Traumziel Malediven Da weint die Koralle
Die Malediven sind ein Paradies zwischen Naturschönheiten, Tourismusboom und ökologischer Gefährdung
Die Malediven sind ein Paradies zwischen Naturschönheiten, Tourismusboom und ökologischer Gefährdung
Spektakulärer als über dem Indischen Ozean kann ein Urlaub nicht beginnen. Trotz des vorhergegangenen langen Fluges von Frankfurt nach Male. Der Blick der 15 Passagiere in der voll besetzten DHC-6-Twin-Otter schweift über eine grandiose Inselwelt mit blauem Wasser, dichten Palmenwäldern und gleißend weißen Traumstränden. Über ein Gebiet mit 26 Atollen und 1196 Koralleninseln, in dem die Temperatur selbst nachts kaum unter 25 Grad fällt.
220 der Eilande werden von Einheimischen bewohnt. 144 davon sind Hotelanlagen. Tendenz steigend. Das Tourismusministerium spricht von 12 227 Einrichtungen mit insgesamt 62 864 Betten. Grüne Augen auf tiefblauem Meer: Die Malediven sind ein von der Natur üppig ausgestattetes Ferien-Gesamtkunstwerk. Seit Jahren kratzt der Tourismus an der Zwei-Millionen-Marke.
Das liegt vor allem am wachsenden Zulauf aus China, das die Malediven als nahes Urlaubsland für sich entdeckt. Danach folgen Russland, Großbritannien und Italien, Deutschland liegt noch vor dem ehemaligen Spitzenreiter Indien, bei dem die Nachfrage wegen politischen Zwists zurückging.
Die Hauptstadt Male mit dem internationalen Ibrahim Nasir Flughafen und mehr als 210 000 Einwohnern auf engem Raum ist von den meisten Inseln weiter entfernt, als es die Kilometer vermuten lassen. Längst ist Male ohne Einrechnung der Flughafeninsel Hulhule und der neuen Insel Hulhumsale mit gut 68 000 Einwohnern pro Quadratkilometer die am dichtesten besiedelte Stadt der Welt. Auf den nur 5,7 Quadratkilometern steht Hochhaus an Hochhaus. Auch das zeigt der Blick aus dem Wasserflugzeug. Der Strom kommt aus Dieselaggregaten. Täglicher Verbrauch: über 115 000 Liter. Die Wasserentsorgung geht ohne größere Kläranlage direkt ins Meer. Der Müll landet auf der künstlichen Insel Thilafushi – zur Landgewinnung.
Nach einer knappen halben Stunde setzt das Wasserflugzeug sanft auf dem Wasser auf und macht an einem Ponton fest. Die letzten Meter zur Hotel-Rezeption geht es mit dem Motorboot. Den Besucher erwartet perfekte Organisation in einem luxuriösen Resort. Wirkliche Schnäppchen-Resorts gibt es nicht. Auf welcher Insel auch immer.
Ob auf der größten Insel Kuramathi oder dem kleinen Nova-Eiland, das man bequem in 20 Minuten zu Fuß umrunden kann: Überall geht es ausschließlich um Urlaub. Um Tauchen und Schnorcheln, um Wassersport und Angeln, um Essen und Trinken. Einheimische trifft man nur als Zimmerservice, Gärtner oder Restaurantbedienung. Wer sich für sein Gastland und seine Bewohner interessiert oder die stark mit arabischen Wörtern angereicherte Landessprache Dhivehi hören möchte, ist hier fehl am Platz. Verkehrssprache ist Englisch.
„Wir sind mit höchstens 150 Gästen ein sehr persönliches Eiland“, sagt Nova-Marketing-Chef Richard Hatfield. Im Angebot sind 76 Strand- und Wasservillen bis zu 250 Quadratmeter groß. Im Prinzip gibt es nur zwei Fragen. Die erste: Wann gehen wir schnorcheln? Runter zum Tanz des Unterwasser-Lebens mit Riffhaien, Mantarochen, Meeresschildkröten, Schnappern, Mola-Mola-Sonnenfischen (mit viel Glück), Makrelen und Zackenbarschen oder anderen der rund 2000 Fischarten der Malediven. Runter in eines der weltweit sensibelsten Ökosysteme.
