Trend in Industrieländern Weniger Jobs für Mittelschicht

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Eine neue Studie der Organisation OECD zeigt: In den Industrieländern geht der Anteil von Arbeitsplätzen für Menschen mit mittlerer Qualifikation zurück. Zugleich werden mehr Jobs für Gutverdiener und Niedrigverdiener angeboten.

Arbeitsministerin Andrea Nahles schlägt vor, dass für jeden Beschäftigten ein Konto für berufliche Weiterbildung eingerichtet wird. Foto: dpa-Zentralbild
Arbeitsministerin Andrea Nahles schlägt vor, dass für jeden Beschäftigten ein Konto für berufliche Weiterbildung eingerichtet wird. Foto: dpa-Zentralbild

Berlin - In den Industrieländern kommt es zu einer Spreizung auf dem Arbeitsmarkt: Der Anteil der Personen mit mittlerer Qualifikation geht zurück. Zugleich steigt die Nachfrage der Unternehmen nach Menschen mit überdurchschnittlicher und geringer Qualifikation. Zu diesem Ergebnis kommt die Industrieländer-Organisation OECD in ihrem neuen Beschäftigungsausblick, den OECD-Generalsekretär Angel Gurría in Berlin vorgestellt hat. Gurría sagte, die Polarisierung am Arbeitsmarkt sei in fast allen Industrieländern zu beobachten. In Deutschland gebe es diesen Trend auch, obgleich weniger stark ausgeprägt als anderswo. Diese Entwicklung führe zu vermehrter Kritik an der Globalisierung. Der Anteil der Jobs für Personen mit mittleren Fähigkeiten ist – gemessen an der Gesamtbeschäftigung – in den vergangenen zwei Jahrzehnten um zehn Prozentpunkte gesunken. Gleichzeitig stieg der Anteil von Arbeitsplätzen mit hoher und niedriger Qualifikation. Dies führt zu mehr Gutverdienern einerseits und Geringverdienern andererseits. Der OECD-Chef sagte, die Beschäftigten gerieten dadurch unter Druck.

Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft

Die OECD erklärt das Phänomen mit dem Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Die Forscher beobachten, dass Menschen, die früher gut bezahlte Jobs in der Industrie hatten, nach dem Abbau von Arbeitsplätzen nur eine schlechter bezahlte Beschäftigung im Dienstleistungsbereich fanden. Die Menschen in den Industrieländern machten sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz, ungleiche Einkommen und das Abrutschen der Mittelschicht. Grund für den strukturellen Wandel der Arbeitswelt sei auch, dass die Unternehmen weniger Beschäftigte mit mittlerer Qualifikation suchen, sondern eher Hochqualifizierte und Geringqualifizierte nachfragen. Dies spiegele sich in der Einkommensentwicklung wider. Nach der OECD-Analyse sind vom Rückgang der Jobs mit mittlerer Qualifikation besonders stark Österreich, die Schweiz, Spanien und Irland betroffen. In Deutschland ist der Trend schwächer. Das führt der OECD-Chef auf die große Bedeutung der kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland zurück. Positiv bewertet die OECD, dass die Arbeitslosigkeit in den Industrieländern auf den Stand vor der Finanzkrise 2008 gesunken ist.

Regierung setzt auf Weiterbildung

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) will auf das Auseinanderdriften mit einer verstärkten Aus- und Weiterbildung reagieren. Insgesamt sei der deutsche Arbeitsmarkt zwar in sehr guter Verfassung, sagte Nahles. Die Beschäftigung habe einen Rekordstand erreicht. Es sei in den vergangenen Jahren gelungen, mit der Einführung des Mindestlohns die prekäre Beschäftigung zurückzudrängen. Nahles schlug vor, ein persönliches Erwerbstätigenkonto einzuführen. Jeder Beschäftigte soll Anspruch auf ein Startguthaben von rund 20 000 Euro haben, das für Qualifikation, die Gründung eines Unternehmens oder die Ausübung eines Ehrenamts eingesetzt werden kann. Die Ministerin sprach sich auch dafür aus, die Bundesagentur für Arbeit zur zentralen Einrichtung für Weiterbildung auszubauen. Dafür wirbt die Ministerin schon seit zwei Jahren.

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