Ein Konzept zum Transport über 80-Jähriger zu den Impfzentren stößt im Gesundheitsministerium des Landes auf Skepsis.

Fellbach - Mit einiger Irritation haben die Initiatoren eines Konzepts zum Taxitransport von Senioren zu den Impfzentren und nach der Impfung wieder nach Hause die bisherigen Reaktionen des zuständigen Ministeriums zur Kenntnis genommen. Aufgrund des derzeitigen Mangels an Impfstoffen liege die Priorität momentan und auf absehbare Zeit bei den mobilen Impfteams, die direkt in die Alten- und Pflegeheime fahren, zitieren sie ein Schreiben aus dem Hause des Gesundheitsministers Micha Lucha.

Geplant sei auch, so die Stellungnahme aus Stuttgart, dass die Corona-Impfung später in die Regelversorgung des Hausarztes übergehe, sodass „spätestens ab Sommer“ in den Arztpraxen geimpft werden könne. Auf Nachfrage hat das Ministerium am Dienstag auch darauf verwiesen, dass man eher auf ehrenamtliche Hilfe aus der Nachbarschaft setzen wolle Das Landesministerium wisse „um die Probleme älterer Menschen, trotz Mobilitätseinschränkungen zum Impfzentrum zu gelangen“. Diese zu lösen sehe man sich aber außerstande. „Diese Aufgabe kann das Land logistisch nicht übernehmen.“

Vorschlag: Taxigutscheine für impfwillige Senioren

„Mit großer Verwunderung haben wir die Stellungnahme des Sozialministeriums zur Kenntnis genommen“, sagen dazu die beiden Taxiunternehmer Markus Diler aus Fellbach und Iordanis Georgiadis (Stuttgart), die im Namen ihrer Verbände und mit Unterstützung der FDP-Landespolitiker Jochen Haußmann aus Kernen und Julia Goll aus Waiblingen das Konzept mit vom Land zu verteilenden Taxigutscheinen in der vergangenen Woche ins Spiel gebracht hatten.

Mit Blick auf die Aussagen des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU), bis zum Sommer jeden impfen zu können, der geimpft werden möchte, sei die Stellungnahme des Sozialministeriums „wie ein Schlag ins Gesicht jedes Bedürftigen“. Die Politik tue gut daran, die Bevölkerung nicht weiter mit solchen Aussagen zu verunsichern, sondern solle im Gegenteil alles daran setzen die Schwachen und Bedürftigen zu schützen.

Mobile Impfteams erreichen nicht alle hilfebedürftigen Senioren

Die Aussage, die mobilen Impfteams impften alle Senioren in Altersheimen, sei im Übrigen schlichtweg falsch, argumentieren die Befürworter des Transportkonzeptes. Bewohner von betreutem Wohnen müssten selbstständig nach einem Termin schauen und auch danach, wie sie dort hinkommen. Außerdem gebe es auch noch Senioren, die allein leben, sich und ihren Haushalt gut versorgen können, aber nicht mehr Auto fahren und deren Angehörige nicht in der Nähe wohnen. „Sollen sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Impfzentrum fahren, oder jetzt warten bis der Hausarzt impfen darf?“ Ein solches Verständnis könne das Gewerbe der Taxifahrer nicht gutheißen. Einerseits unterstütze der Staat mit Milliarden Unternehmen wie Lufthansa, die die Vorjahre mehrere Milliarden Gewinne eingefahren hätten, aber andererseits fehle die Bereitschaft, einen Bruchteil des Geldes in die Hand zu nehmen, um schnellstmöglich eine Herdenimmunität zu erreichen. Diler, Geschäftsführer bei der Firma Taxi Schoch und Georgiadis, Geschäftsführer der Taxizentrale Stuttgart, in ihrer Stellungnahme: „Nach wie vor hat das Gewerbe Vertrauen in die Politik und glaubt an die Umsetzung des Konzeptes, auch wenn der eine oder andere Minister den Ernst der Lage nicht richtig einschätzt.“

Jenes Konzept sei im Übrigen auch logistisch recht simpel zu handhaben. Dessen Grundzüge am Beispiel Rems-Murr-Kreis: Der Kunde bestellt telefonisch, das Taxi bringt ihn zum Impfzentrum Rundsporthalle Waiblingen. Weil vertraute Personen älteren Menschen wichtig sind, übergibt der Fahrer dem Kunden eine Karte, damit er bei der Abholung das gleiche Taxi bekommt mit demselben Fahrer. „Beim Abholen bringen wir den Kunden wieder nach Hause, falls es zu Komplikationen kommt, im Zweifelsfall auf direktem Weg ins nächste Krankenhaus.“ Die Impfzentren wiederum, so der Vorschlag, werden mit Taxi-Gutscheinen ausgestattet, die sie – für Hin- und Rückfahrt – an die Senioren weitergeben und mit Stempel bestätigen. Die Kapazität an Taxen, so betont Markus Diller, sei auch im Rems-Murr-Kreis allemal gegeben.