Treffpunkt Mozartstraße in Fellbach „Das wäre eine große Leere“ – Fellbachs Senioren bangen um beliebten Treffpunkt

Das gemeinsame Singen im Chor unter Leitung von Anita Sasse genießen die Teilnehmenden wie Ursula Hecksteden (links) und Christa Kellner sichtlich. Foto: Eva Schäfer

Welche Rolle spielt der Treffpunkt Mozartstraße für ältere Menschen in Fellbach? Und was würde ein Wegfall des Angebots für sie bedeuten? Betroffene schildern ihre Sorgen.

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Christa Kellner muss keine Sekunde überlegen, wenn sie erzählt, was der Treffpunkt Mozartstraße in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) für sie bedeutet. Es sprudelt aus der Fellbacherin nur so heraus, wenn sie berichtet, welche Angebote sie nutzt: Sie macht bei der regelmäßigen Gymnastik mit, nimmt an kleinen Ausflügen teil, besucht Vorträge und singt im Chor der Seniorenbegegnungsstätte mit.

 

„Es ist so vielseitig, was hier geboten wird, das kann man sich gar nicht vorstellen“, sagt Christa Kellner. Der Chor, der von Anita Sasse geleitet wird, ist eine Herzensangelegenheit von ihr. Die Seniorin ist Teil der Gemeinschaft an diesem Nachmittag und genießt es, das ist deutlich spürbar. Es gibt immer ein großes Hallo, wenn jemand die Tür zu dem Raum öffnet, wo kurz darauf das gemeinsame Singen beginnt. Die Teilnehmenden kennen sich, tauschen sich aus, es ist ein freudiges Wiedersehen.

Ursula Hecksteden schätzt den Treffpunkt Mozartstraße: „Viele Freundschaften sind entstanden.“ Foto: Eva Schäfer

„Es ist wie mein Zuhause“, sagt Ursula Petz. Sie sei über die Trauergruppe zum Treffpunkt Mozartstraße gekommen. Inzwischen nehme auch sie verschiedenste Angebote wahr. Margaretha Kroesen steht daneben und nickt. Der Treffpunkt sei „eine zweite Heimat“, sagt sie, „wir fühlen uns hier wohl“. Und sie schiebt gleich hinterher: „Wir hoffen wirklich, dass es irgendwie weitergeht, wir sind hier zu Hause.“

Besucherin Treffpunkt Mozartstraße: „Wir sind hier mit Leib und Seele dabei“

Was Margaretha Kroesen ausdrückt, ist ihre Sorge um die Zukunft der Seniorenbegegnungsstätte. Denn deren Weiterexistenz gemeinsam mit den Begegnungsstätten in Schmiden und Oeffingen steht infrage. Die Stadt peilt eine Neuausrichtung der Seniorenarbeit an. Die Sparvorschläge der Verwaltung sorgen für Unruhe bei den Betroffenen.

„Wir sind hier mit Leib und Seele dabei“, sagt Margaretha Kroesen. Die vielen Anmeldungen zeigten auch, wie sehr die Angebote gefragt seien. Sie wohnt schon viele Jahre in Fellbach – die Seniorenbegegnungsstätte sei ein zentraler Baustein für Lebensqualität. „Wir sind hier eine tolle Gemeinschaft im Chor, und man ist nicht alleine“, sagt sie.

Statistik zeigt das Problem der Einsamkeit im Alter auf

Auch die Statistik zeigt die Bedeutung von Gemeinschaft im Alter auf: Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts (RKI) fühlten sich etwa 19 Prozent der Menschen über 65 Jahren in Deutschland einsam. Besonders betroffen seien ältere Frauen: Während 22 Prozent der Frauen ab 65 Jahren von Einsamkeit berichten, sind es bei den Männern 15 Prozent. Bei Frauen ab 80 Jahren steige der Anteil sogar auf 29 Prozent. Einsamkeit bedeute in diesem Zusammenhang, dass sich Menschen mehr soziale Kontakte wünschen, als sie tatsächlich hätten.

„Warum sollte man die Menschen nicht unterstützen, die beim Aufbau unserer Republik jahrzehntelang so viel geleistet haben?“, sagt CDU-Stadtrat Erich Theile. Die Angebote für Senioren müssten in irgendeiner Form weitergeführt werden. Der Treffpunkt Mozartstraße sei ein sozialer Anlaufpunkt.

Bewusst für Fellbach als Wohnort entschieden

Christa Kellner habe sich bewusst für Fellbach als Wohnort entschieden – wegen der unterschiedlichen Angebote. Ursula Hecksteden hat sich selbst einige Jahre in der Begegnungsstätte engagiert und die Sütterlinschreibstube geführt, bis sie diese an eine Nachfolge übergeben hat. Sie ist nun bei vielem weiter dabei: bei der Frauengymnastik, bei Vorträgen, dem Gedächtnistraining, und sie macht bei den fünf Esslingern – der Gymnastik im Freien bei der Schwabenlandhalle – mit und beim Chor. „Raus aus den leeren vier Wänden“, laute dabei ihr Motto, „und am Leben teilnehmen. Viele Freundschaften sind über die Jahre dort entstanden“, sagt die ehemalige Grund- und Hauptschullehrerin.

Besonders, wenn man alleinstehend und verwitwet sei, sei die Gemeinschaft zentral. „Es wäre schlimm, wenn der Treffpunkt geschlossen würde“, sagt sie. Chormitglied Edith Kienzle ist da gleicher Meinung: „Wenn das alles wegfallen würde, wäre es eine Katastrophe, es ist ja schon schlimm, wenn Ferien sind und der Treffpunkt dann zu ist.“ Christa Kellner bringt es so auf den Punkt: „Das wäre eine große Leere.“

Info: Die nächste öffentliche Gemeinderatssitzung mit dem Schwerpunkt Konsolidierungspaket II findet am Dienstag, 3. Februar, von 17 Uhr an im großen Saal des Fellbacher Rathauses statt. Dabei geht es um geplante Sparmaßnahmen, damit die Stadt im März einen genehmigungsfähigen Haushalt für 2026 aufstellen kann.

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