Trödelladen im Heusteigviertel Mancher Duplo-Stein kommt viermal wieder

Jörg Trüdinger ist der Mitinhaber des „Such & Find“ im Heusteigviertel. Foto: Nina Ayerle
Jörg Trüdinger ist der Mitinhaber des „Such & Find“ im Heusteigviertel. Foto: Nina Ayerle

Der legendäre Trödelladen „Such & Find“ im Heusteigviertel wird 20 Jahre alt. Jeder, der in Stuttgart irgendetwas sammelt, kennt die Inhaber Jörg Trüdinger und Marco Cini aus der Mozartstraße 38.

Leben: Nina Ayerle (nay)
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Heusteigviertel - Ob Comic-Figuren, die jeder aus der Kindheit kennt, kleine Spielzeugautos, Kisten voll mit der „Bravo“, mit Micky Maus-Heftchen oder allerlei anderem Zeug – der Trödelladen „Such & Find“ von Jörg Trüdinger und Marco Cini in der Mozartstraße 38 im Heusteigviertel ist bis unter die Decke voll mit alten Sachen. Selten wirft der Sammler etwas weg. Man weiß ja nie. „Manches Zeug lag schon Jahre rum, keiner wollte es haben und dann kam ein Boom und alles war in drei Wochen weg“, weiß Trüdinger aus Erfahrung.

Ein Sammelsurium aus altem Spielzeug

Im Februar vor 20 Jahren hat er gemeinsam mit seinem Partner Marco Cini das „Such und Find“ eröffnet. Mit ihrem Sammelsurium aus altem Spielzeug und anderen Gegenständen feiern sie nun runden Geburtstag. Seit mehr als 31 Jahren verkauft Trüdinger samstags auf dem Flohmarkt am Karlsplatz. Der 45-Jährige bezeichnet sich selbst als verrückten Sammler. „Ich sammle schon mein ganzes Leben lang“, sagt Trüdinger. Als kleiner Junge habe er damit angefangen und nie wieder aufgehört. Der eigene Laden war deshalb – trotz des betriebswirtschaftlichen Studiums – nur der logische Schritt. Dort ist nun das Zuhause von all den ganzen Dingen, die Trüdinger und Cini tagtäglich anhäufen.

Was Trüdinger fasziniert ist nicht das Alte an den Dingen, sondern die Geschichten, die die Sachen erzählen. So habe ihm vor Kurzem ein Stammkunde ein Lesebuch aus dem Jahr 1958 gebracht, welches dieser mit eigenen Zeichnungen versehen habe. Vor zwei Wochen ist der Mann gestorben. „Ich habe mich gewundert, warum der Herr das Buch mehr als 60 Jahre aufhebt und es nun plötzlich bringt“, erzählt Trüdinger. Manchen seiner Kunden sei dies lieber, als dass ihre Sachen verloren gehen. Bei Trüdinger wissen sie alles in guten Händen.

Viele Spielsachen kommen immer wieder zum „Such und Find“ zurück. „So manches Duplo-Set habe ich viermal verkauft“, sagt er. Oft sei es ein langer Kreislauf. Wenn die Kinder zu groß sind für Duplo-Steine, bringen es die Eltern zurück und nehmen dafür Lego mit. „Das ist der beste Umweltschutz“, sagt der Sammler. Denn alles, was er verkaufe, sei ja schon produziert, werde aber immer weiter verwendet, sagt er. Und er ergänzt: „Das ist besser als Recycling.“

Angefangen haben die beiden Händler damals mit einem Raum. Längst gehören ihnen die verwinkelten Hinterzimmer des Geschäfts ebenfalls. „Damals mussten wir in dem einen Raum sogar noch strecken“, sagt Trüdinger. Sonst hätte es so leer ausgesehen. Das kann den beiden heute nicht mehr passieren.

Heute sind die Kunden anspruchsvoller – aber Hauptsache billig

In 20 Jahren habe sich vieles verändert. „Heute ist die Kundschaft wesentlich anspruchsvoller“, weiß der Sammler und Händler. Früher seien die Leute dankbar gewesen, dass sie bestimmte Sachen überhaupt kaufen konnten. Durch die Konkurrenz mit dem Internet gehe es inzwischen darum, wo sie Spielzeug am billigsten bekommen. „Die feilschen um jeden Preis.“

Dennoch, nachgelassen hat die Nachfrage nach alten Märklin-Loks oder ähnlichem nicht. Trüdinger bekommt ständig neue Ware – zum Beispiel aus Nachlässen oder von Stammkunden – die sehr gefragt ist. Sein großer Vorteil: „Bei mir im Laden können die Kunden die Sachen anschauen und auf Echtheit prüfen.“ Denn: „Im Internet gibt es viel Schmu“, sagt der Fachmann, während das Telefon ständig klingelt und er Anfragen nach Spielzeug beantwortet.

Und noch etwas hat sich verändert: Die Arbeitsverdichtung geht auch an einem kleinen Geschäft, in dem die Zeit still zu stehen scheint, nicht vorbei. „Früher habe ich in einer Zeitschrift oder in einem Buch gelesen und auf die Kunden gewartet“, sagt Trüdinger. Heute hat er dafür keine Zeit, weil ständig das Telefon klingelt, der nächste Kunde eine spezielle Frage hat oder er Dinge, die auf dem Flohmarkt nicht mehr gehen, im Internet verkaufen muss. „Wir arbeiten heute mehr als früher, um das Gleiche zu schaffen“, sagt der Trödelhändler aus dem Heusteigviertel.

Doch einiges ist auch beim Alten geblieben in Stuttgarts bekanntestem Trödelladen: Trüdinger hat immer noch auch viele Kunden, die kommen, um zu stöbern und in den alten Spielsachen zu kruschteln. „Die finden das entspannend“, weiß Trüdinger.




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