Trainingslager in Oberböhringen Faustballer bereiten sich auf die WM vor

Von Philipp Braitinger 

Das Kurz-Trainingslager der Faustball-Nationalmannschaft im Kreis Göppingen hat bereits eine gewisse Tradition. Man bevorzugt die Abgeschiedenheit.

Konzentrierte Ruhe: Nur ein paar  Zaungäste verfolgen die letzten WM- Vorbereitungen der deutschen Faustballer in Oberböhringen.Foto: Horst Rudel Foto:  
Konzentrierte Ruhe: Nur ein paar Zaungäste verfolgen die letzten WM- Vorbereitungen der deutschen Faustballer in Oberböhringen. Foto: Horst Rudel

Kreis Göppingen - Mit bis zu hundert Sachen pfeift der Ball über das gepflegte Rasenfeld des Sportvereins Oberböhringen: ein Faustball wohlgemerkt. Die deutsche Nationalmannschaft ist, um sich den letzten Schliff für die Weltmeisterschaft zu holen, am Donnerstagabend zu einem Kurztrainingslager in den Kreis Göppingen gekommen. Schon an diesem Samstag geht es weiter, zu den Titelkämpfen im schweizerischen Winterthur.

„Sie schätzen die Abgelegenheit“, erklärt Hans-Peter Brosig (68) vom Schneelaufverein Geislingen, dem auch eine Faustballabteilung angehört, weshalb das Nationalteam vor großen Turnieren gerne einen Abstecher nach Oberböhringen kommt: dieses Jahr schon zum sechsten Mal. 2010 hat der Schneelaufverein in der Nähe des SVO-Sportgeländes, im Geislinger Ortsteil Weiler, eine neue Hütte gebaut. Brosig kannte den Faustball-Nationaltrainer Olaf Neuenfeld durch sein sportliches Engagement. So einfach ist das manchmal, wenn die Ansprüche bescheiden sind.

18 Nationen spielen bei der WM – so viele wie noch nie

Der erste Gegner der deutschen Fünf in der Vorrunde am Samstagabend ist Argentinien und laut Brosig stehen die Chancen auf einen erneuten Titelgewinn gut. „Es geht dieses Jahr um das Triple“, verrät er und meint den dritten Weltmeistertitel in Folge. Darüber hinaus ist Deutschland amtierender Europameister und Gewinner der World Games, bei denen Meisterschaften in nicht olympischen Disziplinen ausgetragen werden. Den Weltmeistertitel hat Deutschland bei insgesamt 14 Turnieren gleich elf Mal geholt. Neben Deutschland sind aus Brosigs Sicht aber auch die Schweiz, Österreich oder Brasilien nicht zu unterschätzen. Insgesamt treten dieses Mal 18 Nationen an, so viele wie noch nie.

„Faustball wird vor allem im deutschsprachigen Raum gespielt“, erklärt der Fachmann. Als einzige afrikanische Mannschaft nimmt Namibia, im 19. Jahrhundert eine Kolonie des Deutschen Kaiserreichs, an der Weltmeisterschaft teil. Und in Italien werde Faustball fast ausschließlich in Südtirol gespielt. Neben den genannten Nationen sind in Winterthur unter anderm aber auch die USA, Chile, Serbien, Neuseeland, Australien, die Niederlande und Japan vertreten.

Zaungäste bei zwei öffentlichen Trainingseinheiten

Wie es um das sportliche Vermögen der deutschen Auswahl bestellt ist, konnten sich Zaungäste bei zwei öffentlichen Trainingseinheiten in Oberböhringen ansehen. Der zehnköpfige Kader um Kapitän Fabian Sagstetter ging noch einmal die wichtigsten Abläufe durch. „Ein guter Angriff ist besonders wichtig, dann ist man dominant“, erklärt Hans-Peter Brosig.

Beim Betrachten des Spiels ist die Nähe zum Volleyball immer wieder erkennbar. Es gibt allerdings wichtige Unterschiede. Zunächst ist das Feld mit 20 auf 50 Meter viel größer als ein Volleyballfeld. Auch darf der Ball beim Faustball einmal auf dem Boden aufkommen, bevor er angenommen werden muss. Zudem ist der Ball wesentlich schwerer und härter als ein Volleyball.

Für die Weltmeisterschaft muss Urlaub genommen werden

„Man hat also auch bei diesem Sport keine Zweikämpfe“, betont Brosig. Das mache es vor allem den Schiedsrichtern leichter. Die Mannschaften werden durch eine zwei Meter Leine voneinander getrennt. Vielleicht sei dadurch die Kameradschaft unter den Spielern konkurrierender Mannschaften größer als bei anderen Sportarten, wo sich die Gegner direkt auf dem Feld begegneten, wie etwa Handball oder Fußball, vermutet der Geislinger.

Anlässe für Allüren, wie sie manche Sportstars zuweilen zeigen, gibt es beim Faustball ohnehin nicht. „Geld verdienen die Spieler nicht. Im Gegenteil, die meisten haben für die WM-Teilnahme ganz normal Urlaub genommen“, weiß Brosig.