Treffpunkt Rotebühlplatz Brandgefährliche Situation in Tiefgarage

Von Martin Haar 

Sicherheitsmängel für Menschen mit Behinderung in der Tiefgarage des Treffpunkt Rotebühlplatz werden auf Initiative der städtischen Behindertenbeauftragten zur Chefsache der Bürgermeister.

Der Treffpunkt Rotebühlplatz sowie die angeschlossene Tiefgarage haben   schon 25 Jahre auf dem Buckel. Foto: Jürgen Brand
Der Treffpunkt Rotebühlplatz sowie die angeschlossene Tiefgarage haben schon 25 Jahre auf dem Buckel. Foto: Jürgen Brand

Stuttgart - Für Menschen mit Behinderung könnte das zweite UG der Tiefgarage des Treffpunkt Rotebühlplatz zu einer brandgefährlichen Sache werden. Wer dort mit einem Rollstuhl oder anderen Einschränkungen bei einem Feuer festsitzt, riskiert sein Leben. Alle Fluchtwege führen über Treppen. Denn der einzige Aufzug im Parkhaus am Ausgang zur Fritz-Elsas-Straße wäre im Brandfall ohnehin nicht zu benutzen. Selbst Gudrun Hähnel, die bei der Volkshochschule (VHS) für die Koordination zuständig ist, räumte unlängst ein, dass das zweite UG für Menschen mit Behinderung oder im Rollstuhl „ein Problem“ im Gefahrenfall darstellt. Auch die Behindertenbeauftragte der Stadt, Simone Fischer, ging der Sache nach der exklusiven Berichterstattung dieser Zeitung Mitte Mai nach. Damals sagte sie, dass „grundsätzlich der Wunsch für Menschen mit Behinderung nach Eigenrettung besteht“. Und sie kündigte an, sich an die zuständigen Ämter zu wenden.

Antwortvom Tiefbauamt

Die Antworten liegen nun vor – und bringen Erstaunliches ans Licht. Das Tiefbauamt meldet, dass sowohl die Landesbauordnung als auch die Garagenordnung keine erhöhten Anforderungen im Sinne der Barrierefreiheit für Gebäude im Bestand vorsähen. „Lediglich bei Neubauten besteht die Verpflichtung, Barrierefreiheit umzusetzen“, zitiert Simone Fischer aus der Antwort des Tiefbauamtes, deshalb müssten Menschen bei einem Feuer in der Tiefgarage des Treffpunktes „in sicheren Bereichen auf Rettung warten“.

Was sich auf den ersten Blick nicht unvernünftig anhört, entpuppt sich als großes Problem, wie Simone Fischer erklärt: „Die Hinweisschilder mit den Infos für diesen sicheren Ort reichen nicht aus.“ Bedeutet: Wenn Menschen mit Behinderung oder Ältere diesen Ort nicht finden, können sie auch nicht von der Feuerwehr gerettet werden. Zumal die Feuerwehrleute das gleiche Problem hätten. Auch sie würden sich fragen: Wo ist dieser Sammelplatz eigentlich? In der Regel ist das für die Feuerwehr kein Problem. Denn wenn ein Gebäude über eine Brandmeldeanlage verfügt, die einen Notfall direkt und automatisch an die Feuerwehr meldet, dann verfügen die Retter auch über Pläne des Gebäudes. In der Tiefgarage des Treffpunkts gibt es jedoch keine Brandmeldeanlage. Aus diesem Grund appelliert Simone Fischer an alle beteiligten Stellen der Stadt: „Wir müssen dringend Lösungen für ein Brandschutzkonzept finden.“ Dies gelte sowohl für die Tiefgarage am Rotebühlplatz, aber auch für alle anderen Bestandsgebäude der Stadt. „Hier müssen wir zudem genau erheben, wie viele Bestandsgebäude die Stadt hat“, sagt Fischer. Offensichtlich gibt es hier einen größeren Sanierungsbedarf.

Hoffen auf eine Lösung

Immerhin: Nach dieser Alarmmeldung der Behindertenbeauftragten haben sich nun auch die zuständigen Bürgermeister der Sache angenommen. Daher hofft Simone Fischer stark, dass die Stadt im Sinne der Menschen mit Einschränkungen handelt: „Ich bin mir sicher, dass wir miteinander zurechtkommen und eine Lösung finden.“ An den umgekehrten Fall mag sie gar nicht denken.

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