Trickfilmpionier Douglas Trumbull Leinwandillusionen zum Staunen

Douglas Trumball Foto: A.M.P.A.S.
Douglas Trumball Foto: A.M.P.A.S.

Bei der Stuttgarter Fachmesse fmx lief er unbemerkt durch die Stadt. Doch seine Bilder kennt jeder Filmliebhaber.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Schauen Sie mal, da läuft eine der größten Hollywood-Legenden!“ In den vergangenen Tagen hätte man diesen Satz immer wieder zu Passanten in der Stuttgarter Innenstadt sagen können, und die hätten sich nach dem Umgucken nur veräppelt gefühlt. Harrison Ford war nirgends in Sicht, nur ein freundlicher Herr von siebzig Jahren, der bei der fmx im Haus der Wirtschaft aus- und einging.

Selbst sein Namensschildchen, das ihn als Teilnehmer des wichtigsten europäischen Fachtreffens für Bildtrickser aus Film und angrenzenden Gewerben auswies, hätte kaum jemandem etwas gesagt: Douglas Trumbull. Dabei würden alle staunen über die Löcher in der Filmgeschichte, würde man die Beiträge dieses Mannes probehalber herausziehen.

Der 1942 in Los Angeles Geborene hat auch als Regisseur und Drehbuchautor gearbeitet, aber seine größte Leistung liegt auf dem Gebiet der Spezialeffekte, der Trickfotografie, der Darstellung des eigentlich noch nicht Darstellbaren. Trumbull hat unter anderem mit Stanley Kubrick an „2001 – Odyssee im Weltraum“ (1968), mit Steven Spielberg an „Unheimliche Begegnungen der Dritten Art“ (1977) und mit Ridley Scott an „Blade Runner“ (1982) gearbeitet. Trumbull hat aber nicht einfach spektakuläre Bilder durch cleveren Einsatz vorhandener Techniken geschaffen. Trumbull hat immer wieder Geräte und Techniken erfunden, die bis dahin für unmöglich gehaltene Bilder möglich machten.

Nicht alles aus Hollywood heute gefällt ihm

Dieser Mann, könnte man nun leicht denken, betrachte das Hollywood von heute als seine Kreation, sei selig mit dem, was an Popcorn-Spektakeln in dichter Folge auf die Leinwand kommt. Aber Douglas Trumbull ist alles andere als zufrieden und erfinderstolz. „Das ist ziemlicher Irrsinn, was da passiert“, sagt er. „Nehmen sie nur die Technik des Motion Capturing, bei der echte Schauspieler erst alles vor der Kamera aufführen, und dann wird das Ergebnis in die Bewegung von computeranimierten Figuren umgewandelt. Die drehen denselben Film zweimal und wundern sich dann über die explodierenden Kosten.“

Nein, Trumbull ist nicht unbedingt ein Freund der virtuellen Spektakel. „Die Filmindustrie hat ein riesiges Problem vor sich, sie hat alle populären Geschichten schon oft erzählt. Und jeder hat schon ganz viele Varianten dieser Geschichten gesehen und kommt ganz leicht an alle Filme heran, die ihn interessieren. Das erschreckt Hollywood, und darum flüchtet es in mehr Aufwand.“

Aber garantiert dieser enorme Aufwand nicht eine überwältigende Opulenz der Bilder, die Chance, über Ungeheuerliches zu staunen? Trumbull ist sich da nicht so sicher. „Es wird oft schwerfällig, schlampig und ineffizient geplant. Da ist dann sehr viel mehr Ego konkurrierender Apparatschiks als Sachverstand im Spiel. So sitzt man dann schließlich mit einem angeblich fertigen Film da, der 200 Millionen Dollar verschlungen hat, und stellt fest, dass dieser Schlamassel jetzt für noch einmal 70 Millionen notdürftig kinotauglich gemacht werden muss.“

Zu viele miese Drehbücher

Im Gespräch mit Douglas Trumbull merkt man schnell, dass dieser Spezial­effektmeister in zweiter Generation – auch sein Vater hat für Hollywood gearbeitet – ein komplexer Charakter ist, einer, in dessen Brust stets zwei Herzen im Gegentakt schlagen. Trumbull beklagt die Dürftigkeit vieler Drehbücher, die Feigheit beim Wiederkäuen alter Ideen, die Fadheit der Charaktere. Er verweist auf die klassische Science-Fiction-Literatur, die soviel originellere Ideen habe als die übliche SF aus Hollywood. „Aber keiner traut sich heran, gerade weil es originell ist.“

Zugleich sagt der Mann, der über miese Drehbücher klagt, von sich: „Ich bin kein Typ, der einer Geschichte wegen ins Kino geht, der über etwas nachdenken will. Ich suche ein fast schon körperliches Erlebnis. Ich will mitgerissen werden, eintauchen können in eine andere Welt. Ich will das Gefühl haben, ich sitze mitten drin in den Bildern, statt nur von außen draufzuschauen.“

Dieser andere Douglas Trumbull ist zur fmx gekommen, um sein Projekt „Hypercinema“ vorzustellen. Trumbull möchte Filme mit 120 Bildern pro Sekunde statt mit den üblichen 24 aufnehmen und projizieren. Er will größere, stark gebogene Leinwände, die ein ganz neues Versenkungserlebnis ermöglichen. Dabei kennt er die Widerstände in der Branche gegen radikale Techniksprünge aus vielen Kämpfen. Diesmal aber ist er zuversichtlich. Denn zumindest die Anschaffung teurer Kinomaschinen entfiele. Digitalprojektoren, die für 3-D-Filme gekauft wurden, besitzen bereits die Kapazität für 120 Bilder pro Sekunde.




Unsere Empfehlung für Sie