Transparent auf Stuttgarter Weinberg Rätsel um „Warum“–Banner gelöst

Ein großes Banner mit der Frage „Warum?“ ist auf einem Weinberg an der Stuttgarter Weinsteige zu sehen. Foto: Vinzenz Kuntze

Derzeit sorgen Banner, die gut sichtbar über ganz Stuttgart verteilt sind, für Diskussionen. Was steckt hinter dieser Aktion?

Warum? Mit dieser Frage sehen sich aktuell viele Stuttgarter und Stuttgarterinnen konfrontiert. Der Grund dafür: Gut sichtbar für vorbeifahrende Autofahrer ist weißes Banner auf einem Weinberg an der Weinsteige platziert worden. Darauf steht in schwarzer Schrift auf weißem Grund geschrieben: WARUM?

 

Das sorgt aktuell für Diskussionen, wie ein Besuch vor Ort zeigt: Eine vorbeigehende Bürgerin sagt: „Ich weiß nicht was das soll.“ Nicht nur sie tappt im Dunkeln – sondern auch die eine oder andere Behörde. Weder die Polizei noch die Stadt Stuttgart wussten auf Anfrage, was es mit diesem mysteriösen Transparent auf sich hat.

Geht es um die Klimakrise, den aktuellen Israel-Konflikt oder steigende Inflation? Das Banner bietet Raum für Spekulationen und Mutmaßungen über die Motivation derer, die es installiert haben.

Künstlerkollektiv ist für das Transparent verantwortlich

Mittlerweile ist das Motiv hinter der Aktion klar: Ein chilenisches Künstlerkollektiv organisierte mit den Weinbergen der Stadt Stuttgart und dem Stuttgarter Theater Rampe die Installation des Plakats.

Das Projekt dahinter heißt „Question Project/Proyecto Pregunta“. Das Künstlerkollektiv MIL M2, bei dem Pedro Sepúlveda Cruz Coke, Constanza Carvajal Ferrer und Maria Jose Jaña Zuñiga mitwirken, ist seit dem 30. September in Stuttgart aktiv. Das Projekt an sich dauert schon fast ein Jahrzehnt an. Neben Städten wie Sao Paulo und Riga stellt das Kollektiv seine Installationen auch in anderen Städten aus – immer mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten, die sie aus den von ihnen beobachteten Nöten und Bedürfnissen der jeweiligen Stadt und deren Bürger ableiteten. Als nächstes hat das Kollektiv ein Schulprojekt in Barcelona auf der Agenda.

Anfängliche Vorurteile erweisen sich als unangebracht

In Stuttgart lag das Augenmerk auf der (un)gerechten Verteilung von Ressourcen: „Mit Stuttgart haben wir immer eine reiche Stadt im Süden Deutschlands mit vielen Autos verbunden“, sagt die in Berlin wohnende Constanza Carvajal Ferrer. Das Ziel war es die Leute zum Gespräch über sozialen Missstände zu bringen: „Wir benutzen dazu das Werkzeug des Dialogs“, sagt Pedro Sepúlveda.

Im Laufe der Aktion habe sich das Bild von Stuttgarts Einwohnern als eher reich und an sozialen Fragen desinteressiert allerdings als Vorurteil erwiesen, Zuniga. „Die Leute in Stuttgart sind äußerst nett.“

Begonnen hat das Künstlerkollektiv damit, Ideen zu sammeln. „Wir haben Fußgänger angesprochen“, sagt Sepúlveda. Sie baten Stuttgarterinnen und Stuttgarter darum, ihre sozioökonomische Bedürfnisse zu formulieren. Am Wilhelmsplatz und der Königsstraße gaben sie Passanten die Möglichkeit, eine Frage zu stellen. Nach und nach entstand ein Fragenkatalog, der von den Belangen der Bürger handelt.

Das Finale spielt im Theater Rampe

Nach den Gesprächen mit den Menschen brachte das Kollektiv in einigen Teilen Stuttgarts verschiedene Banner an – darunter das mysteriöse Warum-Banner. Das Ziel von Sepúlveda und dem Kollektiv war schlicht und doch erfolgreich: „Wir wollen, dass die Leute über die Fragen reflektieren.“ Das zweite Transparent wurde am Pragsattel angebracht und fragt: „ Kriegen wir noch die Kurve?“ Beim Gespräch mit unserer Zeitung war das Kollektiv gerade dabei, das letzte Transparent auf dem Hasenberg mit der Frage „Wie viel verdienen Sie?“ zu montieren. Alle drei Fragen handeln von der gleichen oder ungleichen Verteilung von Ressourcen.

Der finale Akt wird sich am Freitag im Theater Rampe in Stuttgart abspielen: „Dann geht es um die Reflexion über die Fragen “, sagte Sepúlveda. Die Idee ist eine Symbiose von Kunst und Theater. Der entstandene Fragenkatalog soll diskutiert und auch schauspielerisch untermalt werden. „Das mit dem Schauspiel haben wir davor noch nicht gemacht“, ist Sepúlveda bevorstehende Finale gespannt.

TerminDas Kollektiv MIL M2 wird das Ergebnis seiner Aktion am Freitag, 13. Oktober, im Rahmen der Spielzeiteröffnung von 17.30 Uhr an im Theater Rampe, Filderstraße 47, vorstellen

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