Grundschulen stehen vor großen Herausforderungen. Die Schülerschaft wird immer heterogener: Die einen Kinder könnten vor der Einschulung schon lesen, die anderen könnten nicht einmal Drei-Wort-Sätze nachsprechen. So schildert der geschäftsführende Schulleiter der Stuttgarter Grundschulen, Uwe Heilek, die Situation, mit der Lehrerinnen und Lehrer umgehen müssen. Auch die Stadt Stuttgart beschäftigt das Problem. Die Sprachdefizite vieler Kinder machen Schulamtsleiter Thomas Schenk Sorgen. Rund zehn Prozent der 4500 Erstklässler, die in die Schule kommen, hätten „große Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache“, sagt Schenk – auch Kinder mit deutschem Pass. Eine internationale Vorbereitungsklasse komme nicht infrage.
Eigentlich sind Grundschulförderklassen dafür geschaffen worden, die Startbedingungen zu verbessern und Kinder zur Schulfähigkeit zu führen. Doch lediglich 0,5 Prozent aller Schülerinnen und Schüler besuchen laut Stadt solch eine Grundschulförderklasse – in diesem Schuljahr waren es laut der amtlichen Schulstatistik 210 Schülerinnen und Schüler. Für das kommende Schuljahr verzeichnet das staatliche Schulamt zudem „einen eklatanten Rückgang der Anmeldungen“, wie Schenk diese Woche im Schulbeirat berichtete. „Es ist nicht sicher, ob wir die Angebote in der Breite machen können im nächsten Schuljahr“, sagt Schenk. Teils gäbe es nicht mal eine Handvoll Anmeldungen für eine Klasse. Genaue Zahlen liegen aber erst Ende der Ferien vor.
Es soll sich um ein entgeltpflichtiges Angebot handeln
Dass die Nachfrage so gering ist, hat einen einfachen Grund: Grundschulförderklassen sind nur ein Halbtagsangebot. „Das wird von den Eltern nicht akzeptiert“, erklärt der Schulamtsleiter. Zuvor ging ein Teil der Zielgruppe vielleicht in eine Ganztageskita – im Anschluss dann in die Ganztagsschule. Es ergibt sich eine Betreuungslücke von einem Jahr. Da melden die Eltern ihre Kinder lieber gleich zur ersten Klasse an oder belassen sie noch ein Jahr im Kindergarten.
Nicht zum nächsten, aber zum Schuljahr 2024/25 soll sich das ändern: Die Stadt will auch bei Grundschulförderklassen Ganztagesangebote einführen. Stimmt der Gemeinderat im Rahmen der Etatberatungen dafür, kann die Betreuungszeit für Kinder in diesen Klassen auf bis zu fünf Stunden nach Ende des jeweiligen Stundenplanes ausgeweitet werden – bis maximal 17 Uhr. Das wäre dann als freiwilliges Betreuungsangebot konzipiert – und die Eltern müssten entsprechend dafür bezahlen. Grundschuldirektor Heilek machte im Schulbeirat klar, dass er hier „ein Problem“ sieht. Manche Eltern, deren Kinder diese Form der vorschulischen Bildung bräuchten, könnten das Entgelt nicht entrichten.
Derzeit besuchen bis zu 20 Kinder eine Grundschulförderklasse. Die Stadt will, dass es in Zukunft zwölf Kinder sind – analog zu den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren mit Förderschwerpunkt Lernen. Freie Träger sollen laut Planung einen Inklusionszuschlag erhalten, ein inklusives Konzept soll erarbeitet werden.