Trinkwasser im Kreis Esslingen Warum unterscheiden sich die Preise fürs Wasser von Ort zu Ort?

Aus dem Wasserhahn kommt hierzulande in der Regel sauberes Trinkwasser – zu welchem Preis, ist von Kommune zu Kommune unterschiedlich. Foto: imago/stock&people

Von der Qualität her dürfte sich das Trinkwasser in den Kommunen im Kreis Esslingen kaum unterscheiden. Vom Preis her hingegen schon. Wie kommt es, dass Leitungswasser mancherorts fast doppelt so viel kostet wie anderswo?

Für die meisten Menschen im Kreis Esslingen dürfte es selbstverständlich sein, dass sauberes Trinkwasser aus der Leitung kommt, wenn sie den Wasserhahn öffnen. So selbstverständlich, dass viele vermutlich nicht einmal wissen, was der Wasserverbrauch eigentlich kostet. Das ist auch nicht überall gleich. Die Preise für Trinkwasser können von Kommune zu Kommune sehr unterschiedlich sein – aus ganz verschiedenen Gründen.

 

Durchschnittlich verbraucht eine vierköpfige Familie laut Umweltministerium Baden-Württemberg hierzulande rund 150 000 Liter Wasser im Jahr. Wie viel sie dafür zahlt, hängt vom örtlichen Wasserpreis sowie von der Grundgebühr für die Wasserversorgung in der jeweiligen Kommune ab. Aktuelle Daten des Statistischen Landesamtes (Stand 2024) zeigen, dass die Spanne der Preise für die fiktive Jahresrechnung einer vierköpfigen Familie im Kreis Esslingen von rund 319 Euro in Aichwald bis hin zu rund 589 Euro in Ohmden reicht. Doch was sind die Gründe für die Unterschiede?

Neuer Wasserhochbehälter verursacht hohe Kosten

Laut Bürgermeisterin Barbara Born ist der hohe Wasserpreis in Ohmden in erster Linie darauf zurückzuführen, dass in den Jahren 2013 und 2014 ein Neubau des Wasserhochbehälters der Gemeinde erforderlich gewesen sei. „Aufgrund dieses Neubaus sind die Abschreibungen deutlich in die Höhe gegangen“, erklärt Born. Darüber hinaus sei zur Finanzierung des Neubaus seinerzeit die Aufnahme eines neuen Darlehens erforderlich gewesen – auch die daraus resultierenden Zinsen müsse man nun erwirtschaften.

In Hochbehältern wie diesem an der Esslinger Burg ist das Wasser gespeichert, bevor es über das örtliche Leitungsnetz in die Haushalte fließt. Foto: Archiv/ Roberto Bulgrin

In Holzmaden direkt neben Ohmden ist das Wasser mit rund 389 Euro für eine durchschnittliche vierköpfige Familie um ganze 200 Euro günstiger im Jahr. Laut Bürgermeister Florian Schepp wird die Wasserversorgung in Holzmaden durch den kommunalen Eigenbetrieb Wasserversorgung gewährleistet. Das Leitungsnetz gehöre diesem Eigenbetrieb und damit der Gemeinde. Das Wasser werde von der Landeswasserversorgung geliefert. Man sei in Holzmaden bemüht, das Leitungsnetz immer gut instandzuhalten, da ein schadhaftes Leitungsnetz, das hohe Wasserverluste zur Folge haben könne, zu erhöhten Wasserbezugspreisen führen könne.

Auch in Aichwald geht man davon aus, dass der vergleichsweise niedrige Wasserpreis unter anderem aus der kontinuierlichen Instandhaltung des Leitungsnetzes resultiert. „Wir versuchen, das Leitungsnetz immer in gutem Zustand zu halten“, sagt Jens Korff, technischer Geschäftsführer der Trinkwasserversorgung Aichwald. Dafür würden jedes Jahr zwei bis fünf Prozent des Netzes saniert. Zudem gehöre das komplette Leitungsnetz der Gemeinde – und zwar bis zu den Wasseruhren. So habe man eine gute Kontrolle über das Netz und versuche, die Leitungen rechtzeitig zu erneuern, um nicht eine Bugwelle an Investitionen vor sich herzuschieben, die irgendwann auf einen Schlag zu hohen Kosten führen.

