Triathletin aus Stuttgart Mit einem Buch zur Weltmeisterschaft

Triathletin Nathalie Scheible gelingt im ersten Anlauf in Zell am See die Qualifikation zur Ironman-70.3-Weltmeisterschaft. Foto: privat

Nathalie Scheible trainiert rund ein halbes Jahr auf eigene Faust und qualifiziert sich überraschend für den Ironman-70.3 in Marbella. Was die hauptberufliche Polizistin jetzt plant.

Sport: Marius Gschwendtner (mgs)

Lange musste Nathalie Scheible vom MTV Stuttgart warten, um nach der Siegerehrung endlich ihre Kreditkarte zücken zu dürfen. Stunden zuvor gelang der 25-Jährigen mit einer Zeit von 5:09:49 Stunden in Zell am See überraschend die Qualifikation zur Ironman-70.3-Weltmeisterschaft in Marbella in diesem Jahr. Die fälligen Startgebühren von 780 Euro musste sie Anfang September noch vor Ort in Österreich bezahlen. „Ich habe nicht gedacht, dass es klappt“, sagt Nathalie Scheible selbst, denn ihr Weg dorthin ist extrem ungewöhnlich.

 

Erst ein halbes Jahr vor ihrer WM-Qualifikation als Achte in der Altersklasse 20 bis 30 Jahre fing sie überhaupt mit Triathlon an. Zum Vergleich: Eine gleichaltrige Konkurrentin, die Scheible in Zell am See kennenlernte, betreibt seit fünf Jahren Triathlon und versucht seit zwei Jahren vergeblich, sich zu qualifizieren. Scheible gelang dies nach nur acht Monaten Training und ihrem erst zweiten Mitteldistanz-Wettbewerb überhaupt.

Neue Herausforderung nach dem Berlin-Marathon

„Ich bin Ende 2023 den Marathon in Berlin gelaufen und habe gedacht, das kann es noch nicht gewesen sein. Da geht noch mehr“, erzählt Scheible über ihren Einstieg in den Sport. Also suchte sich die hauptberufliche Polizistin eine neue Herausforderung und landete beim Triathlon. Die Grundlagen waren bei der aus Geislingen stammenden Sportlerin bereits vorhanden. Über zehn Jahre schwamm sie bei Wettkämpfen, lief dazu regelmäßig in ihrer Freizeit. Darüber hinaus trainierte sie noch in einem Fitnessstudio, bei dem sie nebenbei noch heute arbeitet. Nur das professionelle Radfahren war für Scheible Neuland.

Auf eigene Faust erstellte sich Scheible mithilfe des Buchs „Effizientes Triathlon-Training: Mit dem 80/20-Konzept zur Bestzeit“ von Matt Fitzgerald und David Warden, das sie im Internet bestellte, Anfang Januar einen Trainingsplan. Über Ebay kaufte sie sich dazu ein gebrauchtes Rennrad und startete von ihrem Wohnort Stuttgart-Mitte aus ihre Einheiten. Um besser trainieren zu können und genügend Regenerationszeit zu haben, ließ sie sich bei der Polizei vom Schichtdienst in den Tagesdienst im Büro versetzen. Manchmal fehle ihr die Streifenfahrten und die Arbeit direkt am Menschen, gibt die energiegeladene junge Frau zu.

Für ihren Sport ordnet sie aber aktuell alles unter. Sechsmal die Woche trainiert sie insgesamt 13 bis 16 Stunden. „Einmal in der Woche zwingt mich meine Trainerin, nichts zu machen“, sagt Scheible und lacht. Mit Alexandra Krenmayr hat Scheible erst seit wenigen Monaten einen Coach, zuvor machte sie alles alleine. Mittlerweile hat sie sich ein breite gefächertes Trainingsprogramm aufgebaut und ist Mitglied beim MTV Stuttgart. Mit deren Triathlonabteilung geht sie einmal die Woche schwimmen. Diesen Samstag fliegt sie mit einer Organisation ins Trainingslager nach Fuerteventura. Ihr Cheftrainer wird dort Kurzdistanz-Weltmeister Daniel Unger sein.

Ein Ziel für die Weltmeisterschaft über 1,8 km Schwimmen, 90 km Rad und 21,1 km Laufen – insgesamt 70, 3 Meilen – möchte sie sich erst nach ihrer erneuten Teilnahme in Zell am See Ende August setzen.

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