Trotz Selbstverpflichtung Nicht jedes Unternehmen bietet Schnelltests an

Selbst- und Schnelltests sollen helfen, die Sicherheit von Mitarbeitern in Unternehmen zu erhöhen. Foto: dpa/Bodo Schackow

Es gibt keine Pflicht für Unternehmen, den Mitarbeitern Schnelltests anzubieten. Aber es gibt eine Selbstverpflichtung der Wirtschaft. In der Realität interpretiert die aber jeder individuell.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau: Matthias Schmidt (mas)

Stuttgart - Die Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft in Sachen Schnelltests für Mitarbeiter wird in den Unternehmen höchst unterschiedlich interpretiert. Eine Mail-Umfrage des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft in Baden-Württemberg zeigt, dass manche Firmen ihren Beschäftigten großzügig Tests zur Verfügung stellen, während andere dies ablehnen und „weiter auf gesetzliche Vorgaben warten“, wie es in einer Antwort heißt.

 

Manche Firmen betreiben beträchtlichen Aufwand, um den Mitarbeitern die Schnelltests anbieten zu können. So teilte etwa die Ditzinger Niederlassung der Spedition Emons mit, dass deutschlandweit 80 Mitarbeiter mit Schutzkleidung ausgestattet und in Onlinekursen geschult wurden, um Tests durchführen und bescheinigen zu dürfen. Regelmäßig können an zwei Tagen pro Woche Termine gebucht werden. In Verdachtsfällen würde auch außerhalb dieser Zeitfenster getestet.

Beschaffung der Tests problemlos möglich

Die Steuerberatungsgesellschaft Bassler Ziegler in Sindelfingen antwortete, dass jedem Mitarbeiter jederzeit Antigen-Schnelltests zur Verfügung stünden. Wer wolle, könne sich täglich testen. Die Beschaffung der Tests sei über den Betriebsarzt oder in einer Online-Apotheke problemlos möglich. Eine bebilderte Anleitung genüge, um die Tests richtig anwenden zu können.

Ein mehrmals angeführtes Argument gegen Schnelltests ist die hohe Homeoffice-Quote. Da sich „ein Großteil der Belegschaft im Homeoffice befindet und ein Testergebnis kaum Relevanz für den gewöhnlichen Arbeitsalltag hätte“, organisiert beispielsweise die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg keine Tests für die Mitarbeiter. Andere Firmen verweisen darauf, dass die bestehenden Hygienekonzepte mit Schutzmasken und Desinfektion von Räumen und Arbeitsplätzen ausreichend seien. Sie plädieren zudem dafür, möglichst schnell Impfungen zu ermöglichen, was derzeit aber noch am Impfstoffmangel scheitert.

Politik verzichtet auf eine verpflichtende Regelung

Im Vorfeld der jüngsten Runde von Bund und Ländern zur Corona-Bekämpfung war die Rede davon gewesen, Schnelltests in Unternehmen zur Pflicht zu machen. Davon nahm die Politik jedoch nach Gesprächen mit Wirtschaftsverbänden Abstand. Es blieb bei einer gemeinsamen Erklärung der Arbeitgeberverbände BDA, BDI, DIHK und ZDH. Darin heißt es, die Spitzenverbände „appellieren an die Unternehmen, ihren Beschäftigten Selbsttests, und wo dies möglich ist, Schnelltests anzubieten, um Infektionen frühzeitig zu erkennen“. Dies betrachte man als eine „gesamtgesellschaftliche Verantwortung“.

Außerdem heißt es in der am 9. März veröffentlichen Erklärung: „Wir werden die Öffentlichkeit fortlaufend und von Beginn an über unsere Aktivitäten und die Anzahl der teilnehmenden Unternehmen unterrichten.“ Auf Anfrage konnten die Spitzenverbände der Arbeitgeber und der Industrie, BDA und BDI, aktuell jedoch keine Zahlen nennen. Eine Anfrage des „Handelsblatts“ bei den 30 deutschen Dax-Konzernen in der vergangenen Woche hatte ergeben, dass zwei Drittel davon Schnelltests für die Mitarbeiter planen oder bereits anbieten.

Der Handwerksverband ZDH hat noch keine Zahlen über die Beteiligung der Betriebe parat, verweist aber auf vielfältige Aktivitäten unter der Maxime „Wir testen, damit alle gesund bleiben.“ Derzeit würden Informations- und Schulungsunterlagen für die Betriebe erarbeitet, damit sich möglichst viele beteiligen. Für die Grenzpendler-Regionen gebe es eine Übereinkunft mit dem Land Baden-Württemberg, dass Firmen Schnelltests aus der Notreserve des Landes in Anspruch und direkt bei den Handwerkskammern Freiburg, Karlsruhe, Konstanz und Ulm abholen könnten, so das ZDH.

Experten plädieren für differenzierter Teststrategien

Die Forderung, allen Mitarbeitern mindestens einmal pro Woche Tests anzubieten, wird von Fachleuten nicht uneingeschränkt unterstützt. Gezielte Testungen, die sich auf betriebsspezifische Risiken und statistische Modelle stützen, tragen schon dann erheblich zum Gesundheitsschutz bei, wenn nur zehn Prozent der Belegschaft getestet werden. So argumentieren unter anderem die Experten der No-Covid-Gruppe und das vom Arbeitgeberverband Südwestmetall empfohlene Gesundheits-Start-up DasLab.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte nach der Erklärung der Wirtschaftsverbände angekündigt, man werde die Umsetzung der Schnelltest-Strategie „sehr genau beobachten“. Was geschieht, wenn viele Firmen nicht mitziehen, blieb damals offen.

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