Besonders stark nehmen Fälle dieser Art zu, bei denen die Tatverdächtigen minderjährig sind und keine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. 2022 lag der Anstieg bei 52 Prozent, im ersten Halbjahr 2023 noch einmal bei 33 Prozent. Slowik sagt: „Diese Zahlen sind alarmierend.“ Doch das ist nur eine Facette einer komplexeren Misere.
Was ist Gewaltkriminalität?
Der Begriff umfasst Delikte, die mit gravierender Gewalt gegen Personen einhergehen. Sie werden in der Polizeilichen Kriminalstatistik gesondert ausgewiesen. Dazu zählen folgende Straftatbestände: Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen, Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, Raub, räuberische Erpressung, räuberischer Angriff auf Kraftfahrer, Körperverletzung mit Todesfolge, gefährliche und schwere Körperverletzung, erpresserischer Menschenraub, Geiselnahme und Angriff auf den Luft- und Seeverkehr. Auf diesen Katalog hatten sich Bund und Länder im Jahr 1983 verständigt.
Gewöhnliche Fälle von Körperverletzung werden also nicht zur Gewaltkriminalität gerechnet. Sie zählen zu den Roheitsdelikten, ebenso Straftaten wie Handtaschenraub, Hausfriedensbruch und Nötigung.
Herrscht immer mehr Gewalt?
Schon 2021 und 2022 hatte die Polizei eine Zunahme im Bereich der Gewaltkriminalität verzeichnet. Die Zahl der registrierten Fälle wuchs binnen Jahresfrist um 20 Prozent. Im vergangenen Jahr gab es bundesweit knapp 200 000 solcher Straftaten, im Schnitt 540 am Tag. Darunter waren 2236 Tötungsdelikte (5,9 Prozent mehr als im Vorjahr), 11 896 Vergewaltigungen und schwere sexuelle Übergriffe (plus 20 Prozent), 38 195 Raubdelikte (plus 26,8 Prozent) und 144 663 gefährliche Körperverletzungen (plus 18,2 Prozent). Die Aufklärungsquoten lagen zwischen 59,9 (Raub) und 91,2 Prozent (Mord).
Im laufenden Jahr hat die Gewaltkriminalität noch einmal rapide zugenommen. Aktuelle Zahlen nannte der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, unlängst: Insgesamt stieg die Masse an Gewaltdelikten um weitere 17 Prozent. Das sei „nicht mehr allein mit einem Nachholeffekt“ nach dem seuchenbedingten Rückgang der Kriminalität zu erklären, so Münch. Die Gewalt im öffentlichen Raum, auf Straßen, Plätzen sowie in Geschäften und Gaststätten stieg viermal so stark wie Gewalt im privaten Umfeld. Auch in politischen Auseinandersetzungen nimmt die Gewalt massiv zu. So stieg die Zahl der politisch motivierten Straftaten in den vergangenen fünf Jahren um 61 Prozent, die der Gewaltdelikte mit politischem Hintergrund um 20 Prozent, die Hasskriminalität um 42 Prozent und die Gewalt gegen Amts- und Mandatsträger – also vor allem gegen Bürgermeister, Kommunalpolitiker und Abgeordnete – gar um 232 Prozent.
Was wissen wir über die Täter?
Im vergangenen Jahr wurde im Zusammenhang mit Gewaltdelikten insgesamt gegen knapp 180 000 Personen ermittelt. Die Tatverdächtigen sind zu fast 85 Prozent männlich und zu fast einem Drittel unter 21 Jahre alt. In einem Interview mit dem Magazin „Spiegel“ verwies ein Kriminalbeamter von der Jugendschutzeinheit der Hamburger Polizei unlängst auf die „Verrohung“ unter Minderjährigen. Dabei spielten soziale Medien einen „Katalysator für Gewalt“. „Vernachlässigte Kinder haben ein Feuer im Bauch“, sagte der Polizist, „eine Wut, weil sie nicht gesehen werden.“
38,8 Prozent der Tatverdächtigen von 2022 im Bereich der Gewaltkriminalität hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit. Dieser Anteil ist seit einigen Jahren ziemlich konstant. Er liegt mehr als doppelt so hoch wie der Anteil nicht deutscher Personen an der Bevölkerung insgesamt – dieser lag Ende 2022 bei 14,6 Prozent. Im Bereich der Raubdelikte waren im vergangenen Jahr 43,7 Prozent der Tatverdächtigen Ausländer (2021: 40,4 Prozent), bei den Tötungsdelikten waren es 41,1 Prozent, bei sexuellen Gewalttaten 36,6 Prozent.
In der Polizeilichen Kriminalstatistik stieg die Zahl nicht deutscher Tatverdächtiger 2023 um 37 Prozent, die der deutschen Delinquenten um zwölf Prozent. Bei den Minderjährigen ist das Missverhältnis noch extremer: Da gab es 26 Prozent mehr deutsche Tatverdächtige im Zusammenhang mit Gewalttaten – aber 49 Prozent mehr Ausländer.
Diese Zahlen relativieren sich allerdings, wenn man die Zunahme der ausländischen Bevölkerung im gleichen Zeitraum berücksichtigt. Dennoch kommt BKA-Chef Holger Münch zu dem Schluss: „Die Fallzahlen für Gewaltkriminalität und die Anzahl nicht deutscher Tatverdächtiger korreliert besonders mit der Migrationsdynamik.“ Es gibt also einen engen Zusammenhang zwischen einer vermehrten Einwanderung und einer höheren Kriminalität von Migranten.