Trend Hypno Birthing in der Region Stuttgart So brachte sie ihren Sohn unter Hypnose zur Welt

Emily Svoboda mit dem neun Monate alten Sam auf dem Arm. Sie beschreibt ihren Sohn als „besonders entspannt“. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Emily Svoboda aus Echterdingen hatte Respekt vor der Geburt ihres Kindes und beschäftigte sich darum mit Hypno Birthing. Nun will sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen weitergeben.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Die Geburt ihres Sohnes sollte etwas rundum Schönes werden. Emily Svoboda wollte ihr erstes Kind nicht in einem sterilen Krankenhaus bekommen, im grellen künstlichen Licht, mit allerlei medizinischen Geräten um sich herum. Darum entschied sie sich gegen einen Kreißsaal. Die Hausgeburt war aber noch aus einem anderen Grund etwas ganz Besonderes. Denn die 31-Jährige aus der Region Stuttgart hatte sich im Vorfeld mit Hypno Birthing beschäftigt. Dabei versetzen sich die werdenden Mütter selbst in eine Art Trance. „Es ist nicht so, dass man komplett weg ist. Man kann schon reagieren, wenn man angesprochen wird. Es ist eher, wie wenn man morgens aufwacht und noch im Halbschlaf ist, oder wie bei einem Tagtraum“, sagt Emily Svoboda.

 

Eine Freundin habe sie auf das Thema gebracht. Während ihrer Schwangerschaft habe sie sich dann intensiv mit der Methode beschäftigt, Bücher gelesen, sich im Internet informiert und schließlich einen Online-Kurs absolviert. Warum? „Ich war nicht voller Angst, aber ich hatte schon Respekt vor der Geburt“, sagt sie. Sie habe regelrecht ein Selbststudium betrieben. „Ich wollte vorbereitet sein, wissen, was alles passieren kann. Das ist bei einer Hausgeburt sehr wichtig.“ In den normalen Geburtsvorbereitungskursen werde ihrer Meinung nach zu wenig Wert auf das Mentale gelegt.

Eine Hausgeburt sei immer noch ein heikles Thema

Emily Svoboda erzählte nur wenigen Menschen in ihrem Umfeld, dass sie ihr Kind in den eigenen vier Wänden zur Welt bringen würde. „Das ist immer noch ein heikles Thema“, sagt sie. Ihre Hebamme und vor allem ihr Mann unterstützten sie. „Er hat immer gesagt, dass ich das schaffe. Es ist schade, wenn Männer irgendwelche Horrorgeschichten über Geburten erzählen. Sie müssen doch in dieser Situation für ihre Frauen da sein“, findet Emily Svoboda.

Beim Hypno Birthing seien drei Säulen entscheidend, sagt die junge Mutter. Es gehe um die Hypnose selbst, die Atmung und die Visualisierung. Das bedeutet, dass das Hypno Birthing im Vorfeld geübt werden muss. Nur dann versetzen die Audiodateien mit Instrumentalklängen und einer beruhigenden Stimme die Frauen in Trance. „Man kann sich Anker setzen, um leichter in die Hypnose zu kommen, zum Beispiel einen bestimmten Duft“, sagt Emily Svoboda. Bei der Atmung hat sich Emily Svoboda für eine tiefe Bauchatmung entschieden. „Das nimmt ein bisschen den Schmerz“, sagt sie. Und sie habe positive Geburtsberichte gelesen und Videos im Internet geschaut. Die Geburt ihres Sohne habe sie sich vor ihrem geistigen Auge immer wieder vorgestellt. „Es geht darum, mit positiven Gedanken und Bildern in die Geburt zu gehen“ erklärt die junge Frau.

Professor Ulrich Karck vom Klinikum Stuttgart unterstützt Hypno Birthing ebenso wie Aromatherapie und Entspannungsbäder. Er sagt aber auch, das Sicherheit immer vorgehe. Foto: Klinikum Stuttgart/Kai Loges

„Beim Hypno Birthing geht es um Atemtechniken und Entspannungsübungen, mit denen sich Schwangere während der Geburt selbstständig in einen tiefen Zustand der Entspannung versetzen können“, erklärt Professor Ulrich Karck. Der Ärztliche Direktor der Frauenklinik des Klinikums Stuttgart ergänzt: „Durch diese tranceartige Form der Entspannung verspüren Frauen weniger Angst und sind weniger verkrampft.“ Es gebe eine wachsende Zahl an positiven Erfahrungsberichten und einige kleinere Fallstudien, die auf mögliche Vorteile von Hypno Birthing hinweisen, insbesondere in Bezug auf Schmerzlinderung und die Reduzierung von Ängsten. Die wissenschaftliche Datenlage sei aber „alles andere als robust“, weitreichende Schlussfolgerungen seien nicht möglich, so seine Einschätzung. Im Endeffekt sei es eine von verschiedenen Optionen zur Vorbereitung und zum Selbstmanagement unter der Geburt.

