Trikotsponsor des VfB Stuttgart Wie der VfB um Mercedes kämpft

Noch ziert der gute Stern von Mercedes die Brust der VfB-Spieler (hier Borna Sosa). Und auch auf dem Ärmel des Trikots ist ein Logo des Autobauers zu sehen. Foto: Baumann

Der VfB muss weiter befürchten, dass sich sein größter Geldgeber zurückzieht. Doch der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle ringt darum, dass Mercedes sein Engagement verlängert – nur zu welchen Konditionen?

Sport: Carlos Ubina (cu)

Die Tür bei Mercedes steht noch offen. Nur einen Spalt breit, wie sie auf den Fluren des Autogiganten flüstern – aber immerhin. Diese Möglichkeit will der VfB Stuttgart nutzen und hindurchtreten, um weiter mit dem großen Nachbarn als Trikot- und Hauptsponsor planen zu können. Bekanntlich läuft der Vertrag mit dem Geldgeber nach der Saison aus, und der Fußball-Bundesligist muss davon ausgehen, dass die Mercedes-Benz Group künftig im Jahr nicht mehr so viel bezahlen wird wie bisher.

 

Es gibt sogar reichlich Anzeichen dafür, dass der gute Stern vom Trikot mit dem Brustring verschwindet. Weil die Gesamtstrategie von Mercedes mittlerweile eine andere ist als zu den Zeiten, als das Unternehmen beim VfB wichtigster Sponsor und Ankerinvestor wurde. Der Schriftzug der Mercedes-Benz-Bank prangt seit immerhin zehn Jahren auf der VfB-Brust – und nun?

Ola Källenius, der Chef der Mercedes-Benz Group AG, setzt voll auf das Luxussegment und den globalen Markt. Die Kicker in Weiß-Rot erfüllen dagegen die höchsten Ansprüche sportlich nicht, weshalb die Verbundenheit mit dem Club bislang als weicher Standortfaktor für den Weltkonzern galt – mehr aus lokalen Gründen und weniger vom Tabellenplatz abhängig.

Wie viel bezahlt Mercedes im Jahr?

Die Entwicklungen auf und außerhalb des Fußballrasens passen aus der neuen Mercedes-Perspektive nun offenbar nicht mehr zusammen. Doch Alexander Wehrle, der Vorstandsvorsitzende der VfB AG, lässt sich seine Zuversicht nicht nehmen, die Zusammenarbeit verlängern zu können. Nur: zu welchen Konditionen?

Das Gesamtvolumen an Sponsorengeldern von Mercedes soll sich auf jährlich 16 Millionen Euro belaufen. Allein zehn Millionen Euro davon sollen für das Trikotsponsoring fließen. Für das EQ-Logo der Elektroautosparte auf dem Ärmel gibt es weiteres Geld, für das Hauptsponsoring und die Jugendförderung ebenfalls. Auch für die Namensrechte des Stadions (20 Millionen Euro für 30 Jahre/seit 2008) hat Mercedes bezahlt. Das ergibt ein beachtliches Paket – und nun wird es womöglich komplett aufgeschnürt.

Seit Längerem laufen die Gespräche. Einen Durchbruch hat es aber noch nicht gegeben. Weder wurde dem VfB unmissverständlich mitgeteilt, dass das Engagement bald endet, noch hat sich Mercedes dazu geäußert, welche Position der Club künftig in der Finanzplanung einnimmt. Die endgültige Entscheidung steht demnach aus. Der Autohersteller verweist stoisch darauf, dass die Mercedes-Benz Bank und den VfB „eine langjährige und vertrauensvolle Partnerschaft“ verbindet. Spekulationen würde man grundsätzlich nicht kommentieren.

Der VfB wiederum glaubt an seine Sonderrolle im Hause gegenüber an der Mercedesstraße und vertraut darauf, dass es zu einer Einigung kommt. Zu diesem Zweck sollen die Gespräche voraussichtlich im nächsten Jahr auf anderer Ebene fortgesetzt werden. Vermutlich auf höchster Ebene, da es bisher vor allem um Marketing ging. Jetzt geht es für den Club ums große Ganze und rund um den VfB darf man sich die Frage stellen, ob Ola Källenius selbst oder sein Finanzchef Harald Wilhelm an den Tisch kommen, um mit Wehrle über die Gesamtausrichtung zu reden.

Welche Rolle spielt Präsident Claus Vogt?

Der VfB-Boss kämpft darum, den Stern zu behalten. Zum einen, weil er davon überzeugt ist, dass beide Seiten voneinander profitieren können. Zum anderen, weil die Zeit drängt und die Stuttgarter in der Kürze der Zeit kaum einen neuen Trikotsponsor finden können. Und wenn, würde voraussichtlich eine deutlich geringere Summe als bislang fließen. Mercedes jedenfalls will weniger Geld überweisen, wenn überhaupt noch. Weshalb auch darüber verhandelt werden soll, ob der VfB Rechte von Mercedes zurückerhält, um den Ausfall auf anderem Wege zu kompensieren. Zum Beispiel auf dem Trikotärmel. Zu den Gedankenspielen gehören aber wohl ebenso die Namensrechte der Mercedes-Benz-Arena.

Ein schwieriges Feld. Zumal das Verhältnis zwischen Teilen der Mercedes- und der VfB-Führung durchaus von atmosphärischen Störungen und inhaltlichen Kontroversen geprägt ist. Was mit dem früheren Daimler-Personalvorstand und VfB-Aufsichtsrat Wilfried Porth und dessen kritischer Haltung zu Präsident Claus Vogt seinen Anfang genommen hat, setzt sich so nach Porths Rückzug fort. Zuletzt soll es Unstimmigkeiten gegeben haben, als das Kontrollgremium neu besetzt wurde und der verdiente Aufsichtsrat Bertram Sugg gegen den Willen der Investoren Mercedes und Jako (Sportausrüster) aus dem Amt gedrängt wurde. Der Aufsichtsratschef Vogt soll dies per Mehrheitsbeschluss herbeigeführt haben.

Konkret dazu äußern will sich der Vereinspräsident nicht. „Grundsätzlich: interne Sitzungen des Aufsichtsrates sollten und müssen intern bleiben. Aber natürlich werden zu behandelnde Themen innerhalb des Gremiums diskutiert und besprochen“, teilte der Club auf Anfrage mit. Die Zusammenarbeit im Aufsichtsrat wird dabei weiter als „sehr gut“ bezeichnet. „Das belegt doch allein schon, dass Mercedes wieder die Position des stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden belegt und im dreiköpfigen Präsidialausschuss vertreten ist.“ Und „nein“, die Streitigkeiten wirken sich laut der VfB-Stellungnahme nicht auf die weiteren Gespräche mit Mercedes aus. Doch ob die Tür beim Nachbarn durch das Abstimmungsverhalten weiter aufgegangen ist, bleibt abzuwarten.

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