Das sind zunächst die Fakten, die Kobel zu einem der teuersten Torhüter in der Bundesligageschichte machen – nach einer Saison mit starken Leistungen. Denn zuvor galt Kobel noch als Torhütertalent. Ausgestattet mit guten Reflexen, einer gewaltigen Erscheinung und lauter Stimme, wie während der Coronapandemie in den leeren Fußballarenen gut zu hören ist. Zudem versteht der Keeper aus Zürich nicht nur sein Hand-, sondern ebenso sein Fußwerk.
Das sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc zum Transfer
„Gregor hat sich zu einem der besten Torhüter der Liga entwickelt. Mit konstant guten Leistungen hat er einen großen Beitrag zum Wiederaufstieg in die Bundesliga in seinem ersten Jahr beim VfB und zum souveränen Klassenerhalt in der abgelaufenen Saison geleistet“, sagt der VfB-Sportdirektor Sven Mislintat. All diese Stärken hat sich nun der BVB mit seinem Faible für Schweizer Torhüter gesichert. Kobel ist nach Marwin Hitz und Roman Bürki der dritte Eidgenosse, der bei den Westfalen den Posten zwischen den Pfosten beziehen will. Wobei davon auszugehen ist, dass Bürki geht und Kobel nicht kommt, um auf der Bank Platz zu nehmen.
„In ihm sehen wir großes Potenzial. Gregors Zielstrebigkeit, sein Ehrgeiz und seine Konstanz sind bemerkenswert, das Profil seines Torhüterspiels passt zu uns“, sagt der BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Schritt für Schritt hat Kobel, der jetzt aus dem Schweizer EM-Kader gestrichen wurde, seine Karriere geplant, seit ihm klargemacht wurde, dass er bei 1899 Hoffenheim nicht an Oliver Baumann vorbeikommt. Erst ließ er sich für ein halbes Jahr an den FC Augsburg in der Bundesliga ausleihen, danach für ein Jahr an den VfB in der zweiten Liga. Anschließend verpflichteten ihn die Stuttgarter für weitere vier Jahre fest. Die Ablösesumme: Vier Millionen Euro.
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„Es waren zwei rasante und erfolgreiche Jahre in Stuttgart. Ich habe erlebt, wie tief verwurzelt der Club in Stuttgart und der ganzen Region ist. Es war eine großartige Erfahrung, ein Teil der vergangenen beiden Jahre gewesen zu sein“, blickt Kobel auf eine Zeit zurück, von der sein früherer Arbeitgeber profitiert. Die Hoffenheimer sind am Weiterverkauf beteiligt. Laut dem Fachmagazin „Kicker“ kassieren die Kraichgauer etwa 2,2 Millionen Euro.
Beim VfB betrachtet man den Transfer dennoch als Win-Win-Situation. Zum einen erhält der Club Geld, das er während der Coronakrise nötig hat. Zum anderen vermittelte Kobel zwei Jahre lang ein Gefühl der sportlichen Sicherheit. Und für Mislintat gehört es zum Konzept, dass jungen Spielern über den VfB den Sprung auf ein höheres Niveau gelingt.
Wie stellt sich der VfB in der Torhütergruppe neu auf?
In Kobel wird dem VfB nun der erste wichtige Baustein einer funktionierenden Einheit herausgekauft. Doch Mislintat hat sich in Florian Müller bereits den Nachfolger ausgeguckt. Der 23-Jährige soll vom FSV Mainz 05 verpflichtet werden. Mit dem Torhüter, der zuletzt an den SC Freiburg ausgeliehen war, ist sich der Sportdirektor im Grunde einig. Jetzt geht es einmal mehr um die Ablösesumme.
Sechs Millionen Euro sollen die Mainzer für Müller verlangen, der noch ein Jahr vertraglich an sie gebunden ist. Zu viel für Mislintat. Er wird versuchen, den Preis zu drücken. Zumal sich der VfB nicht in akuter Torwartnot befindet. Fabian Bredlow ist bislang eine gute 1-B-Lösung gewesen, die sich jetzt neue Chancen auf die 1-A-Position ausrechnet. Der Kampf um die Nummer drei findet zwischen dem routinierten Jens Grahl und dem jungen Sebastian Hornung statt.
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Angeleitet wird die Gruppe wohl von Steffen Krebs. Der Torwarttrainer kehrt von Borussia Mönchengladbach nach Stuttgart zurück, wo Uwe Gospodarek auf dem Absprung steht. Den bisherigen Torwarttrainer, den der ehemalige Coach Tim Walter vom FC Bayern geholt hatte, zieht es nach Norden – zum Hamburger SV, wo Walter jetzt das Sagen hat. Beim VfB hoffen die Verantwortlichen dagegen in Müller eine langfristige Antwort auf die Torwartfrage gefunden zu haben. Denn seit Sven Ulreich 2015 die Stuttgarter verlassen hat, hielt es keinen Schlussmann lange. Weder Przemyslav Tyton (2015/2016) und Mitch Langerak (2016/2017) noch Ron-Robert Zieler (2017 bis 2019) und Gregor Kobel (2019 bis 2021).
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