Wolfgang Schaal ist plötzlich gestorben Leonberger trauern um fröhlichen und vorbildlichen Menschenfreund

Zwei Käpsele: Beim Leonberg-Quiz unserer Zeitung hatte Wolfgang Schaal (rechts) gemeinsam mit Werner Metz die Nase weit vorne. Foto: LKZ/wed

Nach Frank „Eddy“ Schäffer ist mit Wolfgang Schaal noch ein beliebter Leonberger Menschenfreund gegangen.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Für das Ausmaß von Trauer gibt es keine Wertigkeit. Der Verlust eines Menschen ist für die Hinterbliebenen immer schrecklich. Ein Angehöriger, eine Freundin, ein Wegbegleiter ist plötzlich nicht mehr da und wird niemals wiederkommen. Diese von Fassungslosigkeit begleitete Gewissheit steht hinter jedem Tod. Doch zwei Todesfälle der vergangenen Wochen haben rund um Leonberg besonders große Betroffenheit hervorgerufen. Mitte November ist Frank Schäffer gestorben, am Mittwoch Wolfgang Schaal.

 

Was beide einte, war ihre Liebe zum Fußball. Während der Handwerksmeister Wolfgang Schaal in seiner Jugend als Torwart glänzte, sich dann aber dem Aufbau seines Geschäftes und der Kommunalpolitik zuwandte, hatte Frank Schäffer seine Leidenschaft zum Beruf gemacht. Dem jungen Spieler des damaligen TSV Eltingen gelang in den 70er Jahren der Aufstieg in die legendäre Fohlen-Elf von Borussia Mönchengladbach. Unter dem nicht minder legendären Trainer Hennes Weisweiler wurde der Bub aus Eltingen drei mal deutscher Meister, 1979 holten die Gladbacher sogar den Uefa-Cup. Nach seiner Karriere ließ sich Schäffer nicht wie so manch anderer Bundesliga-Star auf windige Offerten ein, sondern kehrte nach Leonberg zurück. Als Sänger der Partyband Eddy & the News schenkte er viele Jahre Tausenden Menschen Freude.

All das war gerade in den vergangenen Wochen öfters zu lesen. Doch es sei an dieser Stelle erneut erwähnt, ist doch der Lebensweg des „Eddy“ ein Musterbeispiel für einen Weg, der von Begeisterung, Lebensfreude und Erfolg geprägt war. Ähnliches gilt für Wolfgang Schaal. Viele Menschen rund um Leonberg sind seit Mittwoch schockiert. Niemand hatte damit gerechnet, dass „Schaalo“, mit seinen 75 Jahren dynamisch und geistig hellwach, von der einen auf die andere Sekunde abtritt. Im Gegensatz zu Frank Schäffer, der letztlich seinen Kampf gegen den Krebs verloren hatte, fehlte Wolfgang Schaal nichts. Der Seniorchef des von ihm aufgebauten Unternehmens für Badausstattung war noch am Vorabend seines Ablebens mit seinen Fahrradkumpels essen. Fröhlich wie immer.

Ein Viertele mit dem alten Mitarbeiter

Wolfgang Schaal, auch das eint ihn mit Frank Schäffer, war den Menschen zugewandt. Es gibt eine Szene, die ganz viel über seine Empathie aussagt: Bei einem Restaurantbesuch hatte Schaal einen früheren Mitarbeiter gesehen, der allein am Nachbartisch saß. Schaal bat seine Begleiter um Verständnis, dass er da mal kurz rüber müsste. Beide tranken ein Viertele und sprachen über alte Zeiten. Später winkte Wolfgang Schaal diskret den Wirt herbei, um die Rechnung des einstigen Angestellten zu begleichen. „Der hat nicht so viel“, meinte er nur.

Der erfolgreiche Unternehmer, der durchaus viel hatte, ist immer auf dem Boden geblieben. Als Chef der Freien Wähler in Leonberg hat er großen Wert auf Zusammengehörigkeit und den Wohlfühlfaktor gelegt. Alljährliche Ausflüge und gemeinsame Abende jenseits des Alltags in Sitzungssälen hatten den Aktiven stets das Gefühl gegeben, mehr in einer Familie als in einer politischen Vereinigung zu sein.

Bei der Beisetzung von Frank Schäffer, kurz nach dem Nikolaustag, war in der Aussegnungshalle des Leonberger Waldfriedhofs noch nicht einmal mehr ein Stehplatz zu bekommen. Viele Menschen harrten in eisiger Kälte draußen aus. Wenn Wolfgang Schaal zu Grabe getragen wird, dürfte der Andrang ähnlich groß werden. Wie sehr beide fehlen, wird sich indes erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

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