Von der Mosel ins Ländle: Albert Kaspari engagierte sich in Leonberg für das Gemeinwohl und besonders für „seinen“ Obst-, Garten- und Weinbauverein.
Bis zuletzt hatte Albert Kaspari optimistisch in die Zukunft geschaut und schon jetzt zur Eröffnung des Wengerterfestes im kommenden Juli eingeladen. Er selbst wird bei dem Termin in den Weinbergen, der ihm in den vergangenen Jahren stets so wichtig war, nicht mehr dabei sein. Der langjährige Vorsitzende des Obst-, Garten und Weinbauvereins Eltingen-Leonberg ist nach langer schwerer Krankheit im Alter von 82 Jahren gestorben.
Als gebürtiger Moselaner war Albert Kaspari ein Hans Dampf in allen Gassen. Das Organisieren und Anpacken lag ihm im Blut. Unter seiner Regie fusionierten die beiden Obst-, Garten- und Weinbauvereine der Stadt, er war als Vorsitzender der Renninger Schlüsselgesellschaft in närrischer Mission unterwegs und im Leonberger Stadtverband Sport aktiv. Und auch sonst: Wenn es irgendwo etwas zu tun gab, stand „der Albert“ immer bereit.
Albert Kaspari ist in Steilhängen groß geworden
Seine ganz große Liebe aber galt, neben der zu seiner Frau Ute, der Natur. Die wurde ihm buchstäblich in die Wiege gelegt. Albert Kaspari stammt aus einer Winzerfamilie im rheinland-pfälzischen Zell. Er ist mit der Weinlese in den Steilhängen groß geworden. Der Kontakt in die alte Heimat ist nie abgebrochen. Regelmäßig besuchte er mit seiner Frau seine Geschwister. Vor zwei Jahren feierte er in Zell einen Doppelgeburtstag: Er wurde 80, sein Bruder wenige Tage später 70 Jahre alt.
Auch Kasparis Bekanntenkreis profitierte von den Ausflügen an die Mosel. Gern gesehenes Mitbringsel waren einige Flaschen „Zeller Katz“, ein halbtrockener Riesling mit wenig Säure. Wohlwollende Zustimmung gab es, wenn er in geselligen Runden, etwa beim Sommerfest des Obst-, Garten und Weinbauvereins, zu vorgerückter Stunde einen Schnaps aus Weinbergpfirsichen ausschenkte.
Seine besondere Beziehung zur Natur war zudem der großen Krippe anzusehen, mit der die Familie Kaspari-Jenschur stets zur Weihnachtszeit ihr Wohnzimmer schmückte. Der Stall mit dem Jesuskind war vor allem mit Dingen ausgestattet, die er in Wald und Feld gesammelt hatte.
Eventmanager bei der Bausparkasse
Kein Wunder also, dass Albert Kaspari die Themen Natur und Wein auch in seiner Wahlheimat Leonberg hochgehalten hatte. Durch die Bundeswehr war er nach Süddeutschland gekommen. Da traf es sich gut, dass damals die Leonberger Bausparkasse einen – heute würde man sagen – Eventmanager gesucht hatte. Ein Posten, der für den jungen Kaspari geradezu gemacht war. 37 Jahre blieb er der Leo-Bau treu. Auf der Arbeit lernte er seine große Liebe und spätere Frau Ute Jenschur kennen. Als 2009 das wuchtige Bausparkassen-Gebäude in Leonberg gesprengt wurde, blutete beiden das Herz.
Der Ruhestand hatte für Kaspari nichts mit Ruhe zu tun. Unermüdlich engagierte er sich für „seinen“ Obst-, Garten- und Weinbauverein, knüpfte Kontakte zu Kommunalpolitikern und war sichtlich stolz, wenn alljährlich zur Eröffnung des Wengerfestes der OB, der Landrat, Abgeordnete und andere Lokalpromis auf die Feinau-Höhen pilgerten.
Beim Auftakt zum Wengerterfest in diesem August war Albert Kaspari bereits durch seine Krankheit gezeichnet. Gleichwohl ließ er sich die von ihm entworfene Dramaturgie einschließlich eines gemeinsamen Singens nicht nehmen. Es sollte sein letzter öffentlicher Auftritt sein. Immer wieder musste er ins Krankenhaus, hielt aber dennoch tapfer Kontakt mit seinen Freunden und Bekannten. Am Freitag wurde er von seinem Leiden erlöst.