Trauerfeier für Thomas Oppermann Schäuble:Er wird schmerzlich fehlen

Von red/dpa 

Vor drei Wochen stand Thomas Oppermann noch am Rednerpult des Bundestags. Niemand hätte damals gedacht, dass es seine letzte Rede sein würde. Nach seinem plötzlichen Tod nimmt der Bundestag Abschied - zusammen mit langjährigen Weggefährten.

Ein Blumengesteck steht bei der Trauerfeier für den verstorbenen Thomas Oppermann (SPD) im Bundestag auf einem Platz in der SPD-Fraktion. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
Ein Blumengesteck steht bei der Trauerfeier für den verstorbenen Thomas Oppermann (SPD) im Bundestag auf einem Platz in der SPD-Fraktion. Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

Berlin - Mit einer bewegenden Trauerfeier hat der Bundestag Abschied von seinem unerwartet gestorbenen Vizepräsidenten Thomas Oppermann genommen. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, der SPD-Politiker habe sich um den Parlamentarismus und die Demokratie in Deutschland große Verdienste erworben. „Seine besonnene Art, sein Sachverstand, seine Kollegialität werden uns schmerzlich fehlen.“ Der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Mützenich versicherte, seine Partei werde weiterführen, was Oppermann angestoßen und aufgebaut habe. „Er wird in unseren Herzen und Taten weiterleben.“

Oppermann war am Sonntag kurz vor einem Interview in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ zusammengebrochen. Er starb kurze Zeit später im Krankenhaus in Göttingen. Der SPD-Politiker wurde 66 Jahre alt.

Auch Gauck und Schröder anwesend

An der Trauerfeier im Plenarsaal nahmen Oppermanns Lebensgefährtin Petra Kirchhoff und drei seiner Kinder teil. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) und seine Frau saßen ebenso auf einer Gästetribüne wie der frühere Bundespräsident Joachim Gauck und seine Frau, die ehemalige SPD-Vorsitzende Andrea Nahles und Ex-Bundesinnenminister Otto Schily (SPD). Der amtierende Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der sich noch in Quarantäne befindet, verfolgte die Trauerfeier von zu Hause aus. Steinmeier und Schröder waren politisch wie privat langjährige Weggefährten des Verstorbenen.

Oppermann war 1990 in den Niedersächsischen Landtag eingezogen. 1998 ernannte ihn der damalige Ministerpräsident Gerhard Schröder (SPD) zum Wissenschaftsminister. 2005 wechselte Oppermann in den Bundestag. Dort war er in der vergangenen Wahlperiode SPD-Fraktionsvorsitzender. Nach der Wahl 2017 wurde er Vizepräsident des Bundestags. Für die Wahl im kommenden Jahr wollte Oppermann nicht wieder kandidieren.

„Pointiert und schlagfertig“

Schäuble sagte in der Trauerfeier des Bundestags, Oppermann sei klar und loyal in seiner sozialdemokratischen Haltung, aber nie ideologisch gewesen. „Streitbar in der Sache, doch kompromissfähig, wenn es galt, pragmatische Lösungen zu finden. Pointiert und schlagfertig in der politischen Auseinandersetzung, und herzlich im zwischenmenschlichen Umgang. Er beherrschte die Abteilung „Attacke“, er beherrschte auch das mühsame Verhandeln. Beides braucht es in der parlamentarischen Demokratie.“

SPD-Fraktionschef Mützenich nannte die Nachricht von Oppermanns Tod einen Schock. „Mit ihm verlieren wir einen angesehenen Sozialdemokraten, einen leidenschaftlichen Abgeordneten und eine bedeutende politische Persönlichkeit.“ Oppermann habe für einen starken, vorsorgenden Sozialstaat gestritten. „Er machte Politik für die Leute, die hart arbeiten und sich an die Regeln halten.“ Auch gegenüber der AfD habe er nach deren Einzug in den Bundestag unmissverständlich auf das Einhalten der Regeln gepocht.




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