Trockenheit macht auch Imkern zu schaffen Klimawandel bremst Bienen aus

Von Thomas Hehn 

Erst heiß und trocken, dann kalt und nass – auch den Imkern und ihren Bienen macht das Wetter zu schaffen. Die Pflanzen geizen in diesem Jahr mit ihrem Nektar, und viele Völker finden nun gar keine Blüten mehr.

Inzwischen fliegen die Bienen in voller Stockstärke, allerdings gibt es für sie in der Natur kaum mehr etwas zu holen. Neben Obstbäumen und Wiesen sind auch die Rapsfelder weitgehend verblüht. Foto: Thomas Hehn
Inzwischen fliegen die Bienen in voller Stockstärke, allerdings gibt es für sie in der Natur kaum mehr etwas zu holen. Neben Obstbäumen und Wiesen sind auch die Rapsfelder weitgehend verblüht. Foto: Thomas Hehn

Göppingen - Erst heiß und trocken, dann kalt und nass. Und überhaupt kam das Frühjahr wieder viel zu früh – zumindest für die Bienen. So lautet jedenfalls die vorläufige Bilanz der Imker in der Region. Aus der Winterruhe erwacht, kamen viele Völker zu spät in die Gänge und erreichten ihre volle Sammelstärke erst, als alles schon wieder verblüht war.

Das traf vor allem Imker auf der Alb, deren Völker wegen des rauen Klimas in der Regel zwei Wochen später munter werden als in den geschützten Tallagen. Der nun schon wiederholt außergewöhnlich frühe Frühlingsbeginn traf die Bienen dann doppelt:  „Es hat zwar überall geblüht, aber es gab kaum Nektar“, erinnert sich Imker Uwe Wacker.

Der Lehrwart des Bezirksbienenzuchtvereins Alb-Lautertal weiß auch warum: „Es war einfach zu trocken. Ohne Wasser sparen die Pflanzen beim Nektar.“ Der Imker aus Böhmenkirch kann das bis aufs Gramm genau dokumentieren. Wacker hat auf seinem Bienenstand bei den Heidhöfen eine Stockwaage, die das Gewicht eines Volkes lückenlos erfasst: „Die Waage hat im April keinen Mucks gemacht. Was die Bienen eintrugen, haben sie gleich wieder verbraucht,“ beschreibt Wacker das Nullsummenspiel.

Beim Blütenhonig wird mit einer mäßigen Ernte gerechnet

Ein weiteres Phänomen, das der Bienenexperte nun schon wiederholt beobachtet: Die Blühphase im Frühjahr wird immer kürzer. Nach der rund zwei Wochen langen Obstblüte, beginnend von der Schlehe über Zwetschge, Kirsche bis Birne und Apfel, folgte in der Regel der Raps. Das schob immer wieder neue Triebe nach und schuf somit für weitere sechs Wochen ergiebige Trachtbedingungen für die Bienenvölker. „Heute blüht der Raps gerade mal  noch vier Wochen“, konstatiert Wacker. Er vermutet, dass bei der Ölsaat inzwischen neue Züchtungen mit bewusst verkürzten Blühphasen zum Einsatz kommen. „So werden die Schoten gleichzeitig reif und der Landwirt hat eine höhere Ausbeute.“

Dem heißen und trockenen April folgte Regen und Kälte im Mai, wo die Bienen überhaupt nicht fliegen konnten. Mitte Mai wurde es zwar wieder schön, aber es blieb kalt. Als gegen Ende des Monats die Temperaturen wieder stiegen, war die Obstblüte längst vorbei und der Raps auf der Alb schon fast verblüht. Wacker rechnet daher diesmal mit einer eher mäßigen Ernte – zumindest beim Blütenhonig.

Im Tal haben die Imker schon Honig geschleudert

Die Vereinskollegen von Uwe Wacker im Lautertal haben im Gegensatz dazu weniger Grund zum Klagen. Dort ist die Ausbeute weitaus besser. „Während bei mir zwei bis drei Kilo in der Woche eingetragen wurden, hat das Volk eines Kollegen in Donzdorf im selben Zeitraum zehn Kilo gesammelt“, berichtet der Imker. Uwe Wacker vermutet, dass das an den milderen Temperaturen im Tal liegt: „Ab 20 Grad aufwärts tragen Bienen erst richtig ein. Zwischen 15 und 20 Grad kommt gerade so viel rein, wie das Volk selbst verbraucht.“

Im Tal haben die Imker ihren Honig schon geschleudert. Im Schnitt 17 Kilogramm hat der Donzdorfer Imker pro Volk geerntet. „Da wird man fast neidisch“, stellt der Älbler fest – er hofft jetzt auf die Sommertracht. Demnächst beginnen die Himbeeren im Wald zu blühen. „Nach Stürmen, Borkenkäfer und Schneebruch gibt es derzeit viele lichte Stellen im Wald. Die werden schnell von Himbeeren besetzt“, berichtet Wacker.

Und dann ist da ja auch noch die Fichtenrindenlaus. Ob deren Population heuer so zunimmt, um den begehrten Waldhonig ernten zu können, muss sich zeigen. „Bisher hab ich noch nicht allzu viele gesehen“, räumt Wacker ein.




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