Bis die ersten Züge rollen, wird es noch mindestens bis Ende 2028 dauern. Bereits jetzt bewegen die Pläne für den Ludwigsburger City-Express, kurz Lucie, die Menschen in der Barockstadt: im positiven wie im negativen Sinn. Etliche Dutzend Ludwigsburger waren am Samstag bei der ersten Trassenbegehung der neuen Stadtbahn in der Weststadt dabei, um Fragen und Anregungen loszuwerden.
10 000 Fahrgäste sollen künftig pro Tag auf der Strecke Markgröningen–Ludwigsburg unterwegs sein. Die Züge sollen im Viertelstundentakt fahren. Die neue Bahn wird damit eine attraktive Alternative zum Auto, erklärte Frank von Meißner, der Geschäftsführer des Zweckverbands Stadtbahn im Landkreis Ludwigsburg. Durch die Anbindung könnten Unternehmen in der Nähe für Fachkräfte interessanter werden.
Ohne Fällungen wird es nicht gehen
Das soll auch an der Ecke Waldäcker/Mörikestraße/Im Waldeck zum Tragen kommen, wo die erste Trassenbegehung losging. Dort sollen ein Haltepunkt und ein Bahnübergang entstehen. Fahrgäste, die in andere Teile der Weststadt wollen, können an dieser Stelle künftig in einen Bus umsteigen.
Die frühere Bahnstrecke von Markgröningen über Möglingen bis zum Hauptbahnhof in Ludwigsburg soll reaktiviert werden. Die Gleise, die auf dieser Trasse noch liegen, werden aber samt Unterbau komplett ausgetauscht und neu aufgebaut, erklärte von Meißner. Er machte zudem klar, dass es ohne Baumfällungen entlang der Strecke nicht gehen wird. Erste Rückschnitte der Vegetation als Vorbereitung der Arbeiten hat es schon gegeben. Dennoch sei das Projekt insgesamt ökologisch sinnvoll und nachhaltig. Die durch die Oberleitung elektrifizierten Züge sollen eine umweltfreundliche Mobilität bieten.
Gesamtkosten sind noch nicht zu beziffern
Für das Gesamtprojekt inklusive der Verlängerung und aller Linienäste wurde im Jahr 2018 eine Investitionssumme von rund 250 Millionen Euro geschätzt. Die voraussichtlichen Kosten wollte der Geschäftsführer des Zweckverbands bei der Begehung nicht beziffern. Eine seriöse Schätzung sei erst möglich, wenn die Vorplanung beendet ist. Die hohen Kosten, mit denen zu rechnen sei, seien aber gerechtfertigt. „Mit der Bahn bekommen wir einen Takt, der mit Bussen nicht zu erreichen wäre“, sagte Frank von Meißner. Der Geschäftsführer wies darauf hin, dass für die Reaktivierung der Markgröninger Bahn mit einer Förderung von 90 Prozent vom Bund zu rechnen ist und für die Innenstadtstrecken ein Bundes-Zuschuss in Höhe von 75 Prozent erwartet wird.
Emotional wurde es bei der Begehung an der zweiten Station. An der Ecke Schillstraße/Scharnhorststraße soll ebenfalls ein Haltepunkt gebaut werden. Dort bewegen die Anwohner vor allem zwei Punkte: einerseits der Lärm, andererseits die Sorge des Wertverlustes ihrer Immobilien. Auch im Westen der Stadt führt die Trasse nämlich nah an Wohnhäusern entlang. Von Meißner versprach, dass die strengen Grenzwerte beim Lärmschutz eingehalten werden. Geplant seien niedrige Schutzwände nahe am Gleis. Zudem würden die Züge auf der Strecke höchstens 80 bis 100 Kilometer pro Stunde fahren. Der Lärmpegel sei daher nicht mit dem der Stuttgarter S-Bahn vergleichbar. Matthias Knecht, der Ludwigsburger Oberbürgermeister, beruhigte die Anwohner: „Ich bin mir sicher, dass die Immobilienwerte nicht absacken werden.“ Bürgermeister Sebastian Mannl ergänzte, dass Anwohner noch reichlich Gelegenheit bekommen, diese und weitere Bedenken einzubringen.
Technische Probleme und politische Diskussionen
Tatsächlich gibt es noch mehrere weitere Punkte zu klären. Es sind technische Probleme zu lösen, also beispielsweise Unterführungen und Überquerungen, unter anderem am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) und bezüglich der B 27 auf Höhe der Friedenskirche. Auch räumliche und politische Themen müssen diskutiert werden. Eine wichtige Rolle wird die Frage spielen, wo genau die Stadtbahn in der Innenstadt verlaufen wird. Die Verantwortlichen wurden daher am Samstag nicht müde zu betonen, dass man mit den Plänen noch ganz am Anfang stehe.
Weitere Termine
Begehungen
In den kommenden Monaten stehen weitere Trassenbegehungen an. In Ludwigsburg werden zusätzliche Termine voraussichtlich im Mai oder Juni angeboten. In Markgröningen ist eine Begehung am 15. Juni, in Möglingen eine am 26. Juni und in Schwieberdingen eine am 17. Juli geplant. Details dazu werden bald im Internet unter www.lucie-stadtbahn.de veröffentlicht.
Infoveranstaltungen
Um die Bürger an den Planungen zu beteiligen, sind neben den Begehungen zusätzliche Informationstermine vorgesehen. Außerdem soll es eine interaktive Plattform im Internet bald ermöglichen, sich austauschen sowie Wünsche und Anregungen einbringen.