Trauerfeier in Tübingen Familie und Wegbegleiter gedenken Theologen Hans Küng

Hans Küng ist 93 Jahre alt geworden. (Archivbild) Foto: dpa/Marijan Murat
Hans Küng ist 93 Jahre alt geworden. (Archivbild) Foto: dpa/Marijan Murat

In kleinem Kreis ist dem verstorbenen Kirchenkritiker Hans Küng in Tübingen bei einer Trauerfeier gedacht worden. Ministerpräsident Winfried Kretschmann würdigte den Theologen als Lehrer seiner Generation.

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Tübingen - Freunde und Wegbegleiter haben mit einer Trauerfeier in Tübingen des gestorbenen Theologen und Kirchenkritiker Hans Küng gedacht. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sagte bei der Veranstaltung in der Kirche St. Johannes: „Das Land Baden-Württemberg ist stolz, zur Heimat dieses großen Gelehrten geworden zu sein.“ Er verneige sich vor der Leistung von Hans Küng und einem einzigartigen Menschen, so der Grünen-Politiker. „Das gesamte Land nimmt Anteil am Tod von Hans Küng. Wir werden ihn vermissen.“

Die Trauerfeier war aufgrund der Einschränkungen durch die Pandemie auf wenige Teilnehmer begrenzt. Neben der engsten Familie nahmen Freunde und Wegbegleiter Küngs teil und sprachen von ihm verfasste Gebete. Wie auch Ministerpräsident Kretschmann hielt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) im Anschluss an einen Gottesdienst eine Rede. Der in der Schweiz geborene Küng ist seit 2002 Ehrenbürger von Tübingen. Er soll auf dem Stadtfriedhof seine letzte Ruhestätte finden.

Da nur wenige Menschen an der Trauerfeier des Vordenkers der Reform-Katholiken teilnehmen konnten, übertrug der Südwestrundfunk die Veranstaltung im Fernsehen und online.

Vehemente Kritik an der Kirche und dem Papst

Der durch seine vehemente Kritik an der Kirche und dem Papst bekannt gewordene Theologe Hans Küng war am 6. April im Alter von 93 Jahren in Tübingen gestorben. Weil Küng die Unfehlbarkeit des päpstlichen Lehramtes anzweifelte, ließ Papst Johannes Paul II. ihm 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis entziehen.

Der Tübinger Theologie-Professor prangerte aber auch danach immer wieder die mächtige Position des Papstes an und bezeichnete die Kirche deshalb als Diktatur. In seinen Büchern und Vorträgen trieb er den Dialog zwischen den Weltreligionen voran. In den vergangenen Jahren hatte sich Küng wegen seines Gesundheitszustands zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Er litt unter anderem an Parkinson, wie er in seiner Autobiografie öffentlich gemacht hatte.

Sein großes Alterswerk wurde die von ihm ins Leben gerufene Stiftung Weltethos mit Sitz in Tübingen. Sie setzt sich für interkulturelle und interreligiöse Forschung, Bildung und Begegnung ein.

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