zum Geschäft, dass auch Alternativen gehandelt werden – und sei es nur in der Gerüchteküche. Dort kursieren Namen wie Thomas Klasen (Eintracht Trier), Holger Bachthaler (FV Illertissen), Beniamino Molinari (VfR Aalen), Kristjan Glibo (zuletzt Kickers Offenbach) oder die von Ex-Kickers-Trainern wie Mustafa Ünal, Sreto Ristic (beide vereinslos) und Yannick Dreyer (Mainz 05, U 16).

Saison 2025/26

Ergebnisse
1. Göppinger SV – Stuttgarter Kickers (0:2/zweite WFV-Pokal-Runde), SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Kickers 0:1, Kickers – SV Sandhausen 3:2, VfR Aalen – Kickers (0:2/dritte WFV-Pokal-Runde), Kickers – Eintracht Trier 1:1, 1. FSV Mainz 05 II – Kickers 3:0, Stuttgarter Kickers – Kickers Offenbach 1:2, TSV Weilimdorf – Kickers (1:2/WFV-Pokal-Achtelfinale), TSV Steinbach Haiger – Kickers 0:1, Kickers – SC Freiburg II 4:0, KSV Hessen Kassel – Kickers 3:0, FC Bayern Alzenau – Kickers 3:0, Kickers – SGV Freiberg 1:1, FSV Frankfurt – Kickers 3:0, Kickers – Bahlinger SC 3:0, TSG Balingen – Kickers 0:2, Kickers – TSV Schott Mainz 2:1, FC 08 Homburg – Kickers 2:1, Kickers – FC-Astoria Walldorf 2:1, SG Sonnenhof Großaspach – Kickers 3:1, Kickers – SG Barockstadt Fulda-Lehnerz 0:1, SV Sandhausen – Kickers 2:1, Eintracht Trier – Kickers 2:4, Kickers – FSV Mainz 05 II 1:0, Kickers Offenbach – Stuttgarter Kickers 0:0, Kickers – TSV Steinbach Haiger 4:1.

Termine
SC Freiburg II – Kickers (14. März, 14 Uhr), Kickers – SGV Freiberg (WFV-Pokal-Viertelfinale/17. März, 19 Uhr), Kickers – KSV Hessen Kassel (21. März, 14 Uhr), Kickers – FC Bayern Alzenau (28. März, 14 Uhr). (jüf)

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