In der Frauenklinik des Klinikums Stuttgart gebe es immer wieder mal Mütter, die sich mit Hypno Birthing vorbereiteten und diese Methode auch während der Geburt anwendeten. „Wir unterstützen dies gerne, ebenso wie Aromatherapie, Entspannungsbäder oder homöopathische Mittel. Denn uns ist wichtig, dass sich die werdenden Mütter bei der Geburt wohlfühlen“, sagt Ulrich Karck. Er ergänzt aber auch: „Ein sicherer Start ins Leben hat bei uns immer oberste Priorität.“

Alexandra Sperling ist seit 18 Jahren Hebamme an der Filderklinik. Bereits seit etwa 15 Jahren sei Hypno Birthing ein Thema. Inzwischen seien unter den rund 2500 Müttern, die durchschnittlich jedes Jahr ihr Kind in dem anthroposophisch ausgerichteten Krankenhaus in Filderstadt-Bonlanden zur Welt bringen, recht viele Frauen, die diese Technik praktizieren würden. „Die Frauen dürfen sich gerne so auf die Geburt vorbereiten, und wir sehen auch, dass die Hypnose eine Schmerzerleichterung bringt“, sagt Alexandra Sperling. Wer sich darauf vorbereite, ein gutes Körperbewusstsein und eine gewisse Ruhe mitbringe, könne die Wehen mit dieser Technik gut veratmen. Das sei keineswegs Hokuspokus, betont die erfahrene Hebamme. „Wir unterstützen die Frauen dabei, zum Beispiel, indem wir zunächst mit dem Mann kommunizieren, um die Frau nicht in ihrer Trance zu stören“, sagt Alexandra Sperling und fügt hinzu: „Doch manchmal überwältigt die Geburt auch einfach die werdenden Mütter.“ Dann sei mit Hypno Birthing nicht mehr viel zu machen.

Entspannte Geburt – entspanntes Kind

Für Emily Svoboda hat es funktioniert. Die Geburt ihres ersten Sohnes ging schnell. Am späten Nachmittag bekam sie Wehen. Sie entschied sich für einen Spaziergang. Gegen 20 Uhr habe sie noch mit ihrem Mann Abendbrot gegessen, wenig später die Hebamme informiert, um Mitternacht war Sam bereits auf der Welt. „Die Hebamme konnte nur noch schnell die Handschuhe anziehen und ihn auffangen“, sagt Emily Svoboda und lacht. Alles sei sehr ruhig gewesen. Für ihren Sohn habe ein dunkelrotes Tuch bereitgelegen, in das er gewickelt worden sei – und keine steril-weiße Decke wie in vielen Krankenhäusern. Bis heute sei Sam ein sehr entspanntes Kind. Emily Svoboda ist überzeugt, dass das auch daran liegt, dass seine Geburt so unkompliziert verlief.

Die junge Frau möchte ihre Erfahrungen und ihr Wissen weitergeben. Darin sieht sie ihre berufliche Zukunft. Früher arbeitete sie als Sekretärin, später bereitete sie als selbstständige Hair- und Make-up-Artistin Frauen für ihre Hochzeit vor. Inzwischen hat sie online eine Hypnoseausbildung absolviert, mit einem Zertifikat abgeschlossen und sich auf Hypno Birthing spezialisiert. Nun plant sie weitere Fortbildungen, um ihr Fachwissen zu erweitern. Unter dem Namen „Urmutterkraft“ ist Emily Svoboda auf Instagram, Youtube und Tiktok unterwegs. Dort veröffentlicht sie regelmäßig Beiträge rund um das Thema Geburt und mentale Geburtsvorbereitung. Derzeit arbeitet sie an ihrem Skript für die verschiedenen Hypno-Birthing-Module. Im Januar will sie mit ihrem Angebot durchstarten.

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