Trigema-Chef zum digitalen Wandel Warum Wolfgang Grupp sein Handy oft im Schrank lässt

Von Uwe Bogen 

Dem digitalen Wettlauf will sich Wolfgang Grupp zuweilen verweigern. „Die Welt wird immer verrückter“, sagt der Trigema-Chef, „wir müssen nicht alle Verrücktheiten mitmachen.“ Mit uns sprach er auch über Helene Fischer.

Trigema-Chef  Wolfgang Grupp (links) mit dem  Moderator Lukas-Pierre  Bessis im Jazzclub Bix. Foto: Engelhard 7 Bilder
Trigema-Chef Wolfgang Grupp (links) mit dem Moderator Lukas-Pierre Bessis im Jazzclub Bix. Foto: Engelhard

Stuttgart - Rote Krawatte, ein rot gestreiftes Hemd mit weißem Kragen, das Einstecktuch nicht eingesteckt, sondern am Revers befestigt, weiße Hosen – Wolfgang Grupp ist bekannt dafür, modisch eigenwillig zu sein. Bei seinem Besuch in Stuttgart zeigte sich jetzt der agile 77-Jährige eitel wie immer. Und dennoch war der Trigema-Chef im Vergleich zu sonst ein wenig eingeschränkt. Zum Digital-Talk der Dekra kam er mit Krücken in den Stuttgarter Jazzclub Bix.

Auch wenn seine Achillessehne gerissen ist (nach einem Sturz im Jagdhaus), redet er so schnell, ungebremst und treffsicher, wie man’s kennt von ihm und wie es das Publikum liebt. Den stärksten Beifall des Abends und die meisten Lacher gingen auf Grupps Konto (unter den Gästen waren: Schwabenstar Dodokay, DJ-Legende Uwe Sontheimer, Wirt Yusuf Oksaz , Antiquitätenhändler Frank Zimmermann, Noch-Stadträtin Esther Fingerle).

Moderator Lukas-Piere Bessis hatte ihm einen Film vorgespielt, in dem es um Digital Transformation geht, darum also, was Firmen ändern müssen, um den Wandel nicht zu verschlafen. Zu den Ideen zählt, dass Bekleidungsshops auf Rädern zu den Kunden direkt vor die Haustür fahren. „Wir können doch nicht jedem hinterherfahren“, entgegnete Wolfgang Grupp und bekam starken Beifall für die Feststellung, dass er sich manchmal wundere, wenn über die Digitalisierung gesprochen werde. „Die Welt ist voller Verrücktheiten“, sagte er, „aber wir müssen nicht jede Verrücktheit mitmachen, sondern sollten nur das tun, was vernünftig ist.“ Er selbst lasse sein Handy oft daheim im Schrank. „Ich muss nicht alle zehn Minuten schauen, was Trumpp getwittert hat.“

15 Prozent des Umsatzes über Online-Verkauf

Zur Premiere der „Digital Tonight Show“, die via Youtube ins Netz gestellt wird und mit der die Dekra, die 1925 gegründete Prüfgesellschaft, junge Leute verstärkt ansprechen will, hat Bessis (neben Sascha Pallenberg, dem Digital-Experten von Daimler) einen 77-jährigen Unternehmer von der Schwäbischen Alb eingeladen. 15 Prozent des Umsatzes macht Grupp über den Online-Verkauf. Neuer Technik ist er aufgeschlossen, wie er betont, auch Kleidung mit Sensoren, doch Wachstum um jeden Preis will er nicht. „Wenn ich merke, dass in einem Bereich die Chinesen besser und billiger sind als wir, hören wir in diesem Bereich auf und wenden uns Neuem zu“, sagt er.

Werbung ist für den Trigema-Chef sehr wichtig. „Die Kleiderschränke der Menschen sind voll“, betont er nach der Show im Gespräch mit unserer Zeitung , „eigentlich braucht keiner was.“ Anreize müsse seine Firma deshalb schaffen, etwas Neues zu kaufen. Dafür sei Werbung sehr wichtig, etwa mit seinem Fernsehaffen.

Wie es zum Auftritt von Helene Fischer bei Trigema kommt

Werbung ist für ihn auch der Superstar, der zum 100. Geburtstag von Trigema im Oktober auf der Alb singt – es ist Helene Fischer. „Seit zwei Jahren sind wir dran, sie zu engagieren“, sagt Grupp. Was ihm der Auftritt kostet, verrät er nicht öffentlich. Branchenkenner glauben, dass es sich um eine sechsstellige Summe handelt. „Wir nehmen das Geld aus dem Werbeetat“, erklärt er. Dass der Unternehmer mit 77 Jahren noch immer so jung wirkt, habe einen Grund: „Ich war sehr lange Junggeselle und habe erst spät geheiratet.“

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