Trinkwasser Großerlach Warum eine Gemeinde aufs eigene Wasser setzt

Diese beiden Behälter sind das Herzstück der Trinkwasserversorgung in Großerlach. Foto: Gottfried Stoppel

Großerlach ist als einzige Kommune im Rems-Murr-Kreis nicht an die Fernwasserversorgung angeschlossen. Die Gemeinde setzt ganz bewusst auf die eigenen Quellen und Tiefbrunnen.

Es plätschert und gluckert. Das Wasser strömt aus dem Hahn in den steinernen Trog, ergießt sich über den Rand und findet seinen Weg in den kleinen Bach. Auch wenn das kleine Schild aus Haftungsgründen etwas anderes sagt, ist es astreines Trinkwasser, das hier in der Nähe der Schöntalquelle in den Brunnen fließt. Die Quelle in der Nähe von Großerlach-Grab ist so ergiebig, dass gar nicht alles Wasser von den Behältern und Leitungen aufgenommen werden kann – was da aus dem Brunnen kommt, ist quasi übrig.

 

Das sprudelnde Geschenk der Erde sorgt dafür, dass Großerlach ein ziemlicher Exot ist. Als einzige Gemeinde im Rems-Murr-Kreis ist sie nicht an die überregionale Fernwasserversorgung angeschlossen, sondern agiert komplett autark. Und zwar ganz bewusst. Fast 20 Jahre ist es her, dass die Gemeinde im Schwäbischen Wald sich mit einer neuen Trinkwasserkonzeption beschäftigt hat. In diesem Zug sei diskutiert worden, welche Richtung die Gemeinde einschlagen möchte – zumal zu diesem Zeitpunkt die großen Wasserversorger massiv auf die Gemeinden zugegangen seien.

Die Schüttung von Quellen und Tiefbrunnen ist zuverlässig

„Aber nach fünf Minuten Beratung war klar: Wir bleiben dezentral“, erzählt der Bürgermeister Christoph Jäger. Denn die Quellen und Tiefbrunnen der Gemeinde seien zuverlässige Wasserlieferanten. An der guten Schüttung hätten auch die trockenen und heißen Sommer nichts geändert. „Es war eher so, dass wir zum Beispiel unserem Nachbar Spiegelberg ausgeholfen haben.“

Für Christoph Jäger ist der eingeschlagene Weg seiner Gemeinde zudem eine Frage der Nachhaltigkeit: „Warum sollen wir Wasser quer durch das Land schicken, wenn wir hier damit gesegnet sind?“ Damit die Selbstversorgung in Zukunft beibehalten werden kann, hat die Gemeinde eine Trinkwasserkonzeption als roten Faden erarbeitet und einiges investiert. Quellen wurden saniert und neu eingefasst. Das Pumpwerk der Schöntalquellen wurde neu gebaut, mit einem größeren Zwischenbehälter und einer leistungsstärkeren Pumpe versehen. Quer durch den Wald wurden auf einer Länge von 2,5 Kilometern neue Leitungen zum Hochbehälter auf dem Hohe Brach gelegt.

Der Mineraliengehalt macht das Wasser hart

Dieser wurde vor fünf Jahren neu gebaut und ist das Herzstück der örtlichen Trinkwasserversorgung. „Davor hatten wir in Großerlach zwei voneinander getrennte Systeme“, erzählt Christoph Jäger. Der Bereich Großerlach wurde vor allem von den Tiefbrunnen Scheiterhau und Schelmenklinge versorgt, der Bereich Grab von den Quellen. Letztere seien doch etwas anfälliger für Schwankungen als die etwa 150 Meter tiefen Brunnen, die sich an Millionen Jahre altem Wasser bedienen würden.

Die neue Mischung hat auch eine Auswirkung auf den Härtegrad des Wassers: „Tiefbrunnenwasser ist durch die Mineralien etwas härter als Quellwasser“, erläutert Jäger. Das Wasser in Großerlach zählt mit einem Wert von etwa 18 als hart. „Das Image von hartem Wasser ist schlecht. Aber wir hatten noch nie ein Problem mit der Kaffeemaschine – und dafür ist der Mineraliengehalt höher“, sagt Jäger.

Das Rohwasser wird im Hochbehälter aufbereitet

Mittlerweile transportieren Verbindungsleitungen das Wasser aus den Quellen und Tiefbrunnen in den Hochbehälter Hohe Brach, von dort wird es wieder in der Gemeinde verteilt. Die zwei oberirdischen Edelstahlbehälter haben einen Durchmesser von fast zehn Metern. Der Vorteil ist, dass undichte Stellen sofort entdeckt werden können. Bevor das Rohwasser in diese Behälter gepumpt wird, durchläuft es eine Aufbereitung: UV-Filter töten Keime ab, kleinste Schwebeteilchen werden per Nanofiltration heraus gesiebt.

Insgesamt ist in den beiden Behältern Platz für 600 Kubikmeter Wasser. Die Gesamtmaßnahme hat mehr als zwei Millionen Euro gekostet, der Landeszuschuss betrug 1,6 Millionen Euro. „Sonst hätten wir uns das nicht leisten können“, sagt Christoph Jäger.

Rund 4000 Einwohner könnten mit Wasser versorgt werden

Die Eigenverantwortung hat ihren Preis – in Sachen Wasserpreis gehört Großerlach mit 2,74 Euro pro Kubikmeter zu den teuren Gemeinden im Kreis. Allerdings nicht zu den Spitzenreitern: In Spiegelberg werden 3,54 Euro fällig, in Plüderhausen müssen 3,42 Euro bezahlt werden. „Und wir brauchen gutes Personal. Zum Glück haben wir Wassermeister, die mit Herzblut dabei sind.“

Die 2005 beschlossene Trinkwasserkonzeption ist mittlerweile fast umgesetzt – bis auf die Erschließung des Tiefbrunnens Erlacher Bach. „Diesen benötigen wir bisher noch nicht“, berichtet Christoph Jäger. Sollte die Gemeinde weiter wachsen, stehe der Brunnen als Reserve bereit. „Ich denke, dass wir 4000 Einwohner problemlos versorgen könnten.“ Angedacht ist zudem eine Verbindungsleitung zur Nachbargemeinde Mainhardt, um sich zur Not aushelfen zu können.

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Noch sieht Christoph Jäger dafür aber keine Notwendigkeit. „Wir sind stolz auf unser Wasser“, sagt er. Dieser Meinung ist er nicht nur als Bürgermeister: „Ich trinke aus Überzeugung nur Leitungswasser.“ Zumal es richtig gut sei, wenig Nitrat enthalte. Und wer weiß, vielleicht könnte man auch andernorts irgendwann einmal in den Genuss von Großerlacher Wasser kommen. Ein Mineralwasserunternehmen aus der Nachbargemeinde habe schon Interesse angemeldet, sollte die Gemeinde irgendwann einmal ihre Tiefbrunnen nicht mehr benötigen.

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