Triathletin Julia Gajer Eine Apothekerin mit großer Ausdauer

Von Florian von Stackelberg 

Julia Gajer aus Ditzingen ist seit 2011 ist sie als Triathlonprofi unterwegs. Sie ist die amtierende Deutsche Meisterin auf der Langdistanz und startet nun erstmals beim Ironman auf Hawaii.

Julia Gajer hat sowohl 2013 als auch 2014 bei der Challenge Roth den  deutschen Meistertitel auf der  Langdistanz gewonnen. Foto: dpa
Julia Gajer hat sowohl 2013 als auch 2014 bei der Challenge Roth den deutschen Meistertitel auf der Langdistanz gewonnen. Foto: dpa

Ditzingen - Julia Gajers Arbeitsweg ist genau 225 995 Meter lang. Er führt durchs Wasser, beinhaltet eine Fahrradstrecke und ein Stück zu Fuß. Die 32-Jährige ist Ironman-Profitriathletin, auf der Langstrecke mit 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einem Marathonlauf fühlt sie sich am wohlsten. Am Samstag tritt die Ditzingerin erstmals bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii an, beim härtesten Ironman-Rennen der Welt. „Ich bin in Topform. Ich denke, ich bin bereit für Hawaii“, sagt Julia Gajer lässig.

Als Erstklässlerin begann die 1,67 Meter große Modelathletin im Verein zu schwimmen, bis zum Abitur blieb das ihre Sportart. Durch einen studienbedingten Wohnortwechsel beendete sie ihr Engagement beim Schwimmen und hatte auch wegen ihres zeitintensiven Studiums der Pharmazie nichts mit Sport am Hut. „Erst als ich an der Universität eine Laufgruppe gefunden habe, mit der ich regelmäßig joggen gegangen bin, kam ich wieder zum Sport“, sagt Gajer.

Drei deutsche Meistertitel auf der Mittel- und Langdistanz

In der Laufgruppe befanden sich Triathleten, die sie motivierten, diesen Sport zu betreiben. „Schwimmen konnte ich schon, die Technik hatte ich ja von klein auf gelernt, und das Laufen hat mir unheimlich viel Spaß gemacht“, sagt Gajer. Ihre ersten Erfolge feierte sie deshalb beim Duathlon.

Einige Jahre und einen Doktortitel in Naturwissenschaft später ist Julia Gajer – seit 2011 – Triathlon-Vollprofi im Team Erdinger Alkoholfrei. Seitdem sammelte die Athletin 16 Podiumsplätze bei verschiedenen internationalen Triathlonveranstaltungen, darunter drei deutsche Meisterschaften auf der Mittel- und Langdistanz. Sowohl 2013 als auch 2014 sicherte sie sich als beste Deutsche bei der Challenge Roth die nationalen Ehren auf der Langdistanz.

Ein paar Stunden pro Woche arbeitet sie noch als Apothekerin, mehr lässt ihr Trainingspensum nicht zu. 30 Stunden pro Woche beträgt es vor Wettkämpfen, trainiert wird im heimischen Ditzingen. Vor allem auf dem Sattel, da sieht Gajer ihren größten Nachholbedarf: „Ich habe mir mit 24 Jahren mein erstes Triathlonrad gekauft, da liegt das Problem. Beim Radfahren brauchst du einen unglaublichen Trainingsumfang, um besser zu werden.“

Das Laufen ist ihre Paradedisziplin

Obwohl sie mit dem Schwimmen quasi aufwuchs, gilt heute das Laufen als ihre ­Paradedisziplin. „Hier bin ich eine der Schnellsten, auch in der Weltspitze“, sagt Gajer. Zu Fuß kann sie vieles wettmachen, was in den zwei Disziplinen davor schlecht lief. Das ist auch der Plan für ihre erste Teilnahme an der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii: „Ich möchte gut schwimmen, stabil Fahrrad fahren und sehr gut laufen.“

Zu Beginn dieses Rennens müssen die Athletinnen vor der Kailua-Kona-Insel 3,8 Kilometer durchs Meer schwimmen, bevor es 180,2 Kilometer an der Küste der Insel mit dem Fahrrad entlanggeht. Zu guter Letzt folgt die 42,195 Kilometer lange Laufstrecke am Honokohau-Hafen vorbei ins Ziel. Das entspricht 76 Bahnen schwimmen im 50-Meter-Becken, einer anschließenden Tour-de-France-Etappe und einem Marathon als krönenden Schluss.

Ein paar gute Jahre liegen noch vor ihr

Was geht einem während der gut neun Stunden, die die besten Frauen für die Strecke benötigen, durch den Kopf? „Das ist schwer zu beschreiben“, sagt Julia Gajer, „aber es ist nicht einfach, während der gesamten Strecke konzentriert und positiv zu bleiben.“ Die zermürbenden Wetterverhältnisse auf Hawaii kommen für die Athletinnen erschwerend hinzu. Eine positive Grundstimmung zu haben ist aber dringend nötig. „Die mentale Stärke entscheidet in der Weltspitze zwischen Sieg und Niederlage“, sagt Julia Gajer.

Und zur Weltspitze will sie gehören: „Wenn ich ein gutes Rennen abliefere, kann ich unter die Top Ten kommen. Das Podium ist noch nicht drin.“ Noch nicht – aber für die Zukunft erträumt sie sich das schon. „Es gab noch nie eine Deutsche, die dieses Rennen auf Hawaii gewonnen hat. Das wäre eine geniale Sache, wenn mir das irgendwann einmal gelingen würde.“

Sie ist jetzt 32, ein paar gute Jahre liegen noch vor ihr. „Vielleicht komme ich aber auch von der Insel zurück und sage: Nie wieder“, sagt Gajer lachend im Hinblick auf ihre Premiere auf Hawaii. Damit ist allerdings nicht unbedingt zu rechnen. Denn sie weiß genau, was sie erwartet. Im vergangenen Jahr trainierte die gebürtige Hannoveranerin bereits auf der 225 995 Meter langen Originalstrecke und machte sich auch ein Bild vom Rennen – als Zuschauerin.