VfB Stuttgart Transfers Was bedeutet der Musiala-Schock für den Woltemade-Poker?

Wie wird sich Musialas schwere Verletzung auf den Transferpoker um VfB-Stürmer Nick Woltemade auswirken? Foto: IMAGO / Icon Sportswire / Sören Stache/dpa

Noch sind die Verhandlungen über einen Wechsel des Stuttgarter Stürmers nicht gestartet. Doch mit der Verletzung des Münchners kommt eine neue Dynamik in die Angelegenheit.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Von Nick Woltemade ist nichts zu hören. Der Stürmer des VfB Stuttgart befindet sich im Urlaub, versucht nach einer aufregenden Fußballsaison zu entspannen und verfolgt den Wechselrummel um seine Person aus der Distanz. Fast täglich gibt es neue Informationen, Spekulationen und Irritationen. Doch die Spielerseite mit dem Berater Danny Bachmann will sich nicht verrückt machen lassen und hofft nach wie vor auf eine zügige Einigung zwischen dem VfB und dem FC Bayern, um den Arbeitgeberwechsel vollziehen zu können.

 

Unter Zeitdruck setzt sich das Woltemade-Lager jedoch nicht, um Klarheit in der Frage zu schaffen, in welchem Trikot der Angreifer in der kommenden Saison aufläuft. Bis Ende August dauert der Transfersommer und auch die Münchner haben zuletzt versucht, sich geduldig zu geben – in Person von Uli Hoeneß. „Ich halte ihn für einen sehr, sehr guten Spieler, der prima zu uns passen würde“, sagte der Ehrenpräsident, „und ich würde es sehr begrüßen, wenn das dieses Jahr klappt. Und wenn nicht, dann nächstes Jahr.“ Aussagen, um die eigene Verhandlungsposition zu stärken und den Eindruck zu vermitteln, dass der Branchenkrösus keine überhöhte Ablösesumme für den 23-Jährigen zahlen wird, der noch bis 2028 ohne Ausstiegsklausel an den VfB vertraglich gebunden ist. Diese Hoeneß-Einschätzungen machten allerdings vor dem Schock von Atlanta und der schweren Verletzung von Jamal Musiala die Runde.

Jetzt scheint eine Soforthilfe geboten, denn der Edeltechniker wird monatelang ausfallen, was die Offensivnöte des Rekordmeisters vergrößert. Thomas Müller und Leroy Sané sind weg, Musiala fehlt voraussichtlich die Bundesliga-Vorrunde über und ein starker Flügelspieler wird unabhängig vom Wunschtransfer Woltemade gesucht.

Gut möglich also, dass die Münchner ihre Anstrengungen forcieren und den Stuttgartern nach dem Viertelfinal-Aus bei der Club-WM in den USA nun bald ein erstes Angebot unterbreiten. Zumal der torgefährliche Woltemade aufgrund seiner Größe und seiner spielerischen Fähigkeiten auf dem Platz in mehrere Rollen schlüpfen kann. Diese Perspektive im Starensemble hat ihm der Bayern-Coach Vincent Kompany aufgezeigt.

Bisher liegen an der Mercedesstraße in Bad Cannstatt jedoch keine konkreten Zahlen vor, weshalb der VfB-Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle ein Treffen mit Verantwortlichen aus München abgelehnt hat – trotz der Telefonate mit seinem Amtskollegen Jan-Christian Dreesen. Zu weit liegen die Vorstellungen auseinander. Der VfB liebäugelt, wenn überhaupt, mit 80 Millionen Euro, der FC Bayern mag nicht über 50 Millionen Euro an Ablöse hinausgehen. Genau deshalb war Dreesen rund um die Begegnung mit Paris Saint-Germain (0:2) bemüht, die emotionalen Wogen zwischen den Schwaben und Bayern zu glätten. Auf einem Fanfest meinte der 57-Jährige: „Dazu gibt es nur einen Satz zu sagen: Nick Woltemade ist Spieler des VfB Stuttgart. Und da gehört es sich nicht, irgendwelche Diskussionen anzuheizen oder Kommentare abzugeben.“

Für Hoeneß gilt das nicht – und nach der Rückkehr aus den USA gibt es an der Säbener Straße in München sicher mehr zu bereden als nur einen Satz, wie es im Angriff ohne den lange verletzten Musiala weitergehen könnte. Max Eberl muss dabei, während die Bayern-Profis zunächst drei Wochen Urlaub erhalten, an den Transferzielen arbeiten. „Wir werden jetzt nicht auf jede Verletzung reagieren und Spieler holen, sondern der Kader muss passen“, sagte der Sportvorstand. Ob mit oder ohne Woltemade, bleibt abzuwarten. Beim VfB plant man dagegen weiter mit dem langen Stürmer. Am 28. Juli endet sein Urlaub, Woltemade soll mit ins Trainingslager an den Tegernsee fahren.

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