Triathlon Arizona für das gute Gefühl

Von Nathalie Mainka 

Triathletin Julia Gajer hätte sich um diese Jahreszeit Zeit längst entspannt zurücklehnen und sich von den körperlichen Anstrengungen der vergangenen Monate erholen wollen. Doch die Profisportlerin aus Hirschlanden hat ihre Saison verlängert – nicht ganz freiwillig. Jetzt fliegt sie über den großen Teich und startet noch einmal beim Ironman in Arizona. Sie möchte vor allem sich selbst beweisen, dass sie in Top-Form ist. Das hatte die 33-Jährige ursprünglich beim Ironman auf Hawaii vor. Doch sie musste aussteigen.

Auf   den     180  Rad-Kilometern   von Hawaii     hatte       Julia Gajer      keinen     Blick     für      die Schönheiten          der   Natur übrig            –   vor allem,  weil   sie     von Krämpfen    in  den   Füßen geplagt   war. Foto: Frank Wechsel
Auf den 180 Rad-Kilometern von Hawaii hatte Julia Gajer keinen Blick für die Schönheiten der Natur übrig – vor allem, weil sie von Krämpfen in den Füßen geplagt war. Foto: Frank Wechsel

Hirschlanden - Triathletin Julia Gajer hätte sich um diese Jahreszeit Zeit längst entspannt zurücklehnen und sich von den körperlichen Anstrengungen der vergangenen Monate erholen wollen. Doch die Profisportlerin aus Hirschlanden hat ihre Saison verlängert – nicht ganz freiwillig. Mitte November fliegt sie über den großen Teich und startet noch einmal beim Ironman in Arizona. Sie möchte vor allem sich selbst beweisen, dass sie in Top-Form ist. Das hatte die 33-Jährige ursprünglich beim Ironman auf Hawaii, ihrem eigentlichen Saisonhöhepunkt im Oktober, vor. Doch beim Rennen machten ihr Krämpfe in den Füßen gewaltig einen Strich durch die Rechnung. Die 3,8 Kilometer im Wasser seien noch ganz ordentlich gewesen, erzählt sie später. Doch bereits nach 60 Kilometern auf dem Rad konnte Julia Gajer keinen Druck mehr auf die Pedale ausüben, „Die Radschuhe waren viel zu eng und haben die Füße eingeengt, ich hatte an den Außenseiten der Füße heftige Schmerzen, das ist mir im Training nie passiert.“ Die 180 Kilometer fuhr sie dennoch zu Ende. Allerdings nicht mehr mit voller Kraft. Sie ließ es nur noch rollen. „Wenn man in der Wüste draußen ist, muss man ja irgendwie zurückkommen.“

Zurück in Kailua-Kona zog sie sich erst einmal in ihr Apartemente zurück, verfolgte aber trotz der großen Enttäuschung das Rennen. Zumal ihr Teamkollege Andreas Raelert gleich nach dem Sieger Jan Frodeno ins Ziel kam und Vize-Weltmeister wurde. „Das hat mich richtig für ihn gefreut und mich selbst auch wieder aufgebaut“, sagt Julia Gajer. Denn auch bei Raelert, der wie die Hirschlandenerin bei Wolfgang Bott trainiert, ging es in den vergangenen Jahren nicht immer bergauf. „Er hatte zwei beschissene Jahre und hat sich wieder zurück gekämpft.“ Den Kopf in den Sand stecken, dass will auch Julia Gajer nicht. „Wir wissen ja, Niederlagen gehören zum Sport dazu.“ Keiner will sie erleben, aber sie kommen immer wieder. Auf Hawaii war die promovierte Apothekerin nicht alleine. Die Aussteigerquote bei den Profis lag in diesem Jahr bei 32 Prozent. „Das zeigt, was alles passieren kann, selbst wenn man fit ist.“ Und fit fühlte sich die Profi-Athletin, die im vergangenen Jahr als beste deutsche Frau im Gesamtfeld der Konkurrentinnen auf dem sechsten Platz „gefinisht“ hatte. Jetzt wollte sie noch eins draufsetzen. „Meine Ausgangsposition war wesentliche besser als letzes Jahr.“ Dass sie der späteren Siegerin Daniela Ryf, die sich in einer anderen Liga bewegt, nichts entgegenzusetzen gehabt hätte, das sei ihr von vornherein klar gewesen. „Sie hat in diesem Jahr alles gewonnen, ist sehr ausgeglichen und fährt überragend Rad.“ Doch selbst die hoch gehandelte Titelverteidigerin Mirinda Carfae musste auf der Radstrecke mit Rückenproblemen aufgeben. Ein kleiner Trost für Gajer ist die Tatsache, dass sie auf Grund eines „externen Problems“ aussteigen musste. „Ich war nicht krank und weiß ja, dass Materialprobleme beim Radfahren nicht auszuschließen sind.“

Es sollte ihr bestes Saisonrennen werden, endete aber „in dem bisher bittersten Tag meiner Triathlonkarriere.“ Doch mit diesem Gefühl wollte sie einfach nicht die Saison beenden. In Rücksprache mit ihrem Trainer setzte sie also noch den Ironman im US-amerikanischen Tempe, Arizona, auf ihren Plan. Einige Tage nach ihrer Rückkehr von Hawaii stieg sie wieder ins Training ein. „Das ging ganz gut“, sagt Gajer. Nur ein Problem hat sie jetzt zu dieser Jahreszeit. Sie muss ihre lange Einheiten auf dem Rad – die gut und gerne vier Stunden dauern – gut planen. Denn es wird früh dunkel und kalt. Auch deshalb freut sie sich jetzt auf Arizona.




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