Treffen für Mamas in der Elternzeit Gemeinsam gegen die Einsamkeit in der Elternzeit

Mit dem Social Mom Club geht es auf zum Mütter-Treffen, das Lene (Mitte) ins Leben gerufen hat. Foto: Ferdinando Iannone

In der Elternzeit fühlen sich viele Mütter einsam. Zwei ungezwungene Mütter-Treffen wollen Abhilfe schaffen. Ehrliche Gespräche zeigen: Andere Mamas haben genau die gleichen Probleme.

Freizeit und Unterhaltung: Dominika Bulwicka-Walz (dbw)

Das Wetter lässt die Mütter etwas im Stich. Am Dienstagmorgen ist es grau und einige Regentropfen fallen vom Himmel. Doch vor dem Café Pausa in Stuttgart-Süd hat sich um Viertel vor elf Uhr morgens bereits eine Gruppe von mehr als 15 Müttern zusammengefunden. Kinderwagen und Buggys bilden einen Kreis, einige Kleinkinder wollen auf den Arm, schließlich ist diese Perspektive sehr viel interessanter als der Blick aus dem Buggy. Die Stimmung der Mütter ist ausgelassen und der sich anbahnende Regen scheint gar nicht zu existieren. Um sich über solche Bagatellen wie schlechtes Wetter aufzuregen, herrscht in der Runde zu viel Freude über die Gelegenheit, sich auszutauschen, Menschen zu sehen, die in der gleichen Situation sind und nachvollziehen können, wie es einem selbst geht, wenn das Baby womöglich seit Tagen quengelig ist.

 

Als keine weitere Mutter mehr dazukommt, setzt sich die Mama-Gruppe langsam in Bewegung und macht sich auf zu einem nahegelegenen Spielplatz, wo sich die Frauen sofort in Gespräche vertiefen. Es ist das zweite Treffen des „The Social Mom Clubs Stuttgart“. Lene, Initiatorin des Events, hatte es ganz spontan über einen Instagram-Kanal ins Leben gerufen. Seit zehn Monaten ist die Flugbegleiterin nun selbst in Elternzeit. Irgendwann hatte die 35-Jährige festgestellt, dass sie sich als Mama im Alltag allein gefühlt hatte. Ein Gefühl, das sie mit den meisten anwesenden Müttern teilt. Warum das so ist, bringt die 39-jährige Stefani auf den Punkt: „Das Verrückte ist: Man hat die ganze Zeit ein kleines Lebewesen daheim, aber das Kind antwortet nicht, teilt die Gedanken nicht mit einem.“

„Man ist mit seinen Emotionen alleine“

Hannah schiebt ihren Kinderwagen sachte hin und her, damit ihr Baby weiter schlafen kann. Sie schließt sich Stefanis Meinung an. Die Zweifachmama kennt ebenfalls die Erfahrung, dass man viel mit den Kindern zuhause ist und die Kommunikation daher eine andere sei als mit Erwachsenen – und das mache einsam. „Man ist mit seinen Emotionen und Gefühlen oft sehr allein. Es hilft, wenn man sich mit anderen Mamas austauschen kann“, sagt die 32-Jährige.

Anders ausgedrückt: Man ist die ganze Zeit gefordert, die Aufmerksamkeit gilt nahezu vollständig dem Kind und oftmals kann man niemanden kurz um Rat fragen oder sich die Sorgen von der Seele reden.

Damit sie nicht den ganzen Tag allein zu Hause verbringen musste, hatte Lene irgendwann angefangen, sich tagsüber zu verabreden. Wie den anderen, fehlte ihr ebenfalls der ehrliche Austausch mit anderen Müttern, mit denen man Probleme ansprechen könne.

Treffen wird gut angenommen

Dafür ist der „Mom Club“ ein toller Platz, stellt Stefani fest. Manchmal komme man sich nämlich ja schon fast paranoid vor, wenn man denkt, es geht nur mir so. Hinzu komme auch: „Man möchte alles genauso machen wie vorher auch, aber man hat einen Wirbelwind zu Hause und muss feststellen, dass es nicht so ist wie vorher.“

Diese Probleme mit anderen Müttern zu teilen sieht auch Hannah als hilfreich an: „Es ist super wertvoll, wenn man Menschen trifft, die die gleiche Situation erleben und nachvollziehen können, wenn man über die schlechte Nacht sprechen, sich ausheulen kann und dann geht es einem auch schon besser“, sagt die Schaufensterdekorateurin.

Bereits das erste Treffen am Vortag wurde von 25 Müttern besucht. Lene sieht das als Bestätigung für ihre Idee und ist immer noch vom Erfolg überwältigt. Sie ist überzeugt, dass ein solches Treffen gefehlt hatte. Mamas würden sich danach sehnen, einen Ort zu haben, an dem man sich austauschen, wo man eventuell auch Freundinnen finden kann. „Natürlich hat man Freundinnen, aber die gehen vielleicht arbeiten oder haben Kinder, die bereits größer sind“, sagt Lene.

Andere Mutter mit gleicher Idee

Ein weiteres Treffen für Mamas in Stuttgart ist der „Mamacita Walk“. Die 30-jährige Vanessa ist seit November Mama und auch sie musste früh feststellen: Ihre Freundinnen hatten entweder noch keine Kinder oder bereits ältere, die lieber auf dem Spielplatz toben, als spazieren zu gehen. Hinzu kam, dass ein strukturiertes Leben erst mal nicht mehr möglich war. Der Tagesablauf wird jetzt von einem kleinen Mensch vorgegeben. Die Folge ist, dass auch ihr tagsüber der Austausch mit Erwachsenen fehlen würde, insbesondere mit Menschen, die ihre Probleme nachvollziehen könnten. Dabei sieht sie es realistisch: Viele würden sich nicht dafür interessieren, dass sie wieder acht Mal in der Nacht aufstehen musste und nun den ganzen Tag übermüdet durchhalten muss. Diese Themen interessieren diejenigen, die gerade mittendrin stecken.

Spazieren und sich mit anderen Müttern austauschen: Vanessa hat den Mamacita Walk ins Leben gerufen. Foto: privat

Auf die Idee, den „Mamacita Walk“ zu organisieren kam Vanessa während ihrer Spaziergänge. Sie hatte viele andere Mamas mit Kinderwagen gesehen, die ebenfalls ganz allein unterwegs waren. „Man geht allein spazieren und denkt sich irgendwann: Hier laufen so viele herum, die die gleichen Themen haben.“ Den Mut, die Mamas einfach so anzusprechen hatte sie dann aber doch nicht. Und so dachte sie sich, wenn sie einen Aufruf über ihren Instagram-Kanal startet und auf diese Weise andere Mamas anspricht, könnte das mehr Anklang finden. Vom großen Zuspruch nach dem ersten Treffen war sie selbst überrascht und auch über die große Offenheit der Mütter während des Walks. „Keine war unsicher und hatte überlegt, mit wem sie sprechen könnte. Alle haben sich gleich gefunden und hatten die gleichen Themen.“

Regelmäßige Treffen geplant

Die Reaktionen der anwesenden Mamas waren so positiv, dass sich die 30-Jährige dazu entschlossen hat, den Mamacita Walk wöchentlich zu organisieren. An Orten, die auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen sind und wo man spazieren gehen kann.

Mamas, die sich für die Treffen interessieren, finden weitere Informationen und Treffpunkte auf folgenden Instagram-Kanälen:

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