Transfer des Nationalspielers Wohin fließen die Anton-Millionen?

Der Fokus richtet sich bei Waldemar Anton erst einmal auf die EM, danach geht der Blick Richtung Dortmund. Foto: AFP/Tobias Schwarz

Der VfB Stuttgart erhält für den scheidenden Innenverteidiger nach der Heim-EM eine hohe Ablösesumme. Nun geht es für den Bundesligisten darum, in wen dieses Geld investiert wird.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Es ist davon auszugehen, dass Alexander Wehrle mit einem süffisanten Lächeln auf Hans-Joachim Watzke zugegangen ist. Beide verstehen sich ja gut und gehören aufgrund ihrer Funktionen zur Delegation des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) während der Heim-EM – und da trifft man sich rund um die Länderspiele wie jetzt in Frankfurt beim Gruppenfinale gegen die Schweiz.

 

Und wenn man Wehrle, im Hauptberuf Vorstandsvorsitzender des VfB Stuttgart und nebenbei DFB-Aufsichtsratschef, richtig versteht, dann will er vom Geschäftsführer von Borussia Dortmund (Watzke sitzt auch noch im DFB-Präsidium) schon wissen, warum der abgebende Bundesligist in der Causa Waldemar Anton vom aufnehmenden Club noch kein entsprechendes Schriftstück vorliegen hat. Stand Sonntagnachmittag.

Bis an die finanzielle Schmerzgrenze

Der letzte Zusatz ist in diesem Zusammenhang wichtig, da der beabsichtige Wechsel am vergangenen Freitag eine ungeahnte Dynamik entwickelt hat. Da informierte Anton aus dem Quartier der Nationalmannschaft telefonisch Wehrle über seine Entscheidung, den VfB verlassen zu wollen – und schwupp war die Nachricht zur Stuttgarter Überraschung eine halbe Stunde später in der Transferwelt publik: Der Innenverteidiger hat sich für den BVB entschieden.

23,5 Millionen Euro erhält der VfB nun an Ablösesumme, da Anton und die Dortmunder von einer Ausstiegsklausel Gebrauch machen, die im Vertrag des Nationalspielers verankert ist. So viel zur geschäftlichen Seite. Nun zur perspektivischen: Erst vor wenigen Monaten war das Arbeitspapier des Abwehrmanns vorzeitig verlängert worden. Zu besseren Konditionen und in der festen Absicht, den Kapitän als Kern der Stuttgarter Mannschaft bis 2027 an sich zu binden.

Gekommen ist es jetzt anders, da Anton dem westfälischen Werben erlegen ist. Womöglich wird es der Vertrag seines Lebens, den er im Juli unterschreibt. Datiert bis 2028, mit der Aussicht, nicht nur nächste Saison in der Champions League zu spielen, und bestens dotiert. Mehr als vier Millionen Euro hätte der 27-Jährige aufgrund einer Königsklassenregelung in der nächsten Spielzeit beim VfB im Jahr verdient. Doppelt so viel soll es beim BVB sein. Dabei haben Wehrle und Co. versucht, den Verteidiger auch noch einmal von einem Verbleib zu überzeugen. „Wir sind an unsere finanzielle Schmerzgrenze gegangen“, sagt der Vorstandschef.

Doch es war nichts mehr zu machen. Anton geht – und es bleibt sowohl im Clubhaus als auch unter den Fans ein bitterer Beigeschmack. Da sich die (ehemalige) Identifikationsfigur gleich mehrfach zum VfB-Projekt bekannt hatte. Zuletzt äußerte sich der Defensivspezialist dazu im Kreis des EM-Kaders, zu dem er aktuell zählt.

Kommt Mats Hummels infrage?

Zu Recht, da sich Anton unter dem Trainer Sebastian Hoeneß zu den besten Innenverteidigern in Deutschland hochgearbeitet hat. Schon deshalb wird es schwer werden, ihn sportlich zu ersetzen. Beim VfB ist man jedoch bereit, das eingenommene Geld wieder in die Mannschaft fließen zu lassen. Mit dem Zusatz, dass zu den bisherigen Zielpositionen Sturm (als Vorgriff auf den erwarteten Abgang von Serhou Guirassy) und Linksverteidiger (als Ergänzung zu Nationalspieler Maximilian Mittelstädt) nun noch ein gestandener Abwehrrecke gesucht wird.

Zehn Millionen Euro dürfte dieser wohl kosten, und mit der Idee, dass es der in Dortmund aussortierte Mats Hummels (35) sein könnte, braucht man den Verantwortlichen in Stuttgart nicht zu kommen. Zwar vereint der nun ablösefreie Weltmeister noch Reife und Klasse, aber die Maßnahme erinnert zu sehr an Union Berlin. Kaum in der Königsklasse angekommen, verließen die Eisernen ihren Kurs und verpflichteten Altstars.

Ein Irrweg, wie sich in Köpenick schnell herausstellte, der in der Vorsaison beinahe in der zweiten Liga geendet hätte. Das Anforderungsprofil beim VfB sieht anders aus. Der Sportchef Fabian Wohlgemuth bevorzugt Spieler, die bereits erstligaerprobt sind, gleichzeitig aber das Potenzial für größere Aufgaben mitbringen. Wie Jeff Chabot. Der Ex-Kölner, der als Ersatz für Hiroki Ito (FC Bayern) geholt wurde, schlüpft jetzt wohl gleich in eine Führungsrolle. Dennoch soll neben der Neuverpflichtung sowie den VfB-Profis Dan-Axel Zagadou, Anthony Rouault und Leonidas Stergiou noch eine Verstärkung für die Abwehrzentrale kommen.

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