Transgender aus Rottweil Großer Rückhalt für Finley Hartmann

Finley Hartmann hat noch einen langen Weg vor sich. Foto: Kopf

Finley Hartmann war jahrelang unzufrieden mit sich selbst. Vor eineinhalb Jahren wurde dem heute 20-Jährigen dann klar, dass sein Äußeres nicht zum Inneren passt. Er strebt nun eine Hormonbehandlung samt Operation an. Parallel dazu dreht er gerne Videos, mittlerweile ziemlich professionell.

Rottweil - Als Transgender bezeichnet man Menschen, die sich nicht – oder nicht nur – mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde.

 

So ergeht es auch Finley Hartmann aus Rottweil. Als Mädchen geboren, möchte er nun mit einer Hormonbehandlung und Operation zum Mann werden. "Ich war schon immer auf der Suche nach mir selber und immer sehr unzufrieden mit mir, auch was meinen Körper anbelangt", berichtet Hartmann. So habe er zahlreiche Looks ausprobiert, verrückte Frisuren und außergewöhnliche Kleider getragen und mehrere "Phasen" durchgemacht, in denen er im Gothic-Style oder Punker-Outfit durch den Alltag ging.

In Erinnerung geblieben ist ihm ein Erlebnis aus der Grundschule. "Ich hatte relativ kurze Haare und war jungenhaft gekleidet. Die anderen Mädchen haben ganz komisch geschaut, diese Blicke habe ich noch genau im Kopf."

Volle Akzeptanz

Vor eineinhalb Jahren bekam er dann die "krasse Erleuchtung", wie er es selbst beschreibt. "Die Anzeichen waren eigentlich schon immer da, aber ich hatte das Thema lange nicht auf dem Schirm. Mir geht es nun auf jeden Fall deutlich besser", erklärt Hartmann. Seine Mutter ergänzt. "Finley war schon immer besonders. Als Kind hat er viel Sport gemacht und immer schon gerne Jungsklamotten getragen."

Seine Eltern stehen dabei voll hinter ihm, auch aus seinem Bekanntenkreis und bei der Arbeit gab es keine negativen Reaktionen. "Da hatte ich Glück, man hört immer wieder, dass dies auch anders sein kann." Finleys Mutter fügt noch hinzu. "Ich finde es unglaublich schade, wenn Eltern in so einem Fall nicht hinter ihrem Kind stehen!"

Im Januar diesen Jahres geheiratet

Beide haben den Eindruck, dass das Thema in der Gesellschaft lange Zeit nicht präsent war und viele heute noch nicht wissen, was der Begriff Transgender eigentlich aussagt. "Oft wird der Begriff mit Sexualität in Verbindung gebracht, was so aber nicht stimmt", erklärt der 20-Jährige. Es gibt Fragen, die er öfters gestellt bekommt, hierzu zählt auch. "Bist du dir wirklich sicher dass du das willst?" Natürlich überlege man sich so eine Entscheidung ganz genau, stellt Hartmann klar, der im Januar diesen Jahres geheiratet hat.

Bis er die Geschlechtsumwandlung vollständig hinter sich hat, wird es noch eine ganze Weile dauern. Erst nach drei Jahren Hormonbehandlung ist die Operation möglich. Und die Termine für den Eingriff dauern dann ebenfalls noch mal. Er bekräftigt nochmals. "Ich fühle mich deutlich besser, aber es ist noch kein befriedigender Zustand und die lange Wartezeit stört schon."

Große Leidenschaft

Die große Leidenschaft von Finley Hartmann sind Filme. Jedoch schaut er diese nicht nur gerne an, sondern dreht auch selber Kurzfilme, die er auf Youtube hochlädt. Passenderweise macht er eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton und geht in sein drittes Lehrjahr.

"Ich habe vor einigen Jahren mit ›Lets Plays‹ von Minecraft angefangen. Mittlerweile habe ich viele Kurzfilme gedreht, der Neueste erscheint bald und dauert 40 Minuten", so Hartmann. Dabei ist er ein echter Allrounder und hat schon alle Aufgaben am Set eingenommen, egal ob Kamera, Licht, Schnitt, Drehbuch und selber mitgespielt hat er auch schon. "Mittlerweile fokussiere ich mich aber auf Kamera und Licht, wobei ich in Zukunft in Richtung Regie gehen möchte", merkt Hartmann an, der ein großer Fan der Serie "Outlander" ist.

Seine eigenen Filme gehen ebenfalls oft in die Fantasy-Richtung, sein absoluter Traum wäre irgendwann ein eigener Fantasy-Musical-Film. Seine Mutter merkt an. "Es ist faszinierend zu sehen, wie viel Zeit er da investiert. Und mittlerweile ist das schon halbwegs professionell. In der Tat hat Hartmann für seinen bald erscheinenden Film sogar ein Casting durchgeführt. "Es waren viele angehende Schauspieler dabei. Manche sind aus Berlin angereist. Wir haben sieben Tage am Stück gedreht."

Seit Januar laufen bereits die Arbeiten, umso mehr freut er sich, wenn dann bald alles fertig ist. "Ich sehe bei jedem Film eine kleine Verbesserung. Es sind Welten zu meinen Anfängen, auch wenn ich da immer noch gerne reinschaue", erklärt er stolz. Das Hobby nimmt neben der Arbeit einiges an Zeit ein, zumal er aufgrund von Behandlungen immer wieder Urlaub nehmen muss, aber Hartmann macht es Spaß. Und das ist das Wichtigste.

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