Trendsportart Disc-Golf in Herrenberg Großer Wurf fürs Golfen mit Frisbeescheibe

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Der US-Amerikaner Scott Downing sucht Mitstreiter für seinen Lieblingssport: Jeden Sonntag gibt er deshalb kostenlosen Unterricht im Disc-Golfen. Sein Ziel ist es, in Herrenberg einen Hindernisparcours für die Sportart anzulegen.

Beim Disc-Golf gibt es ein Ziel: Das Frisbee muss am Ende im Korb landen. Foto: Horst Rudel 4 Bilder
Beim Disc-Golf gibt es ein Ziel: Das Frisbee muss am Ende im Korb landen. Foto: Horst Rudel

Herrenberg - Kinder bleiben staunend stehen. Eine Frau mit Hund traut sich, zu fragen: „Was ist das denn für eine Sportart?“ Scott Downing pfeffert bunte Frisbees über die Herrenberger Zerweckwiese – aber mit einem Ziel. Die Scheibe muss am Ende in einer Art Korb landen. Der Bewegungsablauf für die Würfe ist genau koordiniert: Downing macht stets drei Schritte, eine Drehung und streckt den Arm dann zackig aus. Auf einer geraden Flugbahn saust das Frisbee durch die Luft. Seinen Landeplatz markiert Downing mit einer kleinen Plastikscheibe, um an der Stelle zum nächsten Wurf anzusetzen. Wie ein Golfer mit seinem Ball muss er mehrere Punkte erreichen, statt Löchern eben Körbe. Disc-Golf heiße seine Lieblingssportart, erklärt er der Dame mit dem Hund. Und dafür sucht Scott Downing nun Mitspieler.

„Es ist nicht schwer“, beteuert der US-Amerikaner. Als „Spaziergang in der Natur mit ein bisschen Werfen“, beschreibt er die Freizeitbeschäftigung, die in seinem Heimatland erfunden wurde. Den Verein für Leibesübungen (VfL) konnte Scott Downing vom Disc-Golf schon überzeugen: Sein Angebot ist in den Bereich Freizeitsport aufgenommen worden.

Jeden Sonntagnachmittag ist er bei schönem Wetter auf der Zwerweckwiese anzutreffen. Kistenweise bunte Scheiben schleppt er fürs Training an – und seinen zusammenklappbaren Korb. Aber eigentlich sei das Gelände viel zu klein, erklärt Scott Downing. Deshalb hat er ein weiteres Ziel: Einen richtigen Disc-Golf-Kurs möchte er am Schönbuchrand anlegen. Für diesen großen Wurf hat er schon eine spezielle Scheibe entworfen – mit einem Bild des Stiftskirchenturms und der Aufschrift „Herrenberg Disc Golf“.

Gleiche Regeln wie beim Golfen

„Es macht einfach Spaß“, sagt der Software-Ingenieur. Mit seinem Vater ging er als Zehnjähriger zum ersten Mal auf einen solchen Kurs, fünf Jahre später lernte er mit seinem Bruder und Freunden, ordentlich zu werfen. „Seither habe ich immer gespielt“, erzählt er. In den USA sei der nächste Parcours nie weit, sie bestehen aus neun bis 18 in der Landschaft verteilten Körben. Bei dem Spiel gelten die gleichen Regeln wie beim Golf. Sieger ist, wer mit den wenigsten Würfen ans Ziel kommt. Und wie beim Golf die verschiedenen Schläger gibt es beim Disc-Golf verschiedene Frisbees, die je nach Bedarf Reichweite, spezielle Flugbahnen oder Präzision bieten. Spannend werde es, wenn Hindernisse wie Bäume, Wasser oder Hügel überwunden werden müssen, erklärt Scott Downing.

Sein Hobby nahm er bei seinem Umzug nach Deutschland mit, seit 2014 lebt er mit seiner Frau Margarita in Herrenberg. Aber eine Spielgelegenheit findet sich bisher nur in Reutlingen beim Disc-Golf Club Achalm, der einen eigenen Kurs hat und vor zwei Jahren die Deutsche Meisterschaft ausrichtete. Etwa 90 solcher Hindernisparcours bestehen in Deutschland, der älteste befindet sich in München. Die in der Region Stuttgart stationierten US-Soldaten können natürlich Disc-Golf spielen, berichtet ihr Landsmann, aber eben hinter dem Kasernentor. Rund eine halbe Millionen Menschen würden die Sportart weltweit betreiben, schätzt Downing, seit Anfang des Jahrtausends werde sie auch in Deutschland immer populärer.

Soziale Sportart, die jeder ausüben kann

Scott Downing nimmt sogar an Wettbewerben teil, meist landet er im Mittelfeld. An einem guten Tag fliegt seine Frisbee bis zu 130 Meter weit. „Wenn man die Technik beherrscht, sieht man schnell Fortschritte“, sagt er. Mit einem Handtuch in der Hand erklärt er die Wurfbewegung: Der Stoff muss durch die Luft fetzen und darf nicht flattern. An Ausstattung ist nicht viel nötig, beschwichtigt er angesichts seiner Kisten voller Discs: Zwei Scheiben reichen aus, eine für weite und eine für kurze Strecken. Schön am Disc-Golf sei außerdem, dass fast jeder mitmachen könne, unabhängig vom Alter und von der Fitness. „Es ist eine sehr soziale Sportart“, wirbt Scott Downing, beim Spazieren und Werfen in der Natur bleibe auch Zeit für Gespräche.

Gelegenheit zum Spielen:

Training : Im April hat Scott Downing sein kostenloses Trainingsangebot in Herrnberg gestartet. Immer sonntags ist er von 14 Uhr an auf der Herrenberger Zerweckwiese zwischen Tennishalle und Schulzentrum Längenholz anzutreffen. Die Ausstattung fürs Spielen bringt er mit, dazu gehört sein transportabler Disc-Golfkurs. Gespielt wird alleine oder in Mannschaften. Mitmachen kann jeder, außer bequemer Sportkleidung braucht es keine Ausrüstung, teilt der VfL Herrenberg mit. Scott Downing bietet die kostenlosen Trainings über die Abteilung Freizeitsport des Vereins für Leibesübungen an. Unter facebook.com/discgolfherrenberg kann man sich informieren, an welchen Sonntagen auf der Zerweckwiese die Scheiben fliegen. Bei Regen und an Feiertagen fällt das Angebot aus.

Platzreife : Ihr Können ausprobieren können Disc-Golfer dann beim Discgolf Club Achalm in der Nähe von Reutlingen. Der Kurs ist 365 Tage im Jahr geöffnet und öffentlich. Für das Spielen wird kein Geld verlangt. Beim dortigen Wanderheim können laut der Internetseite des Vereins unter www.discgolfclub.de Scheiben ausgeliehen werden. Beim Deutschen Frisbeeverband sind sämtliche Hindernisparcours in Deutschland auf einer Karte zu finden. Auch die Termine für Turniere werden unter www.discgolf.de veröffentlicht. Nach Schätzungen des Verbandes gibt es deutschlandweit 1500 Spieler.