Auch dringend benötigte ausländische Fachkräfte haben es in Deutschland schwer. Nach sechs Jahren hat Elena Lugovaya in Esslingen einen angemessenen Job gefunden. Was ihr geholfen hat.

Rund acht Jahre ist es her, dass Elena Lugovaya aus Russland in die Region Stuttgart kam. In ihrer Heimat hatte sie gleich zwei Studiengänge absolviert und eine Laufbahn in der öffentlichen Verwaltung angestrebt, in Deutschland jedoch habe sie beim Arbeitsamt die Info erhalten, dass ihre Diplome hier nichts wert seien. Jobs als Kellnerin und als Reinigungskraft seien ihr angeboten worden. „Ich wurde schlecht beraten“, sagt sie heute. Und weiter: „Ich habe mich sehr verloren gefühlt. Mir fehlte die menschliche Unterstützung.“ Gefunden hat sie genau das schließlich in der Person von Naira Shakhsuvarya. Sie ist selbst vor fünf Jahren aus Armenien nach Deutschland gekommen und erklärt: „Ich verstehe die Leute, wenn sie sagen, dass sie komplett verloren sind.“

 

Naira Shakhsuvarya ist Mitarbeiterin im Welcome-Service Region Stuttgart. Der wiederum ist ein Angebot der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Fachkräfteallianz Region Stuttgart. Für Menschen aus dem Ausland, die in Deutschland studieren oder arbeiten wollen, werden Sprechstunden angeboten. Dort wird ihnen erklärt, wie und wo sie internationale Schul- und Berufsabschlüsse anerkennen lassen können, wie sie Kontakte zu Firmen knüpfen und sich bewerben können, wo sie ihre Deutschkenntnisse verbessern können, wie das mit dem Einreise- und Aufenthaltsrecht ist oder welche Qualifikationen sie noch benötigen. Auch bei alltäglichen Problemen, bei der Wohnungs- oder Kitasuche, werden wichtige Impulse gegeben.

Integration ausländischer Fachkräfte: Bürokratie als Hürde

Das Ganze zielt im Speziellen auf Fachkräfte und Studierende ab, aber auch hiesigen Unternehmen wird bei der Rekrutierung von ausländischem Fachpersonal, bei Fragen zu Visumverfahren oder Förderprojekten unter die Arme gegriffen. Das Ziel ist dabei klar: Fachkräften die Integration in die deutsche Wirtschaft und in die Gesellschaft erleichtern. Und das tut not. Verena Andrei, die Leiterin des Welcome-Services Region Stuttgart, nickt wissend. Ja, die bürokratischen Hürden seien hoch.

Marion Koch, Abteilungsleiterin Sozialplanung und Projekte bei der Stadt Esslingen, ist froh um die Unterstützung für lokale Betriebe und ausländische Fachkräfte. Foto: Caroline Holowiecki

Sie und ihr Team bieten seit runden zehn Jahren regionale Sprechstunden in den Landkreisen der Region Stuttgart an. Für den Kreis Esslingen finden sie in städtischen Räumen statt. Für die Stadt selbst ist das Ganze ein wertvolles Angebot, denn „wir haben viele Betriebe, die nach wie vor angewiesen sind auf qualifizierte Fachkräfte“, sagt Marion Koch, die Abteilungsleiterin Sozialplanung und Projekte bei der Stadt Esslingen. Sie betont: „Wir allein kriegen es nicht mehr hin.“

Pflegebranche in Not: Willkommen-Service als Rettungsanker

Auf viele Branchen trifft das zu. Beispiel Pflege: Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass bis 2049 voraussichtlich zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte in Deutschland fehlen werden. Alexandra Kretschmer, pflegerische Abteilungsleiterin und Zuständige für das Thema Anerkennung am Klinikum in Esslingen, ist daher für den Welcome-Service dankbar. „Absolut, das ist auch für mich eine Anlaufstelle, wo ich Informationen bekomme.“ Schon jetzt kooperiere das Klinikum immer wieder mit dem Esslinger Beratungsteam, schicke beispielsweise Bewerberinnen und Bewerber zur Unterstützung dorthin. Sie betont: „Deutschland wird ein Einwanderungsland.“

Entsprechend wächst der Informationsbedarf. Von den etwa 190 Einzelberatungen, die das Esslinger Welcome-Service-Team binnen zehn Jahren vorgenommen hat, fanden 120 in den vergangenen zwei Jahren statt, erklärt Naira Shakhsuvarya. Die Statistik zeigt: Die Menschen, die seit 2015 in der Sprechstunde waren, kamen aus 47 unterschiedlichen Herkunftsländern, die mit Abstand meisten von ihnen aus der Ukraine. Die weiteren Top-Länder: Syrien, Indien, Türkei und Italien. Am häufigsten hatte es das Beratungsteam in Esslingen demnach mit weiblichen und männlichen Rechtsanwälten zu tun, außerdem mit IT-Entwicklern, Managern, Ärzten und Ingenieuren.

Sich zu integrieren, das war für Elena Lugovaya kein Problem. Die deutsche Mentalität kannte sie bereits lang. „Ich habe schon in Russland an der Uni mit Deutschen zusammengearbeitet“, erzählt sie. Heute hat sie in ihrer Wahlheimat ihren Traumjob gefunden. Nach einer Einzelberatung durch Naira Shakhsuvarya hat sie „neue Motivation gefühlt und Schwung bekommen“. Dass die Beratung auf Russisch stattfinden konnte, habe vieles sehr vereinfacht. Danach hat Elena Lugovaya zunächst im Welcome-Center in Stuttgart hospitiert, „das hat mir meinen Weg ins Berufsleben gezeigt“. Seit zwei Jahren arbeitet sie nun bei der Stadt Esslingen – als Sachbearbeiterin beim Bürgerservice Einwanderung. Sie findet: „Es ist etwas, das fruchtet und den Leuten etwas bringt.“

Angebote für Fachkräfte, Studierende und Unternehmen

Das Programm
Der Welcome-Service Region Stuttgart ist ein Angebot der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Fachkräfteallianz Region Stuttgart und wird durch Mittel des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg unterstützt.

Die Standorte
Zum einen gibt es als zentrale Anlaufstelle das Welcome-Center in Stuttgart am Charlottenplatz – das Team dort spricht 18 Sprachen –, zum anderen finden einmal im Monat regionale Sprechstunden in den umliegenden Landkreisen statt. Für den Kreis Esslingen sind sie beim Esslinger Amt für Soziales, Integration und Sport, Beblingerstraße 3. Die Sprechstunde richtet sich vor allem an Fachkräfte, internationale Studierende, Angehörige sowie Unternehmen. Die Termine und mehr Informationen findet man auf welcome.region-stuttgart.de.