Trainingslager des VfB Stuttgart Eine neue Rolle für Dan-Axel Zagadou
Der Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou verfügt über eine imposante Statur und soll nicht nur diese verstärkt für den VfB Stuttgart einbringen – aber wie sieht das konkret aus?
Der Innenverteidiger Dan-Axel Zagadou verfügt über eine imposante Statur und soll nicht nur diese verstärkt für den VfB Stuttgart einbringen – aber wie sieht das konkret aus?
Der Riese in den Trainingsklamotten lächelt. Nein, sagt Dan-Axel Zagadou, die bandagierte linke Hand sei kein Problem. Es ist vielmehr eine kleine Vorsichtsmaßnahme des körperlich größten Fußballers im Bundesligakader des VfB Stuttgart, dass er die Finger mit einem Tapeverband stabilisiert. Stattliche 1,96 Meter misst der 23-jährige Franzose, mächtige 90 Kilogramm wiegt er – und wenn sich der Abwehrspieler vor einem aufbaut, dann erscheint er nicht nur den gegnerischen Stürmern wie ein Muskelberg, an dem es kein Vorbeikommen gibt.
Mit Zagadou verbindet sich schon allein aufgrund seiner imposanten Statur eine beachtliche Zweikampf- und Kopfballstärke. Schnell ist er zudem, und sein linker Fuß taugt für den geordneten Spielaufbau, da er über ein gutes Auge verfügt. „Er ist ein wichtiger Spieler für uns und kann einer von vielen wichtigen Felsen in der Brandung werden“, sagt der Sportdirektor Fabian Wohlgemuth über den Innenverteidiger.
Im Gespann mit Waldemar Anton soll Zagadou den Mitspielern im Abstiegskampf Stabilität verleihen. Sie führen, wenn es eng wird, um den Defensivblock kompakt zu halten. Deshalb spricht der neue Trainer Bruno Labbadia zurzeit viel mit den beiden (Konstantinos Mavropanos fehlt noch angeschlagen beim Mannschaftstraining). Das kommt an. Zagadou spürt Vertrauen. „Ich fühle mich wirklich gut und nähere mich physisch den hundert Prozent meiner Leistungsfähigkeit“, sagt Zagadou im Trainingslager in Marbella. Selbst wenn die Beine nach den ersten Einheiten in Spanien schwer sind.
Zagadou will beim Tabellen-16. aber nicht nur den Mitspielern helfen, sondern selbst wieder zu alter Stärke zurückfinden. Bei Paris Saint-Germain ausgebildet, galt der Juniorennationalspieler lange als europäisches Toptalent. Borussia Dortmund verpflichtete ihn ablösefrei für fünf Jahre. Unter Lucien Favre hatte er seine bislang sportlich beste Phase. Weil der Schweizer Fußballlehrer auf ihn setzte und ihm Leichtsinnsfehler nachsah. Zagadou entwickelte sich so zur Stammkraft beim BVB, und der Marktwert stieg auf 35 Millionen Euro. Zum VfB kam er nach Saisonbeginn jedoch als vereinsloser Profi. Denn Zagadous Zukunft war trotz einiger Anfragen offen, da der Körper zuvor nicht mehr mitgespielt hatte. Permanente Knieprobleme machten ihm zu schaffen.
Vorbei. Sven Mislintat verpflichtete den ehemaligen Dortmunder, weil er weniger das Risiko der Verletzungsanfälligkeit sah, sondern vielmehr die Chance, einen Spieler aus einer höheren Güteklasse zu erhalten. Ein Jahresgehalt von etwas mehr als zwei Millionen Euro ist das dem früheren Sportchef wert gewesen, plus ein Handgeld von mehr als drei Millionen Euro. Alles schön verpackt in einen Vierjahresvertrag, in dem eine Ausstiegsklausel verankert ist.
Doch zunächst wollen die Stuttgarter sportlich von Zagadous Qualität profitieren. „Er hat schon bewiesen, dass er in der Champions League auf Topniveau spielen kann. Dennoch sehe ich auch bei ihm noch Verbesserungspotenzial. Basis dafür ist, dass er gesund bleibt“, sagt Wohlgemuth. Dabei geht es um Konstanz, die er bisher hat vermissen lassen.
Im Sommer verpasste der Abwehrspieler noch die Vorbereitung. Jetzt ist der Mann mit der Rückennummer 23 über den VfB zurück in den Spielrhythmus gekommen – und bei den Trainingsformen voll dabei. Fokussiert, hochprofessionell. Er wird auch immer lauter, nicht nur wenn er mit seinen französischen Kollegen auf dem Platz parliert. Labbadia nimmt den Verteidiger schlichtweg mehr in die Verantwortung und lässt ihn zum Beispiel in Spielformen die nacheinander gespielten Pässe zählen. Eine Kleinigkeit im Übungsbetrieb, die jedoch zeigt, dass der Trainer in den nächsten Monaten mehr von dem Abwehrhünen erwartet, als nur einer von elf Spielern zu sein.
„Wir stehen vor einer schwierigen Situation. Deshalb arbeiten wir so hart – aber dieses intensive Training ist genau das, was wir brauchen, um am Ende zu bestehen“, sagt Zagadou. Natürlich musste auch er sich an die morgendlichen Ausdauerläufe unter Labbadia gewöhnen, nun zählen sie zur Routine. Zagadou bezeichnet das verschärfte Training gar als den „Schlüssel“, um die Mission Klassenverbleib erfolgreich zu gestalten.
Die Stimmung in der Mannschaft hat jedenfalls noch nicht unter den vielen Trainingseinheiten gelitten. „Die Atmosphäre und die Bedingungen hier unter der Sonne sind gut“, sagt Zagadou – und der Riese in den Trainingsklamotten lächelt erneut.