Trockenheit in Fellbach Hilfe für Stadtbäume im Hitzestress

Braunes Laub und kahle Äste sind ein Zeichen des Trockenstresses. Foto: Eva Schäfer

Bäume sind willkommene Schattenspender und Klimaanlagen in der aufgeheizten Stadt. Aber wie überleben sie in den Dürrezeiten und welche Rolle spielen Wassersäcke?

Rems-Murr: Eva Schäfer (esc)

Die Stadtbäume sind durch die lange Hitze und Trockenheit im Stresstest. Wer in die Kronen blickt, sieht kahle Äste, am Boden sammeln sich braune, vertrocknete Blätter. Stadtbäume haben ohnehin erschwerte Lebensbedingungen. Doch die Bäume nehmen eine wichtige Rolle im Stadtklima ein und spenden wertvollen Schatten. Eine neue Studie des Umweltbundesamtes (UBA) hat untersucht, wie sich in Innenstadtquartieren kühlere Temperaturen erzielen lassen. „Wir sind dem Hitzeinseleffekt nicht schutzlos ausgeliefert“, sagt UBA-Präsident Dirk Messner.

 

Mit deutlich mehr Grün, neuen Bäumen und mehr Verschattung sowie Dach- und Fassadenbegrünung lassen sich der Aufenthalt im Freien und die Temperaturen in den Wohnungen deutlich angenehmer gestalten, so Messner. „Neben neuen Bäumen müssen wir vor allem den alten Baumbestand in den Städten schützen und ihn bei anhaltender Trockenheit regelmäßig bewässern.“

In Waiblingen sind 50 bis 60 Wassersäcke im Einsatz

Einigen Passanten sind bestimmt die Wassersäcke aufgefallen, die an manchen Bäumen befestigt sind, wie etwa in der Fellbacher Pfarrer-Sturm-Straße. Welche Rolle nehmen sie bei der Bewässerung ein? „Die Wassersäcke kann man als Ergänzung zum Gießen mit dem Schlauch ansehen“, sagt Thorge Semder, der Leiter der Abteilung Grünflächen und Friedhöfe in Waiblingen. „Da Wasser immer zeitverzögert in den Boden gelangt, kann man erst den Baum ganz herkömmlich über den Gießring wässern und zusätzlich den Sack oder auch die Säcke mit Wasser füllen. Dann erhält der Baum eine größere Wassergabe.“ Im Waiblinger Stadtgebiet seien 50 bis 60 Wassersäcke derzeit im Einsatz.

Meist werden diese bei jüngeren Bäumen und bei Neupflanzungen verwendet, sagt Semder. Ein Sack habe 75 Liter Inhalt. Das Wasser sei meist nach sieben bis acht Stunden versickert. Die Säcke werden beim Gießen des Baumes gefüllt, in der Regel etwa alle 14 Tage. Damit der neu gepflanzte Baum Wurzeln ausbildet, die ihn auch halten, müssten sich diese auf die Suche nach Wasser begeben. „Daher sollte ein Baum nicht ständig tröpfchenweise gegossen werden. Das Intervall darf natürlich auch nicht zu groß sein“, erklärt der Grünflächen-Abteilungsleiter.

Bäume leiden unter übermäßiger Sommerhitze

In Fellbach seien momentan rund 50 Säcke im Einsatz, insbesondere dort, wo Wasser nur sehr langsam vom Boden aufgenommen werden könne oder solle. Das betreffe gewisse Altbaum- und auch Jungbaumstandorte, sagt Solveig Birg, die Baumexpertin der Stadt Fellbach. „Seit Anfang der 2000er Jahre ist nicht nur von baumsachverständigen Menschen zu beobachten, dass unsere Bäume unter der übermäßigen Sommerhitze leiden“, sagt Birg. „Die geschwächten Bäume werden immer häufiger von Schädlingen in Form von Baumpilzen, Insekten oder Käfern befallen. Sie reagieren mit Totholzbildung bis hin zum Absterben von Kronenteilen auf den Befall oder sterben komplett ab“, erklärt die Fachfrau. In diesem Sommer sei dies an manchen Atlaszedern im Stadtgebiet zu beobachten. Es handele sich meist um Bäume im besten Alter, die durch die Sommer 2018 bis 2020 unter der Hitze gelitten haben und von einer Käferart befallen wurden, die das Absterben der vorgeschädigten Bäume beschleunigt habe.

Das unterstreicht auch der Fachmann aus Waiblingen. Geschwächte Bäume seien für Schädlinge wie Borkenkäfer oder Pilze interessanter, da ihre Abwehrkräfte geringer seien. „Das kann dann schnell das Todesurteil des Baumes sein. Bei großer Hitze und Trockenheit kommt es auch zu vorzeitigem Laubfall, um die Verdunstung über die Blätter zu verringern und damit die Gefahr des Austrocknens zu verhindern“, sagt Semder.

Versiegelte Flächen machen es den Bäumen besonders schwer

Und an welchen Standorten in der Stadt haben es Bäume besonders schwer? „Immer dort, wo die Flächen versiegelt sind und sich dadurch aufheizen wie Asphalt- und Betonflächen und wo Gebäudefassaden Hitzestrahlen reflektieren“, sagt Semder. Die Blätter könnten gar nicht das Wasser so schnell verdunsten, wie dies erforderlich wäre, und rollten sich ein oder welkten vorzeitig, weil die Wurzeln nicht genügend Wasser zu den Blättern weiterleiten könnten. Das untermauert auch die Fellbacher Baumexpertin. Stadtbäume müssten sich mit vielen negativen Standortfaktoren wie der Bodenverdichtung auseinandersetzen. Ungünstig sei auch intensive Sonnenbestrahlung, oft verstärkt durch reflektierende Fassaden. Deshalb würden Jungbäume und viele dünnrindige Altbäume mit einem Schutzanstrich versehen. Um die Standortbedingungen für Stadtbäume zu verbessern, würden zudem seit einigen Jahren bei Neuplanungen und Sanierungen größere offene Baumbeete angelegt und wurzelfreundliches Baumsubstrat verwendet.

Und was passiert, wenn das Gießen mit Trinkwasser künftig in Dürrephasen eventuell nicht mehr erlaubt ist, welche Alternativen gibt es dann? Die Stadt Waiblingen gieße, so Semder, mit gereinigtem Wasser aus der Kläranlage. Privat könnte man im Garten Regentonnen aufstellen oder Zisternen bauen, um Niederschlagswasser zu sammeln.

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