Trockenheit als Problem Bauern befürchten erhebliche Ernteausfälle

Die Trockenheit machen den Bauern im Südwesten, wie hier im badischen Herbolzheim, sehr zu schaffen. Foto: dpa
Die Trockenheit machen den Bauern im Südwesten, wie hier im badischen Herbolzheim, sehr zu schaffen. Foto: dpa

Die Trockenheit führt zu Ernteausfällen. Eine schlechte Ernte muss aber nicht zu stark steigenden Preisen für die Verbraucher führen.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)

Stuttgart - Die schönen Hoffnungen könnten zerrinnen wie Butter in der Hitze: Noch zu Beginn des Jahres hatten die Bauern erwarten können, dass ihre Einkommen dieses Jahr wieder steigen. Doch die Witterung der letzten Wochen könnten ihnen eine Strich durch die Rechnung machen - bundesweit, aber auch in Baden-Württemberg. An Regen fehlt es überall, von der Nordseeküste bis zum Schwäbischen Meer. "Bei Getreide könnte es zu Ernteausfällen zwischen 20 und 30 Prozent kommen", befürchtet Horst Wenk, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Bauernverband in Baden-Württemberg. Ähnlich ist die Lage auch in anderen Bundesländern, so etwa in Bayern. Aber auch an der Ostsee, in Mecklenburg-Vorpommern steht das Getreide weniger gut als sonst um diese Zeit üblich.

Auf die Landwirte könnten nach Meinung von Wenk Einkommensverluste von zwischen 15.000 und 20.000 Euro zukommen. Natürlich könnte ein schöner Landregen die Ausfälle bei der Weizenernte noch etwas reduzieren, doch dass die Ernte schlechter wird, steht wegen der Trockenheit der vergangenen Wochen nach Meinung des Landwirtschaftsfachmannes bereits fest. "Es werden Ertragsminderungen bleiben", meint Wenk. Käme es so schlimm wie befürchtet, "dann wäre das eine Katastrophe".

Auf den Weizenpreis kommt es an

Neben dem Wetter allerdings gibt es noch eine weitere Unsicherheit: die Weizenpreise zur Erntezeit. Diese werden "nicht in Baden-Württemberg gemacht und auch nicht in Deutschland", wie ein Sprecher des Deutschen Bauernverbandes sagt, "sondern auf dem Weltmarkt". Steigen die Weizenpreise, könnte dies die geringere Erntemenge möglicherweise kompensieren. Die Verbraucher müssen sich nach Ansicht von Wenk dennoch nicht auf stark steigende Preise für ihr täglich Brot einrichten: "Der Getreidepreis macht vier Prozent des Brotpreises aus", sagt der Bauernfunktionär, "Personalkosten oder Energiekosten fallen da viel stärker ins Gewicht." Allerdings: für denkbar hält Wenk dennoch, dass höhere Getreidepreise genutzt werden, um auch die Preise für das Brot zu erhöhen - wie auch schon geschehen.

Die Trockenheit der letzten Wochen indes lässt nicht nur das Getreide schlechter wachsen. Auch bei "Grünschnitt", also beim abgemähten Gras, gibt es Ausfälle in ähnlicher Höhe: 20 bis 30 Prozent weniger könnten dies schon sein", erläutert Wenk. Dies träfe besonders die Milchwirtschaft in Oberschwaben und im Allgäu, zwei typischen Anbaugebieten für Grasfutter.

Schwerer Frost schadete den Reben

Die Milch- und Viehwirtschaft ist der wichtigste Einkommensbringer der Landwirte in Baden-Württemberg, von besonderer Bedeutung ist auch noch der Getreideanbau. Noch hört man von den Milchwirtschaftsbetrieben allerdings keine Klagen wie etwa in Rheinland-Pfalz, wo viele Bauern inzwischen Viehfutter zukaufen müssen. Nach Meinung von Wenk könnte sich die Lage für Bauern, die Gras verfüttern, noch etwas entspannen: habe man Glück, könne noch bis zum Ende des Sommers weiteres Gras geschnitten werden. Voraussetzung für weitere Schnitte ist allerdings, dass es endlich ausgiebig regnet. Wie hoch die Ausfälle in der Landwirtschaft insgesamt sein werden, lässt sich bis jetzt nicht beziffern. Für einen kleineren, nicht entscheidenden, aber sehr im Blickfeld der Öffentlichkeit stehenden Bereich aber lässt sich bereits einiges voraussagen: Wegen der Fröste in den vergangenen Tagen rechnen die Wengerter in Württemberg mit einem Schaden von etwa 30 Millionen Euro allein für die Weingärtner. Der Frost, der den Reben zusetzte, so heißt es, sei der schwerste in den vergangenen zehn Jahren gewesen. Im Weinsberger Tal etwa, so heißt es, liege der Ausfall bei 30 Prozent, in den hohenlohischen Anbaugebieten an Kocher und Jagst gar bis zu 80 Prozent.

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