Deutlich früher als offiziell angezeigt, tuckern die Diesel-Gefährte am Sonntagmorgen aus allen Himmelsrichtungen via Ortsmitte, was in dieser Dichte in den Ohren von Oldtimer-Traktoren klingt wie eine Art Frühmesse. Eine Bezeichnung, die gut ankommt in der katholischen Enklave Hofen. Jedenfalls bei Gerhard Mühleisen, der das mit seinem Bruder Uwe geschaffene Traktor-Museum nun überhaupt erst zum zweiten Mal geöffnet hat. Natürlich ist er bereits auf „Hochtouren“, hat permanent Bekannte zu begrüßen und freut sich über jeden neu hinzukommenden „Diesel-Klopfer“, was fast schon die Kapazitäten des Platzes sprengt.
Erfolgreiche Privatinitiative
Die roten Backen könnten aber auch noch von der Freude über den Riesenerfolg des Vortags herrühren, von den „sehr, sehr vielen Besuchern“ des Museums, und das waren „nicht nur Traktor-Kollegen“, wie er betont.
Dass Hofen einmal eine solche Attraktion bekommen könnte, war nicht einmal zu ahnen, als er im Jahr 2000 mit seinem Bruder die „völlig heruntergekommene Zehntscheuer“ erwarb. Gedacht als Lagerstätte für den Cateringbetrieb, den er aus der direkt benachbarten, in dritter Generation betriebenen Metzgerei heraus aufbaute.
Und dann war da „das Ding mit dem Porsche-Club“, in Ferdi Porsches Heimatort Zell am See, wo die Mühleisens „ein schönes Bier“ ausschenkten – und in der freien Zeit „mal mitgefahren“ sind auf einer Ausfahrt mit Oldie-Traktoren: „Da hat mich der Virus für die Rotnasen gepackt, das ist wie eine unheilbare Krankheit“, erzählt Gerhard Mühleisen, 57, mit ansteckendem Lachen: „Dieses entschleunigte Fahren, das wollte ich auch haben, das habe ich gebraucht. Wie das Schrauben an den Traktorruinen als Stressausgleich.“ Und weil seine Frau Petra „mitschraubt, funktioniert das auch familiär“. Die unter Denkmalschutz stehende Zehntscheuer aus dem Jahr 1725 haben Gerhard und Uwe Mühleisen aus dem Dornröschenschlaf geweckt, unterm brüderlichen Dach und Namen eine Stiftung für das Traktor-Museum gegründet, sich dabei ganz auf die zwischen 1950 und 1963 produzierten Porsche-Traktoren konzentriert, mit nun elf tipptopp renovierten Exemplaren unterschiedlicher Typen. Eine weitere „Rotnase“ hätte noch Platz: „Die Suche läuft.“
Zwei Jahre „Gschäft“ für einen Porsche Junior
Nicht nur auf Hochglanz poliert präsentiert sich draußen eine kunterbunte Mischung von rund 30 historischen Zugmaschinen. Fendt, Güldner, Kramer, Bautz und Eicher, sogar ein absolut exklusiver Hürlimann. Ein Porsche Junior zeigt seine verrosteten Eingeweide samt nurmehr fragmentarischer Kolben. Keinen Zweifel hat ein Besucher, dass das „Maschinchen“ wieder flott zu kriegen ist: „Ist halt ein bisschen Gschäft, so zwei Jahre vielleicht.“ Im Abgleich lässt sich so wenigstens erahnen, wie viel Fleiß, Leidenschaft und Bastlerkönnen drinstecken muss in all den anderen Oldtimer-Traktoren, die es aus eigener Kraft auf den Kelterplatz geschafft haben.
Technik zum Anfassen
Ein bisschen mehr als zwei Jahre hat Martin Besserer aus Mühlhausen in seinen Vierzon 201 gesteckt, eine absolute Rarität französischer Bauart aus dem Jahr 1957. Ein Lanz-Imitat, das mit Gas vorgeglüht werden muss, bevor der 25-PS-Motor mit einem rechtsseitigen Schwungrad händisch in Gang gebracht werden kann. Technische Details, die sich die Besucher gerne erklären lassen. „Das ist ja das Faszinierende dran, dass man die Technik dieser Maschinen noch unmittelbar verstehen kann. Da sind ja keine Chips und Digitalsachen drin“, sagt Walter Schittenhelm aus Zuffenhausen, ganz auf einer Linie mit dem stolzen Eigentümer: „Da kann man vieles selber machen, das ist was für schwäbische Bastler und Schrauber.“ Technik zum Anfassen, für manche auch zum Streicheln.