Für viele wirkt es wie der perfekte Lifestyle: Man reist durch die Welt, feiert, ist der Mittelpunkt jeder Party, die Menschen jubeln einem zu und obendrein verdient man im besten Fall noch richtig viel Kohle. Ganz ehrlich? Wer würde bei so einer Jobbeschreibung nicht gerne Ja sagen?
DJ und Produzent Marten Hørger lebt diesen Traum in Vollzeit: Wenn er auf Tour geht, dann durch die ganze Welt, er arbeitete bereits mit Weltstars wie David Guetta zusammen und auch die Tomorrowland-Mainstage hat ihn schon spielen gesehen. Wer wenn nicht er, versteht, warum viele – und gerade vielleicht mehr denn je – von einem Lifestyle, einem Hobby oder gar einem Job wie diesem träumen: DJ sein.
Doch nicht nur die Vorteile sprechen dafür, sondern auch die Nachteile. Denn die werden vor allem eins: weniger. „In der Generation meiner Eltern war es total lachhaft, dass jemand losgezogen ist und versucht hat, seinen Traum zu leben“, sagt der Wahl-Stuttgarter. „Auch als ich angefangen habe, haben sich die Leute größtenteils darüber lustig gemacht.“ Ursprünglich stammt Marten Hørger aus einem Dreitausend-Einwohner-Dorf am Bodensee. Als er damals verkündete, mit Musik berühmt werden zu wollen, erntete er höchstens ein paar müde Lacher. „Heute ist das anders“, sinniert der House-und Electronic-DJ. „Wenn jetzt jemand mit 16 loszieht und sagt, er will Youtuber oder internationaler Superstar-DJ werden, dann gehen da deutlich weniger Augenbrauen hoch.“
Mehr Support aus den eigenen Reihen
Doch wie gelingt er denn nun, der Start ins DJ-Business? Laau Pama ist Resident-DJ in der Romantica und weiß aus eigener Erfahrung, dass es anfangs eine ziemliche Hürde sein kann, sich technisch und finanziell auszustatten. Als sie vor mehr als sieben Jahren damit anfing, musste sie für die Anschaffungen erstmal tief in die Tasche greifen. Daraufhin brachte sie sich alles in Eigenregie bei und begann, sich in Clubs im Stuttgarter Umkreis zu bewerben, weil es in der Stadt selbst nicht auf Anhieb funktionieren wollte.
Damit andere es zukünftig leichter haben, gründete Laau Pama mit anderen DJs das Hyperdose Kollektiv – ein Zusammenschluss an weiblich-gelesenen DJs, die gemeinsam Flinta-Veranstaltungen planen, umsetzen und mit Workshops für Anfängerinnen kombinieren. Sie erklärt: „Diese Workshops finden immer vor unseren Events statt und dauern etwa drei Stunden. Man braucht kein Grundwissen, muss noch nie hinter einem DJ-Pult gestanden haben. Wir bringen den Teilnehmerinnen alles bei und üben gemeinsam an echtem Club-Equipment.“
Größer, bunter, weiblicher
Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, findet Laau Pama: Denn obwohl sich viel verändert hat, ist ein großer Teil der DJs und Bookings in Stuttgarter Clubs und auf den Veranstaltungen immer noch männlich. „Mit unserem Kollektiv wollen wir auch dafür kämpfen, dass sich das weiter verschiebt. Es gibt teilweise heute noch Line-ups, die rein aus Männern bestehen, dabei könnte man mit der Anzahl an Flinta-DJs in Stuttgart längst Fifty-Fifty machen.“
Kollektive wie das Hyperdose wollen also dazu beitragen, dass Netzwerke entstehen und die Hürde – vor allem für Frauen und weiblich gelesene Personen – kleiner wird. „Allein an unserer Arbeit merke ich schon, dass die Szene jetzt gerade sehr viel größer wird und dass wir uns auch immer mehr vernetzen“, so die Romantica-DJ. Mehr Frauen ans Mischpult ist also die Devise. Und das scheint zu klappen. Auch Marten Hørger ist von der Durchmischung, die durch Arbeit wie die von Laau Pama entsteht, begeistert. „Dass sich Menschen generell trauen, mehr an ihren Träumen zu arbeiten, ist ein wahnsinnig schöner Trend“, sagt er. „Und auch wenn das an meiner eigenen Arbeit nichts verändert, schätze ich die Vielfalt, die dadurch entsteht. Alles wird bunter, es kommen neue Gesichter dazu. Das macht schon was mit der Szene.“