Hunderte erweisen dem Leonberger die letzte Ehre. Nicht nur der scheidende OB Cohn erinnert an einen Menschen, der sich stets für das Gemeinwohl engagiert hat.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Normalerweise herrschte in diesen Adventstagen im Haus Jenschur-Kaspari reges Treiben. Albert wäre schon Wochen vorher im Wald unterwegs gewesen, um Holz, Moos und Gräser zu sammeln. Seine Frau Ute würde die Figuren von Maria und Josef und den Heiligen Königen auspacken. Die große Krippe aus der Natur war der ganze Stolz von Albert Kaspari. Diesmal wird er keine Freude an der Krippe haben. Der umtriebige Wahl-Leonberger ist am 7. November verstorben.

 

Bei der Trauerfeier in der vollbesetzten Aussegnungshalle des Leonberger Waldfriedhofes erinnerte sich Martin Georg Cohn an die vielen Begegnungen an der Krippe in der Wohnung von Albert Kaspari und Ute Jenschur: „Jedes Jahr luden sie mich ein. Wir tranken ein Gläschen Eierlikör, oder auch zwei. Albert erklärte mir die Krippe, und dann sprachen wir über die Kommunalpolitik.“

Kaspari führte die Vereine zusammen

Albert Kaspari pflegte eine enge Bindung zum Oberbürgermeister. Der scheidende OB, dem nun Tobias Degode folgt, war sichtlich berührt als er sich an den treuen Begleiter erinnerte, der Cohn besonders die Vereinswelt und die Schönheiten der heimischen Natur näherbrachte.

Im vom katholischen Pfarrer Nzita Thamba mit viel Herzblut gestalteten Trauergottesdienst wurde das große Engagement des gebürtigen Rheinland-Pfälzers in seiner Wahlheimat noch einmal lebendig. Martin Esslinger, der Vorsitzende des Obst-, Garten und Weinbauvereins Eltingen-Leonberg, erinnerte in einer persönlich gehaltenen Rede an den unermüdlichen Einsatz seines Vorgängers und dessen Fähigkeit des Zuhörens und des Zusammenführens.

Albert Kaspari (li.) mit dem damaligen Renninger Bürgermeister Wolfgang Faißt und dessen Frau Angela. Foto: slo

Unter Kasparis Regie waren die beiden einst getrennt und in einer gewissen Konkurrenz zueinander stehenden Vereine fusioniert. Die Liebe zu Natur war Kaspari in die Wiege gelegt worden. Aufgewachsen in Zell an der Mosel war er mit Weinbau, Wäldern und Feldern groß geworden.

Albert Kaspari, der 82 Jahre alt wurde und lange tapfer gegen den Krebs gekämpft hat, war nicht nur ein Vereinsmensch. Seiner kommunikativen und organisatorischen Fähigkeiten waren auch in seinem Beruf sinnbildlich Gold wert. Als Mitarbeiter der Leonberger Bausparkasse und später der Wüstenrot war er eine Art Eventmanager und Mann für besondere Missionen. „Nach der Wende wurde Albert nach Dresden geschickt“, berichtete sein früher Kollege Helmut Schmauß der Trauergemeinde. „Dort gelang es ihm in kurzer Zeit, ein Filialnetzwerk in einem Gebiet aufzubauen, das bis dahin eine marktwirtschaftfreie Zone war.“

Welch hohe Wertschätzung Albert Kaspari genossen hatte, zeigte die großen Zahl der Trauergäste bei der Urnenbestattung. Neben seiner Familie von der Mosel sowie zahlreichen Vertretern aus der Vereinswelt waren etliche Vertreter aus der Politik auf den Waldfriedhof gekommen, darunter neben dem scheidenden OB Cohn, dessen Vorgänger Bernhard Schuler, die Staatssekretärin Sabine Kurtz, der frühere Staatssekretär Wolfgang Rückert, die einstigen Bürgermeister Wolfgang Faißt aus Renningen und Helmut Noë aus Leonberg sowie der Fraktionschef der Freien Wähler, Axel Röckle, der sein Vorgänger als Chef des Obst-, Garten und Weinbauvereins war.