Skifahren im Tiefschnee abseits der präparierten Pisten – ist der Trendsport im Winter. Doch bei aller Faszination: Freeriden ist nur etwas für Könner auf dem Bretten. Wir sprachen mit der Vizeweltmeisterin Eva Walkner über Gefahren, Risiken und Sicherheit beim Freeriden.

Wochenend-Magazin: Markus Brauer (mb)

Salzburg - Wie gefährlich ist Freeriden? Das Fahren im unberührten Tiefschnee, abseits der präparierten Pisten und auf unbekannten Gelände weckt bei vielen Skisportlern die Abenteuerlust und den Entdeckergeist.

 

Die Österreicherin Eva Walkner gehört zur Weltspitze der Freerider-Szene. Wir sprachen mit der zweifachen Vizeweltmeisterin über die Gefahren und Risiken abseits der Skipiste sowie die Voraussetzungen, die man für sicheres Freeriden benötigt.

Frau Walkner, wie gefährlich ist Freeriden?

Wie in jedem Sport passieren auch beim Skifahren Unfälle. Wenn man sich auf der Piste an die Regeln hält, ist es sicher. Auf der Piste kann genauso wie beim Freeriden etwas schief gehen. Wenn man über das nötige Wissen verfügt, kann man Freeriden sehr sicher betreiben. Man kann nur immer an die Eigenverantwortung der Skifahrer appellieren.

Abseits der Piste ist man auf sich gestellt. Ist das nicht Grund genug, unpräpariertes Gelände generell zu meiden?

Wer sich abseits der präparierten Piste begibt, muss sich immer bewusst sein, das es ungesichertes Gelände ist. Da ist es egal, ob man nur 50 Meter abseits der Piste fährt. Auf jeden Fall muss man über das entsprechende Wissen verfügen. Man muss die Hänge und die Schneeverhältnisse richtig einschätzen und die richtige Sicherheitsausrüstung mit Lawinenverschütteten-Suchgerät, Sonde, Schaufel und Lawinen-Airbag bei sich tragen.

Sind Freerider gefährdeter als normale Pisten-Skifahrer?

Statistisch gesehen gibt es heute sogar weniger Lawinenunfälle wie vor 20 Jahren. Wenn man das mit der gestiegenen Zahl der Ski-Tourengeher und Freerider vergleicht, sind es prozentual viel weniger Vorfälle. Die Leute sind heute wesentlich bedachter und verantwortungsbewusster. Nur wird es immer diejenigen geben, die Situationen falsch einschätzen oder aber auch bereit sind mehr Risiko einzugehen.

Und was soll man dagegen machen? Gerade in Ausnahmewintern wie diesem?

Früher waren solche Winter wie in diesem Jahr völlig normal. Aber wir sind es nicht mehr gewohnt, solche Winter zu haben. Die ganze Situation wird etwas aufgebauscht. Da muss man den Ball wieder flachhalten. Es passiert ob der großen Schneemengen auch nicht mehr oder weniger wie in anderen Jahren. Ganz im Gegenteil, schneearme Winter sind zum Teil sogar gefährlicher. Es hängt immer von den Schneeverhältnissen und dem Aufbau der Schneedecke ab.

Was raten Sie Skifahrern, die sich überlegen es mit dem Freeriden zu probieren?

Wer Freeriden ausprobieren möchte, sollte zuerst einen Skiführer buchen und schauen, ob ihm das Freeriden überhaupt Spaß macht. Der Guide kennt gute Strecken und Hänge und kann auf das Ski-Level der Teilnehmer eingehen. Wer mehr machen möchte, sollte unbedingt einen Lawinenkurs bei den Alpenvereinen oder diversen anderen Anbietern machen und sich die Sicherheitsausrüstung zulegen.

Und die Ausrüstung genügt schon?

Es bringt natürlich nichts, wenn man in den nächsten Ski-Shop geht und sich die Ausrüstung kauft, aber noch nicht mal weiß, wie man damit richtig umgeht. Auch der richtige Umgang muss perfekt funktionieren.

Wie groß sollte eine Gruppe im freien Gelände sein?

Alleine Freeriden ist ein absolutes No-Go. Wir sind immer zu Dritt oder zu Viert. Das ist eine überschaubare Gruppe und macht am meisten Spaß. Zu groß sollte die Gruppe auch nicht sein. Dann muss man beim Abfahren zu lange warten.

Zur Person

Eva Walkner wurde 1979 in Kuchel bei Salzburg geboren.

Die Österreicherin ist Freeride-Sportlerin und ehemalige Skirennläuferin. 2015 und 2016 gewann sie die Freeride World Tour. 2012, 2017 und 2018 war sie Vizeweltmeisterin im Freeriden.

Nach dem ersten Rang in der WM-Rangliste in den Jahren 2015 und 2016 belegt sie derzeit Platz zwei.

Sie arbeitet als Journalistin und Filmemacherin und wohnt in Salzburg.