Nach fünf sieglosen Spielen hintereinander hat sich der italienische Fußball-Zweitligist FC Genua von Alexander Blessin getrennt. Der gebürtige Stuttgarter hatte das Amt beim Traditionsclub vergangenen Januar übernommen.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Seine Frau und seine Töchter sowie Freunde von Alexander Blessin saßen am Sonntag noch auf der Tribüne des Spiels gegen AS Cittadella (0:1). Es war das letzte Spiel des gebürtigen Stuttgarters als Trainer des FC Genua. Jetzt trennte sich der im Sommer in die Serie B abgestiegene Traditionsclub von Blessin. Das fünfte sieglose Spiel hintereinander wurde dem 49-Jährigen zum Verhängnis. Zwar steht Genau noch auf Platz fünf, doch der Rückstand auf Spitzenreiter Frosinone Calcio beträgt bereits neun Punkte.

Gilardino übernimmt

Blessin hatte das Amt als Nachfolger des früheren ukrainischen Weltklasse-Stürmers Andriy Shevchenko vergangenen Januar übernommen, er konnte trotz einer guten Serie den Abstieg in die Serie B aber nicht mehr verhindern. Als Nachfolger Blessins übernimmt interimsweise der seit Juli für die U19 verantwortliche Alberto Gilardino.

Der 40-Jährige ist nach Fabio Grosso (Frosinone Calcio), Filippo Inzaghi (Reggina 1914), Fabio Cannavaro (Benevento Calcio) und Daniele De Rossi (SPAL) der fünfte italienische Weltmeister von 2006, der aktuell bei einem Serie-B-Club die Verantwortung innehat. Blessin war in der Geschichte der Serie A nach Rudi Völler (AS Rom) erst der zweite deutsche Trainer. „Rudi Völler hielt es 2004 dann auch nur vier Spiele beim AS Rom aus. Ich hoffe, ich bin länger im Amt“, hatte der über die Historie bestens informierte Blessin bei seinem Amtsantritt gesagt.

In einer Nacht- und Nebelaktion war der ehemlige VfB- und Kickers-Profi im vergangenen Januar von Johannes Spors vom belgischen Erstligisten KV Oostende zum damaligen Tabellenvorletzten nach Italien geholt worden. Genuas Geraldirektor war nach eineinhalb Jahren bei Vitesse Arnheim selbst erst seit Dezember 2021 im Amt, nachdem zuvor im September die US-Investorengruppe 777 Partners aus Miami den Verein gekauft hatte. Spors und Blessin kennen sich aus gemeinsamen Zeiten bei RB Leipzig.

Dort arbeitete Spors, ein gebürtiger Heidelberger, wie schon bei der TSG Hoffenheim und beim Hamburger SV als Chef-Scout, Blessin fungierte bei RB von 2012 bis 2020 als U-17- und U-19-Trainer. Erst danach übernahm er im Juni 2020 in Oostende erstmals ein Erwachsenenteam – mit beachtlichem Erfolg. Aus dem Abstiegskandidaten von der windigen Nordseeküste machte er einen Europacup-Aspiranten, die Auszeichnung zum Coach of the Year in der belgischen Jupiler League sprach für sich. In Oostende bestimmte Blessin sein Ende selbst, in Genua entschieden nun andere.