Triathlon Dienstreise führt diesmal nach Hawaii

Von Nathalie Mainka 

Julia Gajer aus Hirschlanden hat sich nach einem harten Vorbereitungsjahr für den legendären Ironman auf der Pazifik-Insel qualifiziert. Am 11. Oktober fällt der Startschuss, die 32-Jährige reist zwei Wochen vorher an.

Julia Gajer      bestreitet   am          24. August noch einen    letzten  Test vor Hawaii,           sie  startet beim      Allgäuer Triathlon. Foto: Erdinger
Julia Gajer bestreitet am 24. August noch einen letzten Test vor Hawaii, sie startet beim Allgäuer Triathlon. Foto: Erdinger

Leonberg - Die Reise ist gebucht. Am 27. September fliegt Julia Gajer nach Hawaii. Aloha auf der Trauminsel im Pazifik. Strand, Palmen, Meeresrauschen. Für diese Schönheiten der Natur wird die 32-Jährige aus Hirschlanden allerdings kaum einen Blick übrig haben. Zumindest nicht in den ersten beiden Wochen ihres Trips. Denn die Profi-Triathletin ist beruflich unterwegs. Am 11. Oktober nimmt sie beim ältesten und spektakulärsten Ausdauerwettkampf teil, beim Ironman, den inoffiziellen Weltmeisterschaften der Langdistanz-Triathleten.

Morgens gegen sieben starten die Athleten in Kailua-Kona auf Big Island aufs offene Meer. 3,86 Kilometer legen sie zurück, danach folgen 180 Radkilometer durch die Lavafelder Richtung Norden auf dem Queen Kaahumanu Highway. In Hawi ist die Hälfte geschafft, dann geht’s wieder zurück nach Kailua Kona. Dort tauschen die Extremsportler Rad- gegen Laufschuhe. Die abschließende Disziplin ist ein Marathon bis zum so genannten Natural Energy Lap, einer Forschungsstation, und wieder zurück. Nach 42 Kilometern ist die Tortur vorbei. Im Zieleinlauf auf dem Ali’i Drive in Kona werden sie von den jubelnden Zuschauern in Empfang genommen.

Julia Gajer, die seit 2008 Triathlon betreibt, hat das gesamte vergangene Jahr auf dieses Ziel ausgerichtet. Der Lohn der Arbeit flatterte kürzlich mit der offiziellen Einladung zum Ironman ins Haus. „Ich freue mich riesig, dass ich es geschafft habe“, sagt Gajer. „Die Pflicht habe ich erfüllt, jetzt kommt die Kür und ich kann ohne Druck an den Start gehen, wenn ich gut durchkomme, können die Top-Ten ein Ziel sein.“ Die vergangenen Monate hat sie zielstrebig auf die Qualifikation hin gearbeitet. „Allerdings habe ich nur das gemacht, was ich machen musste, um die erforderliche Punktzahl zu bekommen“, sagt die gebürtige Hannoveranerin. Da war beispielsweise ihr erster Ironman-Sieg im Dezember in Arizona. Und zuletzt startete sie im fränkischen Roth, wurde Fünfte im Gesamtfeld der Frauen und verteidigte ihren Titel der Deutschen Meisterin.

Obwohl sie vorne dabei war, sah sie nach dem Rennen noch deutliches Entwicklungspotenzial. „Ich kam mit einer super Schwimmzeit aus dem Wasser, stieg als Dritte aufs Rad und dachte, dass es so weiter gehen wird.“ Das Gegenteil war der Fall. Von Beginn an fand Juli Gajer keinen Rhythmus, jede Pedalumdrehung fiel ihr schwer. Auch vom Kopf war es für sie sehr schwer, sich zu motivieren. Fast gab sie auf, machte einen fünfminütigen Stopp bei ihren Eltern, die das Rennen vor Ort mitverfolgten, und setzte sich dann wieder aufs Rad. „Es gibt Tage, da geht’s nicht so gut, und die Kunst ist es, sich da wieder raus zu winden. Das war eine reine mentale Geschichte“, sagt sie jetzt mit einer gewisser Distanz. Versöhnlich war für sie in Roth der Marathon, den sie in 3:02 Stunden mit der zweitbesten Zeit absolvierte und sich damit vom neunten auf den fünften Platz vorarbeiten konnte.

Letzter Test vor Hawaii ist am 24. August der Allgäuer Kult-Triathlon. Das besonderen an diesem Wettkampf: Es gibt keine getrennte Wertung. Die Frauen bekommen einen Vorsprung von 37 Minuten vor den Männern. Wer zuerst ins Ziel kommt, bekommt die Siegprämie. Mit dabei sind unter anderen die drei deutschen Hawaii-Sieger Faris Al-Sultan, Norman Stadler und Thomas Hellriegel.

Bis Hawaii bereitet sich Julia Gajer zu Hause auf den großen Tag vor. „Im eigenen Bett schläft man eben doch am besten“, sagt die Vielreisende. Und auch in der Heimat könne sie sich optimal aufs Training konzentrieren. Der Tag der Profisportlerin beginnt morgens viertel vor sechs: Frühstück mit ihrem Mann, der dann zur Arbeit geht. Erste Schwimmeinheit vor sieben Uhr. Zweites Frühstück, bevor sie entweder läuft oder Rad fährt. Am Nachmittag absolviert sie die dritte Einheit. Auch regelmäßiges Krafttraining gehört dazu. Bis zu sechs Stunden am Tag investiert sie in den Sport. Meist allein, deshalb freut sie sich auf die Wochenenden, wo sie entweder mit ihrem Mann oder mit Freunden Rad fährt. „Beim Laufen ist er zu langsam“, sagt Gajer und lacht. Jetzt fiebert die Hirschlandenerin ihrem großen Ziel entgegen. Mit ihr gehen zwei weitere deutsche Profi-Triathletinnen an den Start: Katja Konschak aus Thüringen und Kristin Möller aus Erlangen.

Urlaubsgefühle werden sich bei Julia Gajer trotz der Strände, der Palmen und des Meeresrauschens vor dem Ironman nicht einstellen. Danach wird sie aber mit Sicherheit noch die traumhafte Insel im Pazifik genießen können. Zumal auch ihr Ehemann dabei sein wird.

Geschichtliches

Geburtsstunde
1978 wurde der erste Ironman auf Hawaii ausgetragen. Damals legte man drei Wettbewerbe zusammen, um zu sehen, aus welcher Disziplin die fittesten Sportler kommen: den Waikiki Roughwater Swim (3,86 km), das Around-Oahu Bike Race (185 km) und den Honolulu-Marathon (42,195 km). Das Motto lautete: Wer zuerst ins Ziel kommt, der wird auf den Namen Iron Man getauft.

Rekord 1992 unterbot Paula Newby-Fraser als erste Frau mit 8:55:28 die Neun-Stunden-Grenze beim Ironman Hawaii.




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