Transfers VfB Stuttgart Was von den Woltemade-Millionen beim VfB hängenbleibt

Rekordtransfer: Nick Woltemade ist vom VfB zu Newcastle gewechselt. Foto: IMAGO/Jan Huebner

Der VfB Stuttgart hat Nick Woltemade zu Newcastle United transferiert. Doch was bleibt von der Rekordablösesumme eigentlich beim Club hängen?

Sport: Philipp Maisel (pma)

Wochenlang gab es in diesem Sommer rund um den VfB Stuttgart kein anderes Thema als den möglichen Transfer von Nick Woltemade. Als der dann endlich vollzogen war – nur eben nicht zum FC Bayern München in die Bundesliga, sondern zu Newcastle United in die Premier League – stand am Ende eine Rekordablösesumme. Satte 85 Millionen Euro Sockelablöse zahlen die Engländer. Dazu können noch weitere 5 Millionen Euro an Bonuszahlungen kommen. Noch nie in der Geschichte des Clubs wurde ein Spieler für eine derart hohe Summe abgegeben.

 
  • Nick Woltemade wechselt – aber nicht zu Bayern, sondern nach Newcastle
  • Rekordablösesumme – noch nie hat VfB mehr mit einem Spieler eingenommen
  • Ablösefrei und kein Restbuchwert – Mehr Erlös für den VfB
  • Solidaritätsbeiträge für Bremen und Elversberg

Doch wieviel davon bleibt denn am Ende wirklich beim VfB hängen? Das lässt sich recht exakt aufzeigen. Wenn auch nicht auf die letzte Zahl hinter dem Komma genau – das ist vorauszuschicken, da wir keine Vertragseinsicht haben und nicht jedes Detail kennen. Doch anhand der branchenüblichen Begleiterscheinungen, die so einen Transfer flankieren, lässt sich eine Einordnung treffen.

Nick Woltemade beschert dem VfB Rekordablösesumme

Bevor man in die Berechnung einsteigt, ist im Fall Woltemade zweierlei wichtig. Zum einen nehmen wir hier, auch wenn für VfB-Vorstandsboss Alexander Wehrle „die Nettobetrachtung immer wichtig ist“, eine Bruttobetrachtung vor. Zum anderen spielt der ablösefreie Wechsel von Werder Bremen 2024 eine große Rolle. Denn der sorgt zum einen dafür, dass keine Ablöse geflossen ist, sondern nur das branchenübliche Handgeld („Signing Fee“). In der Regel in der Höhe eines Jahresgehaltes beim neuen Arbeitgeber, bei Woltemade dürften das also etwa 1,8 Millionen Euro gewesen sein. Dazu kommt üblicherweise noch eine Beraterprovision in Höhe von 10-20 Prozent des Signing Fees. Gehen wir also einmal von 150.000 Euro aus, die bei Woltemade-Berater Danny Bachmann gelandet sind.

Wohlgemuth und Woltemade haben Rekordtransfer eingetütet. Foto: IMAGO/Sportfoto Rudel

Ablösefreie Wechsel bringen für den aufnehmenden Verein noch einen weiteren Vorteil mit sich. Der Spieler hat keinen sogenannten „Restbuchwert“, den es zu bedenken, beziehungsweise berechnen gilt, der die potenzielle Einnahme minimiert. Dieser Wert ist im Kontext von Fußballvereinen und Buchhaltung ein Konzept, der den Buchwert eines Spielers (oder eines anderen Vermögenswerts) angibt, der sich aus der Differenz zwischen den Anschaffungskosten und der kumulierten Abschreibung ergibt. Er wird durch die ursprünglichen Anschaffungskosten minus der angesammelten Abschreibungen bestimmt.

Woltemade-Wechsels steht sinnbildlich für explodierten Transfermarkt

Doch es gibt auch Posten, die sich auf die VfB-Einnahmen direkt auswirken. Hier kommt der sogenannte Solidaritätsbeitrag ins Spiel. Der ist regeltechnisch festgelegt, also bindend für die komplette Branche. Der Hintergedanke: Auch wenn Clubs einen Spieler ablösefrei ziehen lassen müssen, so sie über den Soli dennoch vom Umstand profitieren, den Spieler ausgebildet zu haben. Den Beitrag kann man mittels eines Schlüssels ganz einfach berechnen. Er beträgt fünf Prozent der Ablösesumme eines Profis, der zwischen dem 12. und 23. Geburtstag ausgebildet wurde. Dieser Betrag wird an alle Vereine gezahlt, die an der Ausbildung des Spielers beteiligt waren, und teilt sich prozentual nach der Dauer der Ausbildung auf. Die Ausbildungsentschädigung ist eine Maßnahme des Weltverbands Fifa zur Entschädigung von Jugendvereinen für ihre Rolle in der Spielerentwicklung.

VfB zahlt für Woltemade Sockelablöse von 85 Millionen Euro. Foto: Pressefoto Baumann/Julia Rahn

Der VfB zahlt für Woltemade also, legt man die Sockelablöse zugrunde, rund 3,8 Millionen Euro an Werder Bremen. Die SV Elversberg profitiert für das eine Jahr, das Woltemade dort verbrachte und in dem er zum wertvollsten Spieler der 3. Liga gewählt wurde, mit 450.000 Euro.

Rechnen wir zusammen: Von den 85 Millionen gehen für den VfB etwa 6,2 Millionen Euro ab. Was Wehrle im Gespräch mit unserer Redaktion auch einräumt. „Das ist keine unrealistische Größenordnung“, antwortet er auf die Frage, ob ein Woltemade-Transfer in der Größenordnung von zwei Champions-League-Teilnahmen einzuordnen sei. Für eine hatte der Club letzte Saison rund 40 Millionen eingenommen – Antrittsgelder, Punktprämien und Zuschauereinnahmen zusammengerechnet. In der Bruttobetrachtung, wohlgemerkt.

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