Trainingslager des VfB Stuttgart Wie das Taktiktraining unter der Sonne läuft

Der VfB-Chefcoach geht zur nächsten Position, um den Trainingsdummy in den Rasen zu stecken. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB legt in Marbella weiter die Basis, um im Abstiegskampf zu bestehen. Nun kommen zum körperlichen Training die spielerischen Elemente – und es folgt die erste Probe aufs Exempel in Spanien.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Bruno Labbadia steckt die Felder am Fuße der Sierra Blanca ab. Denn das muss für den Trainer in der alltäglichen Arbeit im Trainingslager passen – die genaue Vorbereitung, die exakten Abläufe, die präzise Ausführung. Fast schon perfektionistisch ist der Anspruch des 56-Jährigen an sich und seine Assistenten. Denn Labbadia will nicht nur vorgeben, sondern vorleben, was er von den Bundesligaprofis des VfB Stuttgart verlangt. Leidenschaft für den Fußball und volles Engagement beim Training. Immer.

 

Also stehen die Hütchen auf dem Platz in einer Reihe, und die Trainingsdummys stecken, planmäßig verteilt, fest auf dem Rasen. Dahinter stellen sich die Spieler auf und hören auf Labbadia. Der Chefcoach erklärt viel und er demonstriert ständig worauf es in den Übungsformen ankommt. Zuletzt ging es viel um die eigenen Angriffe, weil die Automatismen eingeübt werden. Wer hat sich bei Ballbesitz wie zu verhalten?

Das fordert Bruno Labbadia

Taktiktraining unter der Sonne Spaniens. Die Pass- und Laufwege werden einstudiert. „Im diesem Bereich haben wir bereits einiges angeschoben“, sagt Labbadia. Noch in Stuttgart stand mehr die Defensive im Vordergrund, jetzt während des Tage in Marbella kommt verstärkt die Offensive zum Zug. Immer wieder erinnert Labbadia die Spieler lautstark daran, was ihm wichtig ist: „Seid nicht so zögerlich. Traut euch was zu. Trefft Entscheidungen. Gebt demjenigen, der den Ball hat, Optionen.“ Und: „Fordert den Ball. Ich will was hören.“

Die erste Probe aufs Exempel in Spanien erfolgt nun an diesem Sonntag. Das Testspiel gegen den FC Sion (15 Uhr/VfB TV) steht an. Und der Trainer will sehen, wie weit seine Mannschaft ist. Körperlich, aber ebenso spielerisch. Mehr als 60 Trainingseinheiten wurden seit Labbadias Dienstantritt am 12. Dezember absolviert. Ein enormes Pensum. Die Spieler ziehen jedoch mit.

Doch längst nicht alle sind fit. Wichtige Kräfte weisen Nachholbedarf aus. Konstantinos Mavropanos hat wegen Adduktorenproblemen zahlreiche Übungsstunden mit dem Team verpasst, ebenso Atakan Karazor aufgrund seiner strapazierten Achillessehne. Bei dem verletzungsanfälligen Josha Vagnoman wird die Belastung sehr behutsam dosiert und Chris Führich (nach zwei operativen Eingriffen während der WM) ist erst am Samstag in das Teamtraining eingestiegen.

Borna Sosa ist dagegen noch nicht einmal in Andalusien. Der kroatische WM-Teilnehmer plagt sich mit einer Adduktorenverletzung und weilt zur Reha in München. Wie schon im vergangenen Sommer. Ob er noch nach Marbella kommt, ist offen. Auf jeden Fall muss Labbadia zunächst ohne Sosa planen, und auf Verteidiger Mavropanos, Mittelfeldspieler Karazor und Stürmer Führich kann er im Augenblick nicht voll zählen, ebenso wenig auf Vagnoman.

Wie sieht die Abwehr aus?

Aufgrund dieser personellen Situation stellt sich die VfB-Elf im Augenblick fast von alleine auf, zumindest in der Abwehr. Waldemar Anton und Dan-Axel Zagadou sollten die Innenverteidigung bilden. Doch Zagadou zog sich im Training am Samstag einen doppelter Bänderriss zu und muss ersetzt werden. Pascal Stenzel und Hiroki Ito waren für die Positionen außen vorgesehen. Davor komplettiert Wataru Endo im Mittelfeld den Defensivblock. Das könnte gut auch am 21. Januar im Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 so sein, wenn der VfB mit Wiederbeginn der Liga den Abstiegskampf fortgesetzt.

Ein Ritt auf der Rasierklinge wird es für den Tabellen-16. bis zum Saisonende. Denn der Blick auf das Zahlenwerk erinnert daran, dass der VfB bisher nicht besonders viele Tore erzielt hat und auch nicht in der Lage ist, hinten die Null öfters zu halten. Den körperlichen und taktischen Grundstock, um das zu ändern, will Labbadia weiter in Marbella legen – mit genauer Belastungssteuerung und hohen Umfängen im Ausdauerbereich sowie präzisen und schnellen Abläufen in den spielerischen Elementen.

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