In Denkendorf wiederum setzt man neben der steten Instandhaltung des Leitungsnetzes vor allem auf geringe Personalkosten. Hier gilt mit 363 Euro für 150 000 Liter einer der günstigsten Wasserpreise im Kreis Esslingen. Das liegt laut Matthias Göser vom Ortsbauamt unter anderem daran, dass die örtliche Trinkwasserversorgung mit einem Wassermeister und personeller Unterstützung der Landeswasserversorgung mit relativ geringem Personalaufwand erfolgen könne. Da Denkendorf keine Teilorte habe, sei das Trinkwassernetz zudem sehr kompakt und habe nur kurze Zubringerleitungen. Außerdem könne der Trinkwasserbedarf zu etwa einem Viertel über eigene Quellen gedeckt werden. Bei den übrigen rund 75 Prozent handele es sich um Bodenseewasser, das man über einen Fernwasseranschluss von den Stadtwerken Esslingen beziehe. „Im Vergleich zu anderen Kommunen hat Denkendorf damit gute Voraussetzungen für einen niedrigeren Wasserpreis“, so Göser.

Viele Faktoren bestimmen den Wasserpreis

Bernhard Röhrle, Pressesprecher der Landeswasserversorgung, erklärt: „Es gibt ganz viele Einzelfaktoren, die den kommunalen Wasserpreis beeinflussen.“ Bei der Berechnung komme es unter anderem darauf an, ob das Wasser aus der eigenen Gemeinde komme oder erst angeliefert werden müsse, ob das Leitungsnetz weitläufig oder kompakt sei, ob es große Höhenunterschiede zu überwinden gelte oder nicht und in welchem Zustand sich die Leitungen befänden. Zudem könnten Investitionen je nach Zahl der Einwohner über den Wasserpreis nur auf wenige oder aber auf viele Schultern verteilt werden.

Lange Zeit sei der Wasserpreis der Inflation gefolgt, sagt Bernhard Röhrle. In den vergangenen Jahren aber sei er oft stärker gestiegen als die Inflation – und er werde künftig voraussichtlich weiter steigen. Denn es gelte, sich an den Klimawandel anzupassen, der immer wieder lange Trockenzeiten, aber auch Überschwemmungen mit sich bringe. Auch die Landeswasserversorgung sei dabei, sich zu wappnen – etwa mit zusätzlichen Quellen und größeren Kapazitäten für Hitzeperioden sowie mit der Umstellung auf erneuerbare Energien für den Wassertransport. Weil das aber Geld koste, müssten sich auch die Kommunen darauf einstellen, künftig höhere Bezugspreise für das Trinkwasser bezahlen zu müssen.

Zwei große Wasserversorger

Wasserversorgung
Der Kreis Esslingen wird vor allem von zwei großen Wasserlieferanten mit Trinkwasser versorgt: von der Landeswasserversorgung und der Bodenseewasserversorgung. Diese sind als Zweckverbände organisiert, die Mitgliedskommunen mit Trinkwasser beliefern, dabei aber keine Gewinne erzielen dürfen. Von der Landeswasserversorgung werden rund 250 Städte und Gemeinden im Land mit Wasser beliefert, bei der Bodenseewasserversorgung sind rund 180 Kommunen Verbandsmitglieder.

Bezugspreis
Dieses Jahr gilt bei der Bodenseewasserversorgung ein Bezugspreis von 88 Cent pro Kubikmeter Wasser. Bei der Landeswasserversorgung liegt der Bezugspreis durchschnittlich bei 80 Cent pro Kubikmeter, schwankt laut Pressesprecher Bernhard Röhrle aber je nach Abnahmemenge zwischen 60 Cent und einem Euro pro Kubikmeter.

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