Wolfgang Grupp in Stuttgart Trigema-Chef: Wer selbst haftet, ist gewissenhaft

Prominenter Gastredner: Trigema-Chef Wolfgang Grupp bekommt ein Geschenk vom Haus & Grund-Vorsitzenden Joachim Rudolf (rechts). Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Vor gut 1000 Besuchern hat der Trigema-Chef Wolfgang Grupp beim Tag des Eigentums von Haus & Grund in Stuttgart über Tugenden und Werte gesprochen. Der Eigentümerverein konstatiert unterdessen vielfache „Angriffe auf das Eigentum“.

„Mei’ Großvat’r hat g’seit: Zu dritt schaffa, zu zweit schlafa, alloi erba!“ So lautete eine der vielen Weisheiten von Wulf Wager. Der Mundartautor und Kommunikationsexperte sprach beim Tag des Eigentums, zu dem der Eigentümerverein Haus & Grund Stuttgart in der Liederhalle lud, über den „Schwäbischen Häuslesbauer – „eine besondere Spezies“; Seitenhiebe auf Politik, Bürokratie, Beamtentum und Faxgeräten inklusive. Der Schwabe gebe weder Geld aus, das er nicht habe, käme mit Bausparverträgen auf die Welt und erbe seinen Wohlstand.

 

Die Lacher waren ihm gewiss im voll besetzten Hegelsaal. Die 18. Auflage der Veranstaltung konnte mit gut 1000 Besuchern wieder an Zeiten vor der Corona-Pandemie anknüpfen. „Das wiegt umso mehr in diesen Zeiten, in denen das Grundeigentum wachsenden Anfeindungen ausgesetzt ist“, sagte der Vereinsvorsitzende Joachim Rudolf. So sei etwa das Heizungsgesetz in seiner ursprünglichen Form nichts Geringeres gewesen als „ein ideologischer Frontalangriff auf das private Eigentum“. Deutlich auch die Kritik an der Bau- und Wohnungspolitik des Landes, nicht zuletzt an der fortdauernden Weigerung des grünen Finanzministers, die Grunderwerbsteuer beim erstmaligen Kauf einer selbst genutzten Immobilie zu streichen und so die hohen Erwerbsnebenkosten zu senken. Unter anderem mit der Folge, dass im Vorjahr nicht nur 27 Prozent weniger Wohnungen gebaut wurden, „sondern im Stammland der Häusle-Bauer die Zahl neu gebauter Einfamilienhäuser sogar um 40 Prozent zurückging“, so Rudolf.

Ein „Schaffer“, der Klartext spricht

Wolfgang Grupp, den Inhaber von Deutschlands größtem Sport- und Freizeitbekleidungshersteller Trigema kündigte der Haus & Grund- Vorsitzende Joachim Rudolf als „Schaffer“ an mit „Ecken und Kanten, der Klartext spricht“. Grupp wiederum betonte, dass er als Schwabe nur Geld für Sinnvolles ausgebe. „Wenn ich frage, warum jemand eine Sache auf dem Schreibtisch hat, der dann aber nur herum stottert, dann kommt sie weg.“ Bei Notwendigem könne man sofort erklären, wofür es gut sei.

Neben Familie und Gemeinsamkeit als hohe Werte, schwärmte er leidenschaftlich von den guten alten Kaufmannstugenden, von Ehrlichkeit und Vertrauen und monierte das Gebaren der Banken. Nachdem er die Millionenschulden seines Vaters abbezahlt hatte, den er 1969 als Geschäftsführer von Trigema ablöste, habe er nie wieder einen Kredit aufgenommen. „Seit 1972!“ Kämpferisch ist die Haltung des 81-Jährigen, der zum Jahresende die Firma an Frau, Tochter und Sohn übergibt, angesichts der Unternehmerklagen zum Standort Deutschland. Grupp dazu: „Verantwortung und Leistung machen uns aus, jeder Standort ist nur so gut wie seine Unternehmer.“ Entscheidungsträger müssten persönlich haften, wie er das mit seinem gesamten Vermögen tue. Dafür sollte der Staat im Gegenzug einen Steuerrabatt von bis zu 50 Prozent gewähren. Grupp leitet sein Unternehmen, das zuletzt 127 Millionen Euro Umsatz machte, als „eingetragener Kaufmann“ (e.K.).

Es brauche den Mut, Fehlentscheidungen zu korrigieren

Wer selbst hafte statt sich hinter einer GmbH zu verstecken, gehe verantwortungsvoller und gewissenhafter ans Werk, verursache weniger gesamtwirtschaftliche Schäden und Insolvenzen, die dann die Allgemeinheit zahle. Das, was ein einstiger Arbeitgeberpräsident gemacht habe, die Firma an die Chinesen verkaufen und diesen die Insolvenz überlassen, sei kein Vorbild. Fehlentscheidungen gebe es nur, wenn man nicht den Mut habe, sie zu korrigieren. Es gelte, Schwierigkeiten schnell anzugehen. „Hätte der Unternehmer das Problem gelöst, als es klein war, wäre kein großes daraus entstanden.“ Und das Credo Wachstum, Wachstum, Wachstum? Das könne doch nicht quantitativ sein. „Ich kann im Hochlohnland Deutschland keine Billigware produzieren. Ich muss innovative und qualitativ hochwertige Produkte anbieten.“ Mindestlohndiskussionen? „Überflüssig. Jeder Trigema-Mitarbeiter, der voll arbeitet, muss auch davon leben können.“ Dank Globalisierung könne er überall hin verkaufen, was er in Deutschland produziert, in Burladingen auf der Alb.

Dort garantiert er dem Nachwuchs seiner 1200 Mitarbeitenden Arbeitsplätze. Dass er auch den Vertrieb – neben Stoffherstellung, -ausrüstung, -veredlung sowie Konfektion – in die Hand nahm, sei den schlecht wirtschaftenden, vielfach nun insolventen Kunden geschuldet: Kauf- und Versandhäuser. „Wenn dann Outsourcing oder Diversifizierung schief gehen, heißt es zurück zur Kernkompetenz! Das ist wie Fremdgehen, um dann wieder zur alten Frau zurückzugehen.“

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