Die zweite lautet: Wo gehen wir heute essen? Nova hat drei Restaurants, darunter das Mizu-Teppanyaki. Hier bereitet der Filipino James an der 300 Grad heißen Tischherdplatte aus Reis, Rind, Huhn, Lachs und Garnelen ein spektakuläres Dinner zu. Seine Landsfrau im Service heißt Heidi. Natürlich kennt sie die Filmmelodie, aber ohne Text. „Deine Welt sind die Berge“, das klingt seltsam knapp einen Meter über dem Meeresspiegel. Überhaupt: der Meeresspiegel. Experten prognostizieren, dass bei seinem weiteren Steigen aufgrund der Erderwärmung bis 2050 rund 80 Prozent der Malediven nicht mehr bewohnbar sein könnten. Alle Inseln liegen nur rund einen Meter über dem Meeresspiegel, was existenzgefährdend ist.
Die höchste Erhebung ist auf der Insel Vilingilli im Addu-Atoll: 5,1 Meter über Normalnull. Die Regierung setzt deshalb auf Landgewinnung. Die aber birgt die Gefahr, weitere Lebensräume unter Wasser zu zerstören. Dazu gesellt sich erneut das Wetterphänomen El Nino, das bereits 2016 rund 60 Prozent aller Korallen auf den Malediven erbleichen ließ. „Das ist unter den Touristen schon ein Thema“, sagt Hatfield, „aber viele Einheimische verdrängen das Thema.“ Da weint die Koralle.
Mittlerweile versuchen viele Projekte, das Korallenwachstum zu fördern, etwa mit im Meeresboden verankerten flachen sechseckigen sandbeschichteten Stahlkonstruktionen, an den Korallenfragmente befestigt werden. Die Trümmer, die bei starker Wasserbewegung oder auch durch unachtsame Badegäste und Bootsführer abgebrochen sind, werden auf die Gestelle gepflanzt, wo sie an- und zu neuen Korallenstöcken heranwachsen. Ökologische Rettungsversuche zur Bewahrung der touristischen Attraktion: kein Wunder, dass vor allem Reiseveranstalter ihr Herz für solche Projekte entdecken.
Schließlich locken die Korallenriffe die Touristen. Abtauchen – auch bei Kandima im Dhaalu-Atoll geht es vor allen darum. Aber anders als auf Nova. Schon wegen der Größe. Drei Kilometer lang, mit Fußball- und Tennisplatz, zwei Pools, Spa, Spielhaus und 264 Studios und Villen, teilweise mit privatem Swimmingpool. Ein Platz für Hochzeitsfeiern – unübersehbar. Und für bekannte Namen: „Dieter Bohlen war schon da“, erzählt Kandima-Marketing-Chef Neeraj Seth.
Anreise
Zum Beispiel mit Condor non-stop ab Frankfurt/Main nach Male, www.condor.com ; mit Turkish Airlines ab Stuttgart über Istanbul, www.turkishairlines.com . Die Ideale Reisezeit ist Februar bis April.
Unterkunft
Kandima: weitläufige 5-Sterne-Anlage mit unterschiedlichen Restaurants sowie guten Sportangeboten und schönem Kinderland, 5 Nächte für zwei Personen (Ü/F) im Sky Studio (55 qm) ab 1900 Euro pro Person inklusive Flug; Strandvilla für zwei Personen mit Whirlpool (97 qm) ab 1400 Euro pro Tag ohne Flug, www.kandima.com .Nova: intime kleine 5-Sterne-Insel, Doppelzimmer mit Vollpension ab 380 Euro pro Nacht, www.nova-maldives.com .Dhiguveli: Mittelklassehotel, fünf Tage (4 Übernachtungen mit Frühstück) inklusive Flug pro Person im Standardzimmer ab 1300 Euro, ab 175 Euro pro Tag o. Flug, www.dhiguveli.com .
Wissenswertes
In der Amtssprache Dhivehi wird seit Jahrhunderten der Name Dhivehi Raajje benutzt. Das heißt Königreich oder Land der Dhivehi. Der heutige Staatsname bedeutet soviel wie „Republik des Landes der Dhiveli“. Der Name Malediven wurde im 18. Jahrhundert durch die Niederländer eingeführt, vermutlich als Übernahme des arabischen al-Mahaldibiyat. Mahal war der damalige Name von Male, was „Inseln von Male“ bedeutet.
Allgemeine Informationen
Fremdenverkehrsamt www.visitmaldives.com