Trickdiebe in Stuttgart Falsche Handwerker schlagen wieder zu

Von Wolf-Dieter Obst 

Wenn die Täter an der Haustür klingeln, haben die älteren Opfer meistens keine Chance. Trickdiebe geben sich als Handwerker aus, die einen angeblichen Wasserrohrbruch reparieren müssen. In der Wohnung lassen sie dann Wertsachen mitgehen. Jetzt gibt es zwei neue Opfer.

Die Polizei muss sich in Stuttgart mal wieder mit Betrügern auseinandersetzen. (Symbolbild) Foto: dpa
Die Polizei muss sich in Stuttgart mal wieder mit Betrügern auseinandersetzen. (Symbolbild) Foto: dpa

Stuttgart - Einen 89-Jährigen trifft es völlig unvorbereitet auf dem Heimweg: Als er seine Haustür im Stuttgarter Süden aufschließen will, wird er von einem Mann angesprochen, der sich als Handwerker vorstellt. Im Nachbarhaus habe es einen Wasserrohrbruch gegeben, behauptet er. Nun müsse er in der Wohnung des 89-Jährigen die Leitungen überprüfen. Am Ende hat die Polizei einen weiteren Betrugsfall. Die Serie mit den falschen Handwerkern ist offenbar nicht zu stoppen. Der jüngste Fall spielte sich am Mittwoch gegen 15.40 Uhr in der Cottastraße ab.

Wie lange der Senior von dem unbekannten Trickdieb ausbaldowert worden war, ist unklar. Der Täter ging jedenfalls nach einem Schema vor, das schon seit Wochen in Stuttgart und in der Region arglose Opfer findet. Mit der Schocknachricht eines Wasserrohrbruchs verschaffte er sich Zugang zur Wohnung, dort lenkte er den Bewohner mit Aufgaben ab, um sich in aller Ruhe nach Wertsachen im Haus umzusehen. Am Ende fehlten mehrere Tausend Euro. „Von dem Täter gibt es nur eine vage Beschreibung“, sagt Polizeisprecher Stephan Widmann. Der Mann soll 25 bis 30 Jahre alt sein, 1,70 Meter groß, dunkelhaarig und dunkel bekleidet. Er soll deutsch ohne Akzent gesprochen haben.

Handelte es sich um denselben Täter, der bereits am 4. Januar im Stuttgarter Süden aufgetaucht war und eine 54-Jährige zu bestehlen versucht hatte? Die Frau bemerkte noch rechtzeitig, wie der Unbekannte ihren Schmuck in Küchenpapier einwickeln wollte. Sie schlug den vermeintlichen Handwerker in die Flucht.

Die Tatorte liegen zwei Kilometer entfernt

Am Mittwoch gab es noch einen zweiten Fall eines falschen Wasserwerkers, etwa zwei Kilometer entfernt, in der Röckenwiesenstraße im Stuttgarter Westen. Dort klingelte ein Unbekannter gegen 12.45 Uhr an der Tür einer 84-jährigen Bewohnerin – und erzählte auch ihr die Geschichte vom Wasserrohrbruch. Die Frau musste sämtliche Wasserhähne öffnen und im Bad eine Handbrause halten. Derweil suchte der Täter nach Wertsachen – und erbeutete Schmuck und Geld. „Die Täterbeschreibung ist ähnlich“, sagt Polizeisprecher Widmann. Die Betroffene schätzt den Täter auf 30 bis 35 Jahre, 1,75 Meter groß, mit dunklem Haar und dunkler Bekleidung.

Viele ungeklärte Fälle in Stuttgart und der Region

Für die Polizei ist klar, dass es sich um reisende Täter handeln muss. Allein in den ersten Tagen dieses Jahres hat es außer in Stuttgart noch weitere ähnliche Fälle in Ostfildern-Ruit (Kreis Esslingen), Sindelfingen (Kreis Böblingen) und Benningen (Kreis Ludwigsburg) gegeben.

Die Stuttgarter Polizei hat noch aus dem vergangenen Jahr eine Reihe ungeklärter Fälle mit falschen Handwerkern, die mehrere Tausend Euro erbeuteten. Die Tatorte reichen von Botnang bis nach Zuffenhausen. Ein Brennpunkt ist offenbar Bad Cannstatt: Allein dort bekamen 2016 sechs Personen solch einen ungebetenen Besuch. http://www.stuttgarter-nachrichten.de/polizei

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