Trotz Corona-Krise Überraschend gutes drittes Quartal für Deutsche Bank

Von dpa 

Schafft die Deutsche Bank ausgerechnet im Corona-Jahr die Trendwende? Die jüngsten Zahlen nähren den Optimismus. Allerdings läuft es nicht in allen Bereichen rund.

Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bank mit tiefroten Zahlen zu kämpfen. Foto: Fabian Sommer/dpa Foto: dpa
Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bank mit tiefroten Zahlen zu kämpfen. Foto: Fabian Sommer/dpa

Frankfurt/Main - Die Deutsche Bank hält nach einem überraschend guten dritten Quartal Kurs auf schwarze Zahlen im Gesamtjahr.

Trotz des beispiellosen Konjunktureinbruchs infolge der Corona-Krise sei Deutschlands größtes Geldhaus 2020 durchgehend profitabel gewesen, bilanzierte Konzernchef Christian Sewing am Mittwoch: "Nach neun Monaten beläuft sich unser Gewinn auf 846 Millionen Euro vor Steuern, sodass wir weiterhin zuversichtlich sind, auch für das Gesamtjahr ein positives Vorsteuerergebnis zu erreichen." Die Frage, ob auch unter dem Strich im Gesamtjahr 2020 ein Gewinn stehen wird, ließ Finanzvorstand James von Moltke in einer Telefonschalte offen.

Im dritten Quartal schnitt das Institut, das sich im Jahr seines 150-jährigen Bestehens mitten in einem tiefgreifenden Umbau befindet, besser ab als vom Management geplant und von Analysten erwartet: Vor Steuern stand ein Plus von 482 Millionen Euro in den Büchern, nach Steuern waren es 309 Millionen Euro. Davon müssen aber unter anderem noch Zinszahlungen an die Inhaber bestimmter Anleihen abgezogen werden, sodass auf die Aktionäre des Frankfurter Dax-Konzerns ein Gewinn von 182 Millionen Euro entfiel. Ein Jahr zuvor hatte der im Juli 2019 eingeleitete Konzernumbau für tiefrote Zahlen gesorgt.

Mit dem radikalen Konzernumbau will die Deutsche Bank nach einer Serie von Verlustjahren wieder in die Erfolgsspur zurückkehren. Das lange verlustreiche Geschäft der hauseigenen Investmentbank wurde zurechtgestutzt, aus dem weltweiten Aktienhandel zog sich die Bank zurück. Sewing will die Kosten insgesamt deutlich nach unten drücken und peilt für 2022 eine Eigenkapitalrendite von acht Prozent an.

Dazu soll bis Ende 2022 die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern um etwa 18.000 auf weltweit 74.000 verringert werden. Ende September 2020 lag die Zahl der Vollzeitstellen bei 86.984. Im Heimatmarkt Deutschland will das Institut jede fünfte Filiale schließen und das Netz auf 400 Standorte schrumpfen.

Die Bank halte an ihrem Ziel eines Stellenabbaus von 18 000 Jobs fest, "aber das wichtigere Ziel ist das Kostensenkungsziel", sagte Finanzchef von Moltke. Auf der Streichliste steht Medienberichten zufolge die IT-Tochter Postbank Systems, die IT-Dienstleistungen für die Deutsche-Bank-Tochter Postbank erbringt. Interesse an einer Übernahme des Unternehmens mit 1400 Mitarbeitern hat demnach der indische Softwareanbieter Tata Consultancy Services. Die Deutsche Bank führt derzeit die Computersysteme von Mutterkonzern und Tochter zusammen.

"Im fünften Quartal unserer Transformation haben wir neben unserer Kostendisziplin auch gezeigt, dass wir Marktanteile gewinnen können", sagte Konzernchef Sewing. Die Bank erwarte, "dass sich ein erheblicher Teil unserer Ertragssteigerungen als nachhaltig erweisen wird".

Vor allem im Investmentbanking ging es im dritten Quartal aufwärts, in der Sparte kletterten die Einnahmen um 43 Prozent zum Vorjahreszeitraum auf rund 2,4 Milliarden Euro dank eines starken Handels mit Anleihen und Währungen sowie eines gut laufenden Beratungs- und Emissionsgeschäft. 2021 dürfte es für die Branche nach Einschätzung der Deutschen Bank jedoch im Kapitalmarktgeschäft wieder schwieriger werden. Die Erträge in der Privatkundenbank stagnierten im dritten Quartal, die Sparte rutschte sogar in die roten Zahlen.

Auch der Sparkurs trug zum positiven Zwischenergebnis bei, ebenso wie die Tatsache, dass die Deutsche Bank mit 273 Millionen Euro deutlich weniger Geld für mögliche Kreditausfälle zurücklegte als in den ersten beiden Quartalen. Auf Jahressicht ist die Risikovorsorge mit gut 1,5 Milliarden Euro allerdings mehr als dreimal so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Die Branche rüstet sich dafür, dass von der Corona-Krise gebeutelte Kreditnehmer ihre Darlehen möglicherweise nicht zurückzahlen können. "Wir haben konservativ bilanziert bei der Risikovorsorge", sagte Finanzchef von Moltke. "Daher sehen wir uns sehr klar auf dem Weg zu einem Vorsteuergewinn."

Sewing bekräftigte in einem Brief an die Belegschaft: "Wir haben im dritten Quartal unsere Erträge im Vorjahresvergleich um 13 Prozent gesteigert und gleichzeitig die Ausgaben um 10 Prozent gesenkt. So sind wir auf einem guten Weg zu unserem Renditeziel für 2022." Im laufenden Jahr sollen die Kosten auf 19,5 Milliarden Euro sinken. Das wären 3,3 Milliarden weniger als 2018. Der Konzernchef sieht die Bank "voll auf Kurs" zu diesem Ziel.

Der allgemeinen Sorge vor einem zweiten "Lockdown" in der Corona-Krise konnt sich die Deutsche-Bank-Aktie jedoch zunächst nicht entziehen. Das Papier verlor am Mittwochmorgen zeitweise rund fünf Prozent an Wert, drehte später aber ins Plus.

© dpa-infocom, dpa:201028-99-109557/5

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