Trinkwasserversorgung in Wernau Das endgültige Aus der Brunnen naht
Ganz beerdigt ist die Idee, in Wernau wieder eigenes Trinkwasser zu gewinnen, noch nicht. Aber viel Hoffnung gibt es nicht mehr.
Ganz beerdigt ist die Idee, in Wernau wieder eigenes Trinkwasser zu gewinnen, noch nicht. Aber viel Hoffnung gibt es nicht mehr.
Wernau - Das Eigenwasser aus den Brunnen im Neckartal beschäftigt die Wernauer, regelmäßig melden sich Bürgerinnen und Bürger dazu zu Wort, mit Leserbriefen oder in der Fragestunde des Gemeinderats. Das war auch dieses Mal so. Im Vorgriff auf den Punkt zwei der Tagesordnung sagte ein Zuhörer, „dass die Mehrheit der Bevölkerung für die Versorgung mit Eigenwasser ist und gegen das Gewerbegebiet“. Ob diese Mehrheit für den Gemeinderat nicht zähle? Eine Frau sagte, sie fühle sich „seitens der Stadt für dumm verkauft“, weil diese überhöhte Kosten für eine Druckwasserleitung genannt habe. Und ein Dritter regte an, dass die Stadt einen Bürgerentscheid zu diesem Thema herbeiführen solle. Auf diesem Weg könnten die Wernauer entscheiden, ohne dass sie in der Coronazeit Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammeln müssten, begründete er seinen Vorschlag.
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Die Entscheidung für die Stilllegung der drei Wernauer Trinkwasserbrunnen im Neckartal fiel allerdings schon vor Corona, im Mai 2018. Damals wäre das Instrument des Bürgerbegehrens möglich gewesen, sagte der Bürgermeister Armin Elbl. Er kündigte nach den vielen Wortmeldungen an, künftig – wie in der Gemeindeordnung verankert – keine Fragen mehr zu Themen zuzulassen, die auf der Tagesordnung stehen.
Schon 2017 war ein Gutachten für die Trinkwasserbrunnen rechts und links der Esslinger Straße erstellt worden. Dieses Jahr hat der Gemeinderat nach einem Antrag der Grünen ein weiteres hydrogeologisches Gutachten in Auftrag gegeben: Es sollte eine mögliche Trinkwassergewinnung auf der gesamten Markung in den Blick nehmen. Untersucht wurden drei Varianten: die Sanierung der bestehenden Brunnen, die Errichtung eines neuen Flachbrunnens oder eines Tiefbrunnens.
Das Ergebnis, vorgestellt per Videoschalte von Ralf Dinkelmeyer vom Büro Bieske und Partner, ist ernüchternd: Bei den bestehenden Brunnen im Neckartal kommt der Fachmann zu ähnlichen Feststellungen wie seine Kollegin vor vier Jahren. Das Hauptpumpwerk von 1953 und der Antoniusbrunnen (1961) hätten erhebliche bauliche Schäden. Der Sportplatzbrunnen sei dagegen nach seinen 40 Betriebsjahren noch in gutem Zustand. Ausgerechnet er ist aber der kleinste Brunnen und mit einer geschätzten Leistung von einem Liter pro Sekunde für die Trinkwassergewinnung nicht interessant.
Generell hat die Ergiebigkeit laut Dinkelmeyer im Lauf der Jahre „exorbitant nachgelassen“, was wahrscheinlich daran liege, dass sich die Poren der Kiesschicht rund um die Brunnenschächte zugesetzt hätten. Das würde sich durch die Sanierung der Brunnen nicht ändern. Eine recht aufwendige Aufbereitung des Wassers wäre nötig; ein Trinkwasserschutzgebiet könnte schon deshalb nicht ausgewiesen werden, weil bei hohem Wasserstand des Neckars ein Austausch zwischen Fluss- und Grundwasser stattfindet.
Das Fazit des Gutachters: Eine Weiternutzung der bestehenden Brunnen für Trinkwasser sei nicht sinnvoll, stattdessen empfehle er der Rückbau oder aber die Nutzung als Brauchwasserbrunnen. Das hatte der Gemeinderat bereits für den Antoniusbrunnen im Sinn, wenn der Bauhof in die Esslinger Straße umgezogen ist.
Für eine Neuanlage eines Flachbrunnens kämen wegen der Bodenbeschaffenheit nur „die Niederungen rechts und links des Neckars“ infrage, sagte Dinkelmeyer. Neben den bestehenden hat er drei mögliche Standorte neben der B 313 und drei weitere beim Freibad ausgemacht. Dort bestehe aber dieselbe Problematik wie oben bei ungewisser Ausbeute. Die Investition und die Aufbereitung würden das Trinkwasser verteuern.
Und auch Option Nummer drei, ein Tiefbrunnen, fällt dem Gutachter zufolge durch. Hier rechnet er, nachdem er sich mit ähnlichen Brunnen in Nachbarorten beschäftigt hat, mit geringer Ausbeute und zweifelhafter Wasserqualität: Eine ganze Reihe von Grenzwerten würden überschritten, die Aufbereitung wäre zwar möglich, käme aber „einer Meerwasserentsalzung nahe“.
Das Gutachten aus dem Jahr 2017 habe sich hoffnungsvoller gelesen, meinte Stefan Prakesch (Grüne) enttäuscht. Jens Müller (CDU) stellte fest: „Unsere Hoffnung war eigentlich, in den Höhenlagen gutes Trinkwasser fördern zu können.“ Ähnlich äußerte sich Stefan Redle (WBL/JB) und fragte, ob man die alten Brunnen für den Notfall vorhalten könne. Das ist aber nicht vorgesehen. „Grundsätzlich sind nicht genutzte Brunnen zurückzubauen“, sagte Ralf Dinkelmeyer, lediglich als „Notbrunnen“ könne man das vielleicht umgehen. Alfred Freistädter (FWV) bedauerte das Ergebnis, regte aber an, „bald einen Knopf dran zu machen“ und abzustimmen. Das war den meisten anderen jedoch zu schnell. Sie haben nun Bedenkzeit bis zur Januarsitzung.