Training in den Fitnessstudios Eine Branche atmet auf

Im Balance des SV Fellbach wird wieder fleißig trainiert. Nach der neuesten Corona-Verordnung  ist  seit Montag keine Test- oder Nachweispflicht mehr nötig. Foto: Susanne Degel
Im Balance des SV Fellbach wird wieder fleißig trainiert. Nach der neuesten Corona-Verordnung ist seit Montag keine Test- oder Nachweispflicht mehr nötig. Foto: Susanne Degel

Nach gefühlt unendlich langen sieben Monaten haben nun auch die Fitnessstudios in Fellbach und Kernen den Betrieb wieder aufnehmen dürfen. Begonnen hat damit aber auch der Kampf, erlittene Verluste auszugleichen.

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Fellbach/Kernen - Für Ute Hirsch glich die Wiedereröffnung der Fitnessstudios nach dem zweiten bundesweiten Lockdown wegen der Corona-Pandemie vor rund drei Wochen einem Freudenfest. „Das ist ein Gefühl wie Weihnachten und Ostern zusammen“, sagt die 71-Jährige und strahlt. Seit 22 Jahren ist sie bereits Mitglied im Balance, dem vereinseigenen Fitnessstudio des SV Fellbach. In all den Jahren ist die Fellbacherin aber noch nie so lange am Sporttreiben gehindert worden wie seit Beginn des Lockdowns am 1. November 2020. Jetzt kommt sie wieder zweimal in der Woche ins Balance, um sich fit zu halten. „Es ist super, dass es jetzt weitergeht“, sagt sie. Mit ihr atmet die ganze Fitnessbranche auf.

Manchen Betreibern stand und steht das Wasser bis zum Hals

Etwas mehr als sieben Monate waren die Fitnessstudios wegen Corona geschlossen – nicht nur zum Leidwesen der Sportlerinnen und Sportler. Viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mussten in Kurzarbeit geschickt werden, Hunderte von Mitgliedern gingen verloren, neue konnten im Gegenzug nicht gewonnen werden. Manchem Betreiber stand und steht das Wasser deshalb bis zum Hals, schließlich mussten und müssen trotz allem laufende Kosten bezahlt werden.

Ähnlich erfreut wie Ute Hirsch zeigen sich auch Antonie Mathes, 80, aus Neugereuth und Petra Rocke, 68, aus Aldingen über den Re-Start. Beide trainieren nur wenige Meter entfernt im Activity des TSV Schmiden – und das schon jeweils mehr als 15 Jahre. „Ich bin froh, dass ich wieder zweimal in der Woche kommen darf“, sagt Antonie Mathes. Schließlich wolle sie weiter fit bleiben. Das Training an den Geräten habe ihr gefehlt. „Daheim macht man halt doch nur ein bisschen etwas“, sagt die rüstige Seniorin. Auch Petra Rocke kommt der Gesundheit zuliebe. „Das Training tut mir gut. Ich leide an Osteoporose“, sagt sie. Der Faktor Gesundheit ist ohnehin ein ganz entscheidender. Denn Training im Fitnessstudio ist nicht immer nur ein Hobby, sondern in vielen Fällen auch Schmerztherapie.

Auch die Studioleiter freuen sich über die Wiedereröffnung

Eine nicht geringere Rolle spielt häufig der soziale Aspekt. Viele Sporttreibenden, vor allem ältere, haben zuletzt den Kontakt zu Gleichgesinnten vermisst – auch das oft obligatorische Gläschen Sekt, die Tasse Kaffee und den Plausch nach getaner Arbeit. Schon allein deshalb kommen viele gerne wieder in die Studios.

Allerdings ist nicht nur den Trainierenden anzumerken, dass sie froh über die Wiedereröffnung sind. Auch die Studioleiter respektive die vielen Mitarbeiter jubeln – wenngleich für sie nun natürlich auch der Kampf begonnen hat, möglichst schnell viele Neumitglieder zu gewinnen, um das entstandene Defizit möglichst bald auszugleichen. „Endlich dürfen wir wieder unseren richtigen Job machen“, sagt Marc Wirths, der die sportliche Leitung im Balance innehat. „Wir sind dankbar und froh, dass wir wieder unsere Türen öffnen dürfen und dass unsere Mitarbeiter aus der Kurzarbeit heraus sind“, sagt Tobias Bloching, der seit dem vergangenen September der Bereichsleiter für Service und Trainingsfläche im Activity ist. Monatelang das verwaiste Studio zu sehen sei schon sehr, sehr traurig gewesen.

Zum Re-Start kamen viele Mitglieder

Auch im Fitness Club Fellbach von Thomas Röhrle werden seit dem 8. Juni wieder Gewichte gestemmt und Sportkurse besucht. „Der Start war wirklich sehr gut“, sagt der Studioleiter Timo Grüner. Man merke, dass den Leuten während des Lockdowns der Sport gefehlt habe. In den ersten Tagen nach der Wiedereröffnung seien in der Bruckstraße sogar mehr Mitglieder gekommen, als das beim Re-Start nach dem ersten Lockdown im vergangenen Sommer der Fall war.

Apropos Mitglieder: Im Fitness Club Fellbach sind mittlerweile schon wieder einige zurückgekehrt, die ihre Mitgliedschaft gekündigt hatten. „Das war pro forma. Sie wussten ja nicht, wie lange der Lockdown geht“, sagt Timo Grüner. Im Balance, das seit dem 9. Juni wieder offen ist, habe es bislang einen ähnlichen Run auf die Neumitgliedschaft gegeben wie das ansonsten nur nach Silvester der Fall ist. „Da haben ja alle immer gute Vorsätze“, sagt Marc Wirths und lacht. Auch im Activity gibt es Rückkehrer und Neueinsteiger. „Wir sind damit ganz zufrieden“, sagt Tobias Bloching. Einzig im Oefit des TV Oeffingen lassen es die Fitness- und Gesundheitsfreaks noch etwas langsam angehen. „Die Leute sind noch zurückhaltend“, sagt Gabriel Bieg, der Geschäftsführer des TV Oeffingen. Allerdings glaubt er, hierfür eine Erklärung zu haben: Den Oefit-Mitgliedern wurde wie schon in den Monaten zuvor auch im Juni kein Beitrag abgebucht. „Das haben wir nur bei denen gemacht, die ins Studio gekommen sind“, sagt Gabriel Bieg. Wenn von Juli an die Beiträge wieder bei allen Studiomitgliedern eingezogen werden, dürften auch wieder mehr trainieren.

Keine Test- oder Nachweispflicht mehr nötig

Überdies fällt nach der neuesten Corona-Verordnung des Landes, die seit Montag dieser Woche in Kraft ist, die Nachweispflicht für Sportlerinnen und Sportler weg. Sprich, die bis Sonntag nötige Vorlage eines aktuellen und negativen Coronatests oder der Beleg einer vollständigen Impfung beziehungsweise Covid-Genesung ist nicht mehr vonnöten. Für den einen oder anderen dürfte das Testen auch eine Hemmschwelle gewesen sein.

Desinfektionsmittel werden vermutlich trotzdem nicht aus den Studios verschwinden. Im Balance werden zudem Trainingshandschuhe für jene verteilt, die sich dadurch noch sicherer fühlen. Auch der Fitness Club Fellbach wird seine neu bestellten Trennwände zwischen die Geräte und nicht in den Keller stellen. Außerdem gibt es im Gebäude an der Bruckstraße Luftreiniger, die Aerosole herausfiltern. „Bei uns ist man sicherer als beim Einkaufen“, sagt Timo Grüner.

Im Sportpunkt Rommelshausen gibt es die Aktion „Jetzt erst recht“

Der Sportpunkt Kernen, das Sportvereinszentrum der Spvgg Rommelshausen, hat seit dem 16. Juni wieder geöffnet. „Der Andrang war relativ groß“, sagt der Sportliche Leiter Peter Kunze. Zwar sei die Akzeptanz hinsichtlich der Testpflicht respektive der Nachweispflicht bei den Mitgliedern groß gewesen, dennoch ist die Freude groß, dass dies nun alles hinfällig ist. Von 1. Juli an werden auch im Sportpunkt wieder die Mitgliedsbeiträge abgebucht, auf die der Verein zuletzt verzichtet hatte. Um neue Mitglieder zu gewinnen, haben die Sportpunkt-Mitarbeiter die Aktion „Jetzt erst recht“ gestartet. Verträge, die neu abgeschlossen werden, sind bis Oktober monatlich kündbar. „Ich hoffe, das nimmt den Leuten ein wenig die Vertragsangst“, sagt Peter Kunze. Die Unsicherheit, dass im Herbst eine vierte Corona-Welle kommen könnte und die Studios dann erneut schließen müssen, sei ja bei vielen da.

Die Verantwortlichen der Studios in Fellbach und Kernen wollen sich das gerade nicht ausmalen. „Wir sind nicht panisch“, sagt Susan Bense, die Leiterin von Balance und Loop des SVF. Selbst wenn eine vierte Welle kommen sollte, setzt sie auf die Vernunft der Politiker. „Ich hoffe, sie haben verstanden, wie wichtig der Sport für die Gesundheit der Menschen ist und dass Studios keine Pandemietreiber sind“, sagt sie. Die Hoffnung allerorten ist, dass das Schlimmste überstanden ist. Aktuell jedenfalls atmet die Branche auf